Digitalisierung der Gefechtsfahrzeuge
Hensoldt erhält Großauftrag für Panzer-Optronik
Ein Großauftrag mit Signalwirkung: Hensoldt stattet Schützen- und Kampfpanzer mit hochmoderner digitaler Optronik aus – und treibt damit die Software-Defined Defence entscheidend voran.
Der Schützenpanzer Schakal auf Basis des Boxer RCT 30 - auch dieses Gefechtsfahrzeug erhält die neue Optronik von Hensoldt.
KNDS)
Digitale Optronik treibt den Umbau gepanzerter Systeme voran
Mit Aufträgen von mehr als 400 Millionen Euro sichert sich Hensoldt eine Schlüsselrolle bei der digitalen Modernisierung deutscher Gefechtsfahrzeuge. Die Ausstattung von Schakal und Leopard 2 A8 markiert dabei mehr als nur ein weiteres Rüstungsprojekt.
Die Entscheidung von KNDS, Kampf- und Schützenpanzer konsequent mit digitaler Optronik auszustatten, unterstreicht einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Landbereich. Sichtsysteme werden nicht länger als isolierte Optik betrachtet, sondern als softwarefähige Sensorik, eingebettet in vernetzte Führungs‑ und Wirksysteme. Hensoldt rückt damit in den Mittelpunkt einer Entwicklung, die militärisch wie industriepolitisch Gewicht hat.
Digitale Sichtsysteme als strategische Infrastruktur
Im Kern der Aufträge steht die Abkehr von analogen Lösungen. Die neuen Systeme sind digital ausgelegt, vernetzbar und updatefähig. Sie bilden damit eine technologische Grundlage für softwaregestützte Verteidigungsarchitekturen, die unter dem Schlagwort Software‑Defined Defence zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Für Hensoldt bedeutet das nicht nur Umsatz, sondern auch strategische Relevanz. Die gelieferten Sichtsysteme fungieren als Sensoren im digitalen Gefechtsfeld, liefern hochauflösende Datenströme und lassen sich mit weiteren Systemen koppeln. Interoperabilität, Verfügbarkeit und langfristige Versorgbarkeit rücken damit stärker in den Fokus als reine Hardware‑Performance.
Schwerpunkt Schakal: hoher Umfang, klare Systematik
Der größte Einzelauftrag entfällt auf den Radschützenpanzer Boxer RCT 30, genannt „Schakal“ . Rund 290 Millionen Euro umfasst der Vertrag, der die Lieferung von 288 vollständigen Sätzen digitaler Optronik vorsieht. Das Fahrzeug basiert auf der GTK‑Boxer‑Plattform und nutzt das Turmsystem des Schützenpanzers Puma.
Zum Ausstattungspaket zählen das digitale Kommandantensichtgerät PERI RTWL HD, das digitale Richtschützensichtgerät WAO HD, das Multifunctional Self‑Protection System (MUSS) sowie Monitore zur Darstellung der Videostreams. Die Komponenten sind untereinander austauschbar mit denen des Puma – ein Detail, das in der Logistik und Instandhaltung erhebliche Vorteile bietet.
Leopard 2 A8: Digitalisierung eines etablierten Systems
Parallel dazu beauftragte KNDS Hensoldt Ende 2025 mit der Ausstattung des Kampfpanzers Leopard 2 A8 . Der Auftrag umfasst 178 Sätze im Wert von mehr als 110 Millionen Euro. Geliefert werden unter anderem das PERI RTWL HD, das Zusatzvisier FERO Z18 für Richtschützen, der Sensorkopf Spectus II, das Wärmebildgerät ATTICA GL sowie das Entfernungsmess‑ und Einschießsystem EMES OPO.
Insgesamt wird Hensoldt damit 301 Sätze digitaler Sichtsysteme für die Leopard‑2‑Flotte der Bundeswehr bereitstellen. Auch hier kommt das plattformübergreifend ausgelegte PERI RTWL HD zum Einsatz, das bereits auf anderen Gefechtsfahrzeugen erprobt wurde und nun konsequent skaliert wird.
PERI RTWL HD als technisches Rückgrat
Das PERI RTWL HD bildet den Kern der neuen Optronik‑Architektur. Das stabilisierte, digitale Periskop ermöglicht Rundumaufklärung und Zielerfassung auch während der Fahrt und unter erschwerten Bedingungen wie Staub, Nebel oder Dunkelheit. Die Technik baut auf Erfahrungen aus früheren Leopard‑2‑Programmen auf und wird nun auf weitere Plattformen übertragen.
Die modulare Auslegung erlaubt eine flexible Integration in unterschiedliche Fahrzeugtypen. Damit wird das System zu einem Baustein für künftige, vernetzte Gefechtsfahrzeuge – weniger Einzelkomponente, mehr Systemarchitektur.
WAO HD: Der digitale Schritt für den Richtschützen
Mit dem WAO HD vollzieht Hensoldt auch beim Richtschützen den Wechsel von analoger zu vollständig digitaler Sichttechnik. Das System basiert auf derselben Architektur wie das PERI RTWL HD und liefert hochauflösende Videobilder mit erweiterter Sichtreichweite. Verbesserte Stabilisierung und moderne digitale Schnittstellen erleichtern die Einbindung in bestehende Turmsysteme.
Eine zentralisierte Anwenderschnittstelle reduziert zudem den Aufwand für Wartung und Service. Damit adressiert das System nicht nur operative Anforderungen, sondern auch den zunehmenden Druck auf Instandhaltungs‑ und Ausbildungskapazitäten.
Software‑Defined Defence als Leitmotiv
Die digitalen Sichtsysteme schaffen die Voraussetzung für weiterführende Funktionen wie Bilddatenfusion, Videotracking und die Vernetzung mit Führungs‑ und Wirksystemen. Sie tragen damit direkt zur Digitalisierung des Gefechtsfeldes bei und erhöhen Kampfkraft wie Überlebensfähigkeit von Fahrzeug und Besatzung.
„Die parallelen Aufträge für Schakal und Leopard 2 A8 zeigen, dass digitale Optronik heute ein zentraler Enabler für Software‑Defined Defence ist. Mit unseren plattformübergreifend einsetzbaren, softwarefähigen Sichtsystemen schaffen wir die Grundlage für vernetzte, zukunftsfähige Gefechtsfahrzeuge und stärken nachhaltig die Einsatzbereitschaft moderner Streitkräfte“, betont Christina Canitz, Head of Optronics Division bei Hensoldt.
Serienstart ab 2027
Prototypen digitaler Sichtsysteme für den Puma‑Turm sind bereits ausgeliefert. Die Serienauslieferung für den Schakal soll im vierten Quartal 2027 beginnen, die Ausstattung der Leopard‑2‑Flotte ist ebenfalls ab 2027 vorgesehen. Der Zeitplan verdeutlicht, dass es sich um ein langfristig angelegtes Programm handelt – mit entsprechender industrieller Bindungswirkung.
Was das für die Industrie bedeutet
Der Auftrag stärkt nicht nur Hensoldt, sondern sendet ein klares Signal an die Verteidigungs‑ und Zulieferindustrie. Digitale, softwarefähige Systeme setzen sich auch im schweren Landgerät durch. Wer künftig im Markt bestehen will, muss Sensorik, Software und Systemintegration zusammendenken. Analoge Inseln haben ausgedient – selbst im Panzer.
Mit Material von Hensoldt
FAQ zur neuen Panzer-Optronik von Hensoldt
Welche Fahrzeuge werden mit digitaler Optronik ausgestattet? – Der Radschützenpanzer Schakal (BOXER RCT 30) sowie der Kampfpanzer Leopard 2 A8.
Wie hoch ist das Auftragsvolumen insgesamt? – Die von KNDS vergebenen Aufträge an Hensoldt summieren sich auf mehr als 400 Millionen Euro.
Welche Rolle spielt das PERI RTWL HD? – Es ist das zentrale Kommandantensichtgerät und bildet das technische Rückgrat der digitalen Optronik‑Architektur.
Wann beginnt die Serienauslieferung? – Die Serienauslieferung für den Schakal ist für das vierte Quartal 2027 vorgesehen, weitere Lieferungen folgen ab 2027.
Warum ist digitale Optronik industriepolitisch relevant? – Sie ist Voraussetzung für Software‑Defined Defence und stärkt die technologische Souveränität im sicherheitsrelevanten Landbereich.