Flagge von China, darauf Absprerrbänder mit den Aufschriften "Zero Covid" und "Quarantine"

In China herrschte drei Jahre lang eine strenge Null-Covid-Politik. (Bild: Logvin art - stock.adobe.com)

Die Null-Covid-Strategie Chinas hat bei den deutschen Firmen in der Volksrepublik deutliche Auswirkungen: Das Geschäftsvertrauen in China ist auf einem historischen Tiefpunkt. Fast die Hälfte der Firmen finden, dass China im Vergleich zu anderen Märkten an Attraktivität verloren hat. Das geht aus der neuesten Umfrage der Deutschen Handelskammer in China (AHK China) hervor, die am Donnerstag (15.12.) vorgestellt wurde.

„Dieses Jahr wurden deutsche Unternehmen von Chinas Null-Covid-Politik geplagt“, sagt Clas Neumann, Vorsitzender der Deutschen Handelskammer in Shanghai. Die damit verbundenen Einschränkungen „haben das Geschäftsvertrauen, die Attraktivität des Marktes und Geschäftschancen verdorben“. Dazu seien die geopolitischen Spannungen gekommen, die einen zusätzlichen Druck auf die Unternehmen ausüben.

Die Umfrage zeigt auch, dass knapp ein Drittel der deutschen Firmen in China von einem Umsatzrückgang für 2022 ausgehen. Beim Gewinn sind es sogar 42 Prozent, wie die Grafik zeigt:

Null-Covid-Politik ist größte Herausforderung

Für 90 Prozent (Umsatz) beziehungsweise 86 Prozent (Gewinn) der befragten Unternehmen hatten die Lockdowns zudem direkte Auswirkungen.

Die gesunkene Attraktivität des Standorts China zeigt sich auch beim Thema Investitionen:

  • Fast 60 Prozent der befragten Unternehmen sind der Meinung, dass die Attraktivität Chinas als Investitionsstandort im Vergleich zu anderen Märkten abgenommen hat.
  • Nur etwas mehr als die Hälfte der deutschen Firmen plant, die Investitionen in China in den kommenden zwei Jahren zu erhöhen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das ein Rückgang um 20 Prozent.

Als Grund, die Investitionen zu verringern, war vor allem die strenge Coronapolitik der Volksrepublik. Für 66 Prozent war das die größte Herausforderung (2021: 42 Prozent).  

Inzwischen hat die chinesische Regierung seine Strategie geändert und die meisten Corona-Regelungen abgeschafft.

„Das plötzliche Ende von Chinas Null-Covid-Politik ist ein Wendepunkt“, erklärt Neumann. „Die deutschen Unternehmen werden ihre Geschäftstätigkeit rasch an die neuen Bedingungen anpassen, um die zu erwartende Covid-Infektionswelle zu bewältigen. Danach werden sie optimistischer in das kommende Jahr blicken."

Derzeit breitet sich das Virus laut ‚Tagesschau‘ vor allem in der Hauptstadt Peking rasant aus. In Büros und Restaurants fehlt oft Personal wegen Corona-Infektionen. Die Unternehmen hoffen, dass es keine weiteren Lockdowns mehr gibt, so Neumann.

China: Wachstum der Industrieproduktion weiter abgeschwächt

Industrie in China
(Bild: gopixa - stock.adobe.com)

In China hat sich das Wachstum der Industrieproduktion weiter abgeschwächt und den niedrigsten Wert seit einem halben Jahr erreicht. Im November sei die Fertigung in den Industriebetrieben des Landes um 2,2 Prozent im Jahresvergleich gewachsen, teilte die nationale Statistikbehörde am Donnerstag (15.12.) mit. Noch schwächer war das Wachstum der chinesischen Industrieproduktion zuletzt im vergangenen Mai. Im Oktober hatte die Industrieproduktion mit fünf Prozent im Jahresvergleich noch mehr als doppelt so stark zugelegt.

 

Analysten waren im Vergleich zum Oktober von einer schwächeren Wachstumsdynamik ausgegangen, sie hatten für November allerdings einen stärkeren Zuwachs um 3,5 Prozent zum Vorjahr erwartet. (DPA)

Neue Strategie: Unternehmen regionalisieren und diversifizieren

Als Reaktion auf die Corona-Politik Chinas und der geopolitischen Spannungen haben 77 Prozent der befragten Firmen ihre Strategie angepasst. Der Trend geht nun in Richtung intensiverer Lokalisierung innerhalb Chinas und verstärkter Diversifizierung außerhalb des Landes, so die AHK China. Das betrifft sowohl die Lieferketten als auch die Produktion selbst. Es gehe darum, das Risiko auszubalancieren, so Neumann auf einer Pressekonferenz.

Als Beispiel nannte er die Automobilindustrie: So haben Unternehmen festgestellt, dass sie für bestimmte Teile nur einen Zulieferer haben. Wenn dieser dann aufgrund eines regionalen Lockdowns nicht liefern kann, gab es bisher keinen Ersatz. Nun suchen die Firmen aktiv nach weiteren Zulieferern – sowohl in anderen Regionen Chinas, als auch in anderen Ländern. Damit wolle man für jegliche Szenarien vorbereitet sein, erklärt Neumann.

Größeren Unternehmen fällt der Aufbau von Parallelstrukturen und die Diversifizierung außerhalb Chinas dabei leichter als kleineren.

Podcast: Trumpf CEO Werkzeugmaschinen über China

Deutsche Unternehmen in China: Der Großteil will bleiben

Neben der Corona-Politik belasten die deutschen Unternehmen weitere Hindernisse in China. Dazu zählen vor allem die Rechtsunsicherheit sowie Cyber- und Datenschutzvorschriften. Letzteres hängt mit der unklaren Umsetzung des chinesischen Cybersicherheitsgesetz zusammenhängen. Dazu kommen die steigenden Kosten – sowohl für Personal als auch für Transport und Rohstoffe.

Fast 30 Prozent der deutschen Unternehmen berichten außerdem über nachteilige Behandlung im Vergleich zu lokalen Mitbewerbern.

Doch trotz aller Probleme: Die große Mehrheit der Unternehmen will weiter in China bleiben: 89 Prozent haben keine Pläne, China den Rücken zu kehren. „Allen Widrigkeiten und Herausforderungen zum Trotz bleibt China für viele deutsche Unternehmen unübertroffen in Bezug auf Marktgröße und Wachstumschancen“, sagt Neumann.

Allerdings überlegen zehn Prozent der Firmen inzwischen, den chinesischen Markt zu verlassen. Im Vorjahr waren es nur vier Prozent. Der Großteil der Firmen (72 Prozent) gab als Grund die Corona-Beschränkungen an. Ein Prozent plant, den Standort in China aufzugeben.

Für das kommende Jahr gehen fast 40 Prozent davon aus, ihren Gewinn in China steigern zu können. Die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet mit einer Umsatzsteigerung.

Deutscher Maschinenbau-Gipfel 2022
(Bild: mi-connect)

Deutscher Maschinenbau-Gipfel 2023

Der deutsche Maschinenbau steht vor großen Herausforderungen! Internationale Krisen, Klimawandel, Energiewende, Digitalisierung, geopolitische Verwerfungen - es steht viel auf dem Spiel für Deutschlands wichtigste Industriebranche.

 

Die Vielzahl der Themen ist für den einzelnen zu groß und darum bietet auch der Maschinenbau-Gipfel 2023 wieder Orientierung, Stärkung des Zusammenhalts im Netzwerk und Austausch mit der Politik.

Die Veranstalter des Maschinenbau-Gipfels, VDMA und PRODUKTION, werden mit der Gestaltung wieder ihrem hohen Anspruch gerecht: Perspektiven und Zukunftsfähigkeit schaffen durch gemeinsames Handeln – das ist die Maxime des Maschinenbau-Gipfels am 07. und 08. November 2023 in Berlin.

 

Hier geht es zur Website des Maschinenbau-Gipfels.

Hier geht es direkt auf die Anmeldeseite zum Maschinenbau-Gipfel 2023.

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