Mehrere Gasleitungen und deren Absperrvorrichtungen auf einem sonnigen Feld

Bestehende Gasleitungen können auch für den Transport von Wasserstoff genutzt werden. (Bild: Maksym Yemelyanov - stock.adobe.com)

Der Klimawandel und die veränderte geopolitische Lage durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verleihen dem Thema Energieversorgung eine neue Dynamik. Prof. Dr. Veronika Grimm, Wirtschaftsweise und Co-Vorständin des H2.B Wasserstoffzentrum Bayern sagt dazu: „Die Transformation unseres Energiesystems ist aktueller und dringlicher als je zuvor. Wasserstoff wird im klimaneutralen Energiesystem eine wesentliche Rolle spielen und dazu beitragen, unsere Energieversorgung zu sichern und zu diversifizieren.”

Markthochlauf von Wasserstoff vorantreiben

Die Aufgabe, den Markthochlauf von Wasserstoff zu diskutieren und vor allem voranzutreiben, sei laut Prof. Dr. Roland Fleck ohnehin eine Herausforderung, die nicht im Alleingang gestemmt werden könne. Der Geschäftsführer der Messe Nürnberg Group ist überzeugt, „dass der Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft aber nur in europaweiter Kooperation verbunden mit global organisierten Lieferketten gelingen kann, durch die der Import von grünem Wasserstoff nach Deutschland zuverlässig sichergestellt wird.“ Außerdem habe Wasserstoff durch den Krieg nochmals an Bedeutung gewonnen. Auch Grimm findet, dass die derzeitige Krise nicht nur bremse, sondern dass H2 dadurch noch schneller attraktiv werde.

Alles Wissenswerte zum Thema CO2-neutrale Industrie

Sie wollen alles wissen zum Thema CO2-neutrale Industrie? Dann sind Sie hier richtig. Alles über den aktuellen Stand bei der klimaneutralen Industrie, welche technischen Innovationen es gibt, wie der Maschinenbau reagiert und wie die Rechtslage ist erfahren Sie in dem Beitrag "Der große Überblick zur CO2-neutralen Industrie".

Um die klimaneutrale Industrie auch  real werden zu lassen, benötigt es regenerative Energien. Welche Erneuerbaren Energien es gibt und wie deren Nutzen in der Industrie am höchsten ist, lesen Sie hier.

Oder interessieren Sie sich mehr für das Thema Wasserstoff? Viele Infos dazu gibt es hier.

Hürden für den Aufbau von Wasserstoff-Netzen vermeiden

Dazu fährt Grimm fort: „Aber ich glaube, dass wir auch viele Chancen haben, die wir hier ergreifen können, weil vieles ja schon vor der Energiekrise konzipiert worden ist." Bei vielen Dingen wisse man schon, worauf es hinauslaufe. Allerdings müsse jetzt schneller und unter viel größerem Stress durch die hohen Energiepreise agiert werden.

"Auch beim Ausbau der Netze müssen wir darauf achten, dass wir keine Hürden in den Weg legen, denn dann nützt alles Geld der Welt nicht, wenn die regulatorischen Hürden sehr hoch sind", gibt Grimm zu Bedenken und fordert pragmatische Lösungen. "Bei der Definition von grünem Wasserstoff müsste man darauf achten, dass man es am CO2-Fußabdruck zum Beispiel festmacht und nicht an einer Phasenlehre zu Beginn, damit man eben vielfältige Möglichkeiten nutzen kann", erläutert die Wirtschaftsweise.

Das gelte auch für technologische Anforderungen an den Aufbau von Anlagen oder Gleichzeitigkeits-Anforderungen beim Aufbau von Elektrolyseuren und den entsprechenden erneuerbaren Energien oder des Betriebs der erneuerbaren Energien und der Elektrolyseure.

Transport von Wasserstoff durch vorhandene Gasnetze

Beim Transport von Wasserstoff werden immer wieder die vorhandenen Gasnetze ins Spiel gebracht. Bisher funktioniert es nur als eine Beimischung zum Gas von mittlerweile 20 Volumenprozent und gerade wird an Technologien geforscht, um beides kostengünstig wieder voneinander zu trennen. Doch was ist nötig, um die vorhandene Infrastruktur komplett für Wasserstoff nutzen zu können?

Dazu Frank Kröschel vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW): "Wir sehen momentan sehr eindrucksvoll, was sich beim Wasserstoff alles tut und was es an Applikationen und an neuen Technologien gibt. Dafür braucht es jetzt auch ein Konzept, wie es mit der Logistik funktionieren soll. Da kommen die bestehenden Erdgasnetze ins Spiel, die auf eine Länge von etwa einer halben Millionen Kilometer angewachsen sind. Wir arbeiten mit Hochdruck auch daran, die Transformation dieser bestehenden Infrastrukturen, die für Erdgas designt wurden, jetzt auch so zu organisieren, dass sie auch für die Wasserstoffwelt funktionieren."

Zwei Szenarien, Wasserstoff zu transportieren

Dabei verfolge man zwei Linien: Bei der einen gehe es um die Beimischung von 20 Prozent Wasserstoff für Applikationen, wo es erforderlich sei. Zweitens werde auch die Transformation hin zu hundert Prozent verfolgt. "Dazu gibt es verschiedene Instrumente, die wir jetzt auch zur Konsultation vorgelegt haben. Zum Beispiel ein Gasnetztransformationsplan, der seit zwei Wochen erarbeitet ist, bei dem sich auch die Gasbranche committet hat, in ihren Regionen, in den Landkreisen und auch in den Ländern, die Transformation der bestehenden Erdgasverteilnetze auch für den Wasserstoff zu organisieren", erläutert Kröschel.

Membrantechnologien zum Trennen von Erdgas und H2

Diesen Weg verfolge der DVGW sowohl politisch als auch im Bereich der Forschung. Für den Fall, wo Wasserstoff von Erdgas getrennt werden müsste, gebe es verschiedene Forschungsthemen: "Ein Thema sind Membrantechnologien. Über diese Technologien wird auch versucht, für spezielle Applikationen etwa im Industriebereich das Mischgas trennen zu können, um es dann für spezielle Anwendungen wieder ganz rein zur Verfügung zu stellen. Das sind momentan die Aktivitäten, die wir im Bereich der Infrastruktur sehen", stellt Kröschel dar.

Das bestehende Erdgasnetz habe übrigens schon einmal ein wasserstoffreiches Gas gesehen - das habe Stadtgas geheißen. "Aus meiner Sicht kommen wir jetzt wieder genau zu dem Punkt, wo wir in einer bestehenden Infrastruktur den Wechsel des Produkts wieder organisieren, um eben auch kostengünstig die Transformation zum Wasserstoff hinzukommen und nicht noch komplett neue Netze bauen zu müssen", erläutert Kröschel.

Investition in H2: Was zu beachten ist

Der Fond Marguerite, ein europäischer Fond für Energie, Klimaschutz und Infrastruktur, ist ein gesamteuropäischer Beteiligungsfonds, der die nötigen Impulse für wichtige Vorhaben in den Bereichen regenerative Energieträger, Energie und Verkehr gibt.

Bruno Erbel, Managing Director des Fonds Marguerite, geht der Frage nach, inwieweit es ein guter Zeitpunkt sei, in Wasserstoff zu investieren. Erbel sieht die nachfolgenden drei Gründe, die grundsätzlich dafür sprechen:

 

1 - die Preise von Erdgas sind sehr hoch

2 - es ist ein starker politischer Wille da, von Erdgas unabhängig zu werden

3 - und natürlich das Hauptziel, den Klimawandel zu bekämpfen

 

"Ich denke, dass sich im Moment der Ausbau des Wasserstoffsektors beschleunigt - also die Rahmenbedingungen sind gut. Im Prinzip können wir an mehreren Enden der Wertschöpfungskette investieren. Wir sind da relativ flexibel, allerdings auch vorsichtig. Das heißt, wir werden uns nicht nur auf ein Feedback dieser Kette fokussieren und darauf hoffen, dass der Markt den Rest bereitet, sondern wir werden die gesamte Kette betrachten", verdeutlicht Erbel.

Denn man brauche einen Abnehmer - das ist erst mal die Grundlage eines Projektes. So zum Beispiel Wasserstoffbusse oder industrielle Anwendungen. Wenn ein ganz klarer Bedarf entsteht, dann könne man darauf aufbauen. Dann gelte es zu überlegen, wo der Wasserstoff produziert werden könne.

"Zunächst einmal werden viele Projekte lokal sein, was auch gut ist und subventioniert werden sollte. Wenn der Bedarf steigt, wird man irgendwann merken, dass man an Orte gehen muss, wo die Produktionslage besser ist, wo man es billiger produzieren kann. Vielleicht zunächst in Europa - in Ländern wie Spanien - aber auf längere Sicht natürlich auch in Ländern wie Chile", erläutert Erbel.

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