Ein Mitarbeiter von Premium Aerotec steht in einer Halle vor einem Bildschirm und kontrolliert die Arbeiten. Vor ihm steht ein unfertiges Flugzugbauteil, das von einer Maschine gehalten wird.

Die Mitarbeiter von Premium Aerotec in Augsburg können nun - gegen Wochenenzuschlag - auch Samstags und Sonntags arbeiten. - Bild: Premium Aerotec

| von Anja Ringel

Autobauer und Zulieferer in Deutschland schließen reihenweise ihre Werke. Weil die Produktionsnachfrage zurückgeht. Aber auch, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Anders ist die Situation bei Airbus und seiner Unternehmenstochter Premium Aerotec: Nach einer viertägigen Unterbrechung hat der Flugzeughersteller seine Produktion in Frankreich und Spanien wiederaufgenommen. In Deutschland liefen die Werke ohnehin fast normal weiter. Das ist auch bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec so. Das Augsburger Unternehmen fertigt unter anderem Flugzeug-Rumpfteile und Leichtbaukomponenten aus Kohlefaser.

Wie PRODUKTION aus Unternehmenskreisen erfahren hat, sollen die Mitarbeiter am Unternehmenssitz nun auch an fünf Wochenenden arbeiten – auf freiwilliger Basis. Der Grund: Die Firma ist mit einigen Aufträgen im Rückstand. Strafzahlungen drohen.

So reagiert Premium Aerotec auf die Corona-Krise

Einige Beschäftigte kritisieren laut unserer Recherche jedoch die Mehrarbeit. Es sei ein Widerspruch, dass einerseits auf mehr Hygiene geachtet wird, andererseits die Mitarbeiter nun aber sieben Tage die Woche zusammenarbeiten sollen, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Im Normalbetrieb hat Premium Aerotec seine Abläufe aufgrund der Corona-Krise umgestellt. So wird versucht, die Arbeiten in mehrere Schichten aufzuteilen, damit möglichst wenig Mitarbeiter auf engem Raum zusammenarbeiten.

Das bestätigt das Unternehmen auf Nachfrage: Es werden „alle anzuwendenden Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Hygiene, Reinigung und Abstand zwischen den Mitarbeitern in der Produktion und den Präsenzbereichen“ umgesetzt, teilt Premium Aerotec in einem Statement mit. Und weiter: „Die Arbeit findet aus Gründen des Infektionsschutzes pro Bereich in jeweils zwei komplett voneinander getrennten Teams statt, die keine Überlappungszeiten oder Berührungspunkte haben.“ Ziel sei es, die Produktion bei höchstmöglichem Schutz der Mitarbeiter so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Denn die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter stehe an oberster Stelle.

Mitarbeiterkontakt kann nicht immer vermieden werden

Das Problem: Manchmal ist Kontakt unvermeidbar und die Mitarbeiter können den empfohlenen Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten, berichtet ein Insider PRODUKTION. Dazu zählt zum Beispiel das Zusammenbauen von Bauteilen, bei dem mehrere Beschäftigte zusammenarbeiten müssen.

Was laut Unternehmenskreisen positiv von den Mitarbeitern aufgenommen wird, sind der neue Schichtbetrieb und auch, dass die Reinigungstrupps inzwischen mehrmals täglich im Werk unterwegs sind. Wie in vielen anderen Betrieben ist bei Premium Aerotec in Augsburg außerdem die Kantine geschlossen. Stattdessen gibt es Lunchpakete.

Premium Aerotec: IG Metall und Betriebsräte kontrollieren Maßnahmen

Ein Schritt, den auch die IG Metall und die Betriebsräte der Premium-Aerotec-Standorte für sinnvoll halten. Auf Anfrage von PRODUKTION teilt die Gewerkschaft mit, dass die Betriebsräte die Geschäftsführung kontrollieren, inwiefern Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Krankheit eingehalten werden. Die am Wochenende beantragte Mehrarbeit beruhte auf freiwilliger Basis unter Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen, sagt die IG Metall.

Doch gerade weil das Unternehmen Sicherheitsmaßnahmen ergreift, stehen für einige Mitarbeiter die Wochenendarbeiten im Widerspruch. Wie es aus Unternehmenskreisen verlautet, hätten vor allem ältere Beschäftigte versucht, die jüngeren vor der Ansteckungsgefahr zu warnen. Dennoch füllten sich die Listen mit Freiwilligen. Denn die Extrastunden am Wochenende werden mit einem einhundertprozentigen Wochenendzuschlag gut bezahlt.