Die Gemeinschaftsdiagnose 2026 sieht Deutschland im Aufschwung. Das BIP soll um 1,3 % wachsen. Doch hohe Energiepreise und strukturelle Probleme bremsen die Erholung.
Die deutsche Industrie trägt zur konjunkturellen Erholung bei: Exporte und Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe entwickelten sich im ersten Halbjahr 2026 stärker als erwartet. Gleichzeitig belasten hohe Energiepreise und strukturelle Probleme den Aufschwung.Symbolbild - KI-generiert
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Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für Deutschland 2026 ein BIP-Wachstum von 1,3 %, für 2027 von 1,1 % und für 2028 von 0,4 %.
Exporte und Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe entwickelten sich im ersten Halbjahr 2026 stärker als erwartet, Unternehmensinvestitionen und privater Konsum blieben dagegen schwach.
Hohe Energiepreise, Niedrigwasser und strukturelle Probleme bremsen die Erholung; 2028 verliert die wirtschaftliche Expansion deutlich an Tempo.
Das staatliche Finanzierungsdefizit soll von 4,1 % des BIP 2026 auf 4,7 % im Jahr 2028 steigen. Die Institute sehen einen wachsenden Konsolidierungsbedarf.
Warum fällt die Gemeinschaftsdiagnose 2026 besser aus?
Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Ende 2025 im Aufschwung. Die Erholung fällt stärker aus als noch im Frühjahr erwartet, bleibt nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute aber schwach. Für 2026 prognostizieren sie ein Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,3 %. 2027 sollen es 1,1 % und 2028 noch 0,4 % sein.
Damit haben die Institute ihre Erwartungen angehoben. Gegenüber dem Frühjahr steigt die Prognose für 2026 um 0,7 Prozentpunkte, für 2027 um 0,2 Prozentpunkte, wie aus der Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026 hervorgeht.
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„Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet. Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten“, sagt Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Vor allem das erste Halbjahr 2026 verlief kräftiger als im Frühjahr prognostiziert. Die Exporte und die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe legten überraschend stark zu. Impulse kamen laut Gemeinschaftsdiagnose von der robusten Weltkonjunktur und dem weltweiten KI-Boom. Zugleich waren Wettbewerber aus der Golfregion infolge des Iran-Kriegs erheblichen Produktionsbeeinträchtigungen ausgesetzt.
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Auch der Staatsverbrauch nahm kräftig zu. Bei zwei anderen wichtigen Komponenten blieb die Entwicklung dagegen schwach: den Unternehmensinvestitionen und dem privaten Konsum.
Der mit dem Iran-Krieg verbundene Energiepreisschock bremste zudem die deutsche Wirtschaft. Die höheren Preise für Kraftstoffe und Heizöl sind der Diagnose zufolge bislang allerdings kaum auf die übrigen Verbraucherpreise übergesprungen.
Im dritten Quartal hat sich die wirtschaftliche Erholung vorübergehend verlangsamt. Zwar hellten sich die Stimmungsindikatoren weiter auf, die aktuellen Konjunkturdaten fielen jedoch schwächer aus.
Ein konkretes Produktionshemmnis ist das seit Mitte Juli anhaltende Niedrigwasser. Es beeinträchtigt insbesondere die Produktion der Chemischen Industrie. Gleichzeitig drücken die höheren Energiepreise auf die Kaufkraft und damit auf den privaten Konsum.
Für das dritte Quartal rechnen die Institute deshalb lediglich mit einem BIP-Wachstum von 0,1 % gegenüber dem Vorquartal. Normalisieren sich die Pegelstände, sollen die Produktionshemmnisse ab dem vierten Quartal nachlassen. Unterstützung für die weitere Erholung erwarten die Institute außerdem von der robusten Auslandsnachfrage sowie steigenden öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.
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Für 2027 prognostiziert die Gemeinschaftsdiagnose eine Fortsetzung des Aufschwungs. Dieser soll vor allem von der inländischen Verwendung getragen werden. Der private Konsum dürfte mit den real verfügbaren Einkommen moderat zulegen. Auch bei den Wohnungsbauinvestitionen erwarten die Institute eine allmähliche Belebung.
Die private Investitionstätigkeit dürfte insgesamt allerdings schwach bleiben. Damit bleibt ein für die Wirtschaftsentwicklung wichtiger Bereich hinter der allgemeinen Erholung zurück.
Warum verliert der Aufschwung 2028 an Tempo?
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Im Jahr 2028 soll sich die Expansion deutlich abschwächen. Nach Einschätzung der Institute zeigt sich dann zunehmend eine strukturelle Grenze des Aufschwungs. Das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft demografiebedingt, während gleichzeitig das Potenzialwachstum weiter zurückgeht.
Damit reichen künftig bereits geringe wirtschaftliche Zuwachsraten aus, um die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten auszulasten. Für 2028 rechnen die Institute deshalb nur noch mit einem BIP-Wachstum von 0,4 %.
Auch am Arbeitsmarkt kommt die konjunkturelle Erholung verzögert an. Die Erwerbstätigkeit sinkt zunächst weiter. Die Arbeitslosenquote soll von 6,4 % im Jahr 2026 auf 6,2 % im Jahr 2027 und schließlich 5,8 % im Jahr 2028 zurückgehen.
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Bei den Verbraucherpreisen erwarten die Institute zunächst einen weiteren Anstieg der Inflation. Nach 2,8 % im laufenden Jahr soll sie 2027 bei 3,2 % liegen und 2028 auf 2,0 % zurückgehen.
Finanzpolitik vor wachsendem Konsolidierungsbedarf
Zunehmenden Handlungsbedarf sieht die Gemeinschaftsdiagnose bei den Staatsfinanzen. Das staatliche Finanzierungsdefizit soll von 4,1 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 auf 4,3 % im Jahr 2027 und 4,7 % im Jahr 2028 steigen.
In absoluten Zahlen prognostizieren die Institute ein Defizit von 192,2 Mrd. EUR für 2026. Im Jahr 2027 sollen es 213,2 Mrd. EUR und 2028 schließlich 237,3 Mrd. EUR sein. Diese Eckdaten weist die Prognosetabelle der Gemeinschaftsdiagnose aus.
Der Zuwachs der Nettoprimärausgaben dürfte nach Einschätzung der Institute den im europäischen Regelwerk vorgesehenen Pfad deutlich überschreiten. Auch bei Einhaltung der reformierten nationalen Schuldenbremse werde die Schuldenquote mittelfristig weiter steigen. Zugleich nehmen die Zinsausgaben erheblich zu. Die Institute sehen deshalb einen wachsenden Konsolidierungsbedarf.
Die Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellt. Am Herbstgutachten 2026 wirkten DIW Berlin, ifo Institut in Kooperation mit WIFO, Kiel Institut für Weltwirtschaft, IWH und RWI mit.
mit Material vom DIW, Ifo, Wifo, IWH und RWI
Was Sie zum Thema Gemeinschaftsdiagnose 2026 wissen müssen
Wie stark wächst die Wirtschaft laut Gemeinschaftsdiagnose 2026? – Die Institute prognostizieren für 2026 ein preisbereinigtes BIP-Wachstum von 1,3 %. Für 2027 werden 1,1 % und für 2028 0,4 % erwartet.
Was sagt die Gemeinschaftsdiagnose 2026 zur Industrie? – Im ersten Halbjahr legten Exporte und Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe überraschend stark zu. Im dritten Quartal belastete unter anderem Niedrigwasser die Chemische Industrie.
Wie entwickeln sich die Investitionen laut Gemeinschaftsdiagnose 2026? – Die Unternehmensinvestitionen blieben im ersten Halbjahr schwach. Auch für 2027 erwarten die Institute insgesamt eine schwache private Investitionstätigkeit.
Welche Rolle spielen Energiepreise in der Gemeinschaftsdiagnose 2026? – Hohe Energiepreise belasten die Konjunktur und die Kaufkraft. Der Energiepreisschock hat die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Institute gebremst.
Was erwartet die Gemeinschaftsdiagnose 2026 bei den Staatsfinanzen? – Das Finanzierungsdefizit soll von 4,1 % des BIP im Jahr 2026 auf 4,7 % im Jahr 2028 steigen. Die Institute sehen einen wachsenden Konsolidierungsbedarf.