Sie gehen, greifen, balancieren – und faszinieren mit ihrer menschenähnlichen Erscheinung: Humanoide Roboter verfügen über beeindruckende Beweglichkeit und sind sogar in der Lage, Gesichtsausdrücke zu deuten oder Sprache zu verstehen. Was vor wenigen Jahren noch Zukunftsvision war, nimmt heute konkrete Formen an.
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Faulhaber Redaktion
Faulhaber
Ein humanoider Roboter löst mit Fingerfertigkeit einen Zauberwürfel in einer modernen, hellen Produktionsumgebung.Faulhaber
Humanoide Roboter bilden die Schnittstelle zwischen
künstlicher Intelligenz und der realen, physischen Welt. Sie können nicht nur
digitale Informationen verarbeiten, sondern diese auch in konkrete Handlungen
umsetzen. Funktionieren die Bewegungsabläufe geschmeidig und sicher, können
humanoide Roboter eine Vielzahl an Aufgaben übernehmen, die bislang dem
Menschen vorbehalten waren – sei es in gefährlichen Umgebungen, im direkten
Kontakt mit Menschen oder in repetitiven Prozessen. Sie assistieren im Haushalt,
unterstützen in der Rehabilitation, interagieren mit älteren Menschen oder
werden im Einzelhandel eingesetzt. Ihre große Stärke liegt in ihrer
Vielseitigkeit und der Fähigkeit, sich an menschliche Umgebungen anzupassen.
Voraussetzung für zuverlässige Funktionalität eines Humanoiden
Roboters ist ein komplexes Zusammenspiel aus präziser Mechanik und
leistungsfähiger Antriebstechnik. Es entscheidet darüber, wie geschmeidig ein
Arm sich hebt, wie schnell ein Bein reagieren kann oder wie fein ein Finger
greift. Bei der Antriebstechnik sind besonders Miniaturisierung,
Energieeffizienz und Präzision zentrale Anforderungen – sie bilden den Kern
jeder Bewegung.
Humanoide Robotik als Thema beim FAULHABER-Kundentag
Mit seiner Keynote „Intelligent Manipulation – Fine Motor
Skills for Humanoid Robots“ zeigte Prof.
Homayoon Kazerooni, wie nah diese Zukunft bereits ist. Der renommierte
Forscher von der University of California, Berkeley, gab beim FAULHABER
Kundentag spannende Einblicke in den aktuellen Stand humanoider Robotik – und
in eine Technologie, die das Potenzial hat, die Arbeitswelt grundlegend zu
verändern. „Humanoids are here for real.“ Mit dieser Botschaft macht Prof.
Kazerooni deutlich, dass das Potenzial von humanoiden Robotern weit über
Forschungslabore hinausreicht: In Fertigung, Montage, Wartung, Logistik und
Lagerhaltung eröffnen sie völlig neue Möglichkeiten für die industrielle
Automation. Anhand des Beispiels von Produktionsmitarbeitern verdeutlichte
Prof. Kazerooni die drei zentralen Elemente menschlicher Arbeit: Intelligenz,
Sehen und Manipulation. Die „Ordinary Intelligence“, also das Denken, wird
in humanoiden Robotern durch künstliche Intelligenz realisiert. Das Sehen übernehmen
Kameras und Bildverarbeitungssysteme und die Manipulation, also das
Greifen und Bewegen, erfolgt durch hochentwickelte Roboterhände und Greifer. Damit
wird auch relativ schnell klar, das moderne Humanoide bereits an die
wesentlichen Fähigkeiten heranreichen, die den Menschen auszeichnen – kognitive
Intelligenz, Wahrnehmung und feinmotorische Geschicklichkeit.
Über Prof. Homayoon Kazerooni
Prof. Homayoon Kazerooni ist Professor für Maschinenbau an
der University of California, Berkeley, und zählt zu den international
führenden Experten im Bereich Robotik, Exoskelette und Mensch-Maschine-Systeme.
Mit über 30 Jahren Forschungserfahrung prägt er maßgeblich die Entwicklung
moderner Assistenz- und Robotiksysteme, die Mensch und Maschine auf
intelligente Weise verbinden. Als Gründer von suitX (by Ottobock) sowie Ekso
Bionics hat Prof. Kazerooni entscheidend dazu beigetragen, Exoskelette aus der
Forschung in die Praxis zu überführen – mit Anwendungen in Medizin, Industrie
und Rehabilitation.
Humanoide Robotik braucht Fingerspitzengefühl
DC-Motor für humanoide Roboter, Roboterhände und Prothetik.Faulhaber
Die Hand ist das vielleicht ausdrucksstärkste Werkzeug des
Menschen. Ihre Geschicklichkeit, Feinmotorik und sensorische Rückmeldung machen
sie zur Verbindungsstelle zwischen Körper und Umwelt. Diese faszinierende
Funktionalität in einer künstlichen Hand zu reproduzieren, ist eine der größten
Herausforderungen der Robotik – und gleichzeitig eine ihrer
vielversprechendsten Aufgaben. Ob in der Service- und Assistenzrobotik, in
industriellen Anwendungen oder der modernen Prothetik – robotische Hände sollen
das leisten, was die menschliche Hand seit Jahrtausenden perfektioniert hat:
komplexe Bewegungen koordinieren, unterschiedliche Greiftechniken anwenden, auf
äußere Reize reagieren und Kraft präzise dosieren. Dabei geht es nicht nur um
Form und Beweglichkeit, sondern auch um Motoren im Kleinstformat, intelligente
Steuerung und die Fähigkeit zur Anpassung an wechselnde Umgebungsbedingungen.
Die menschliche Hand ist ein hochkomplexes und fein
abgestimmtes Zusammenspiel aus 27 Knochen, über 30 Gelenken und Muskeln sowie
zahlreichen Sehnen für höchste Flexibilität und Kontrolle. Für eine künstliche
Hand bedeutet das, dass sie gleichermaßen robust und flexibel, leicht und
stabil, sowie kompakt und leistungsfähig konstruiert sein muss. Es ist ein
technischer Balanceakt, der hohe Anforderungen an Materialien, Konstruktion und
insbesondere die Antriebstechnik stellt. Elektromotoren sorgen für kraftvolle
Bewegungen, Sensorik liefert das notwendige Feedback, und intelligente
Steuerungssysteme koordinieren die Abläufe in Echtzeit. Kurzum: Damit sich eine
robotische Hand möglichst menschlich bewegt, braucht sie ein präzises, fein
abgestimmtes Innenleben. Ziel ist es, eine Symbiose aus Technik und Biologie zu
schaffen – sei es zur Wiederherstellung verlorener Fähigkeiten oder zur
Erweiterung menschlicher Handlungsmöglichkeiten. Dabei ist der Übergang
zwischen humanoider Robotik und moderner Prothetik fließend. Beide Disziplinen
bedienen sich ähnlicher technischer Prinzipien, um Bewegungen zu ermöglichen,
die dem menschlichen Vorbild möglichst nahekommen.
Kleinstmotorik für Feinstmotorik
Um die Finger einer robotischen Hand einzeln bewegen zu
können, wird jeder Finger von einem oder mehreren Aktuatoren angetrieben. So
kommen häufig mehr als 20 Antriebe pro Hand zum Einsatz, um komplexeste
Bewegungsabläufe zu ermöglichen. Dass die Antriebe, zumeist bestehend aus
Motor, Encoder, Planetengetriebe, Spindel und Steuerung, dabei extrem kompakt
sein müssen, versteht sich von selbst. Nur so lassen sich die Finger
individuell zu unterschiedlichen Griffmustern arrangieren – von filigranen
Bewegungen bis hin zu kraftvollen Greifvorgängen. Besonders geeignet für
diese anspruchsvolle Anwendung sind die DC-Motoren aus der Familie FAULHABER
SXR. Durch ihre innovative Wicklungsgeometrie, die hochleistungsfähigen
Selten-Erd-Magneten sowie die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten mit
hochpräzisen Planetengetrieben bieten sie ideale Voraussetzungen für den
Einsatz in künstlichen Händen.
Neben Funktionalität und Präzision spielen Gewicht und
Energieeffizienz eine entscheidende Rolle. Trotz hoher Komplexität müssen
moderne robotische Hände leicht bleiben – typischerweise zwischen 300 und 500
Gramm – und gleichzeitig eine lange Batterielaufzeit ermöglichen. Ebenso
wichtig sind Alltagstauglichkeit und Robustheit. Zu den grundlegenden
Anforderungen gehören das wasserdichte und leicht zu reinigende Design
sowie mechanische Belastbarkeit. Erst wenn Technik, Zuverlässigkeit und
Nutzerkomfort zusammenkommen, kann eine Hand tatsächlich als
„State of the Art“ gelten.
Interdisziplinarität als Schlüssel zum Fortschritt
Echte Fortschritte in der Entwicklung robotischer Hände
entstehen heute vor allem an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen.
Medizin, Materialwissenschaft, Informatik, Sensorik und Antriebstechnik müssen
eng zusammenarbeiten, um technisch ausgereifte und zugleich alltagstaugliche
Lösungen zu schaffen.
Medizinisches Know-how liefert das Verständnis für Anatomie,
Biomechanik und Nutzerbedürfnisse. Materialwissenschaften ermöglichen leichte,
robuste und ästhetische Strukturen. Informatik und Regelungstechnik sorgen für
intelligente Steuerung, lernfähige Systeme und effiziente
Datenverarbeitung. Erst diese enge Verzahnung führt zu Lösungen, die nicht nur
funktionieren, sondern auch akzeptiert werden.
Der BXI macht menschenähnliche Bewegungen möglich
Egal, ob feinfühlige Fingerbewegung oder kraftvolle
Gelenkbewegung – kompakte und intelligent gesteuerte Antriebssysteme sind die
zentralen Treiber für die Weiterentwicklung humanoider Robotik. In diesem
Prozess wurde auch der neue FAULHABER
BXI entwickelt. Der Innenläufermotor der Serie 9317 BXI G vereint
außergewöhnliche Leistungsdichte mit hoher Robustheit und definiert neue
Maßstäbe für integrierte Antriebssysteme. Als bislang leistungsstärkstes
integriertes System im FAULHABER Portfolio wurde der BXI gezielt für die hohen
Anforderungen moderner und zukünftiger Robotikapplikationen entwickelt. Motor,
integriertes Stufenplanetengetriebe und hochauflösender Encoder bilden eine
kompakte, funktionale Einheit, die maximale Performance bei minimalem Bauraum
ermöglicht – eine entscheidende Voraussetzung für leistungsfähige, zuverlässige
Gelenkantriebe in humanoiden Robotern der nächsten Generation.
Technische Daten
Der BXI verfügt über ein flaches, platzsparendes
Aluminiumgehäuse, ist korrosionsbeständig und kühlungsoptimiert. Sein hohes
max. Drehmoment von bis zu 20 Nm ermöglicht mühelos dynamische Bewegungen für
schnelle Reaktionszeiten und eine präzise Bewegungssteuerung. Mit einem
Spannungsbereich bis 50 V, den verfügbaren Schnittstellen sowie einer Länge von
nur 34 mm, lässt sich der BXI einfach integrieren.