Eppendorf Leipzig: Transformation als Erfolgsrezept
Nicht einfach modernisiert, sondern komplett neu erfunden: Die Transformation bei Eppendorf Leipzig zeigt, wie Führung, Kultur und Prozesse das Produktionssystem revolutionieren. Für diesen Wandel wird das Werk bei der Fabrik des Jahres ausgezeichnet.
Maximilian FestusMaximilianFestus
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Nicht einfach modernisiert, sondern komplett neu erfunden: Die Transformation bei Eppendorf Leipzig zeigt, wie Führung, Kultur und Prozesse das Produktionssystem revolutionieren – mit Wirkung weit über das eigene Werk hinaus.Eppendorf Zentrifugen GmbH)
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Die Eppendorf
Zentrifugen GmbH am Werk in Leipzig gehört zur Eppendorf SE und produziert
Präzisions‑Zentrifugen für Laboranwendungen. In einem Markt, der durch hohe Qualitätsanforderungen,
dynamische Nachfrage und wachsende technologische Komplexität geprägt ist, hat
das Unternehmen in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten
Transformationspfad verfolgt. Dieser Wandel mündete in der Auszeichnung ‚Hervorragende
Transformation Standort‘ im renommierten Wettbewerb ‚Fabrik des Jahres’,
ausgerichtet von Kearney, Ultima Media und Produktion.
Der Erfolg bei ‚Fabrik
des Jahres’ ist für Eppendorf weit mehr als eine Trophäe. „Für das Unternehmen
ist diese Auszeichnung ein erheblicher Erfolg. In den vergangenen Jahren hat
sich Eppendorf sehr stark weiterentwickelt und ein dynamisches Wachstum
erlebt“, betont Oliver Scholz, ehemaliger Geschäftsführer und VP Operations der
Eppendorf Zentrifugen GmbH.
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Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von der
systematischen und ganzheitlichen Ausrichtung des Projekts. Nicht ein einzelner
Bereich, sondern das gesamte System wurde transformiert – vom Leadership‑Konzept über Wertstrom‑ und Prozessorientierung bis zur Neugestaltung der
Arbeitsorganisationen und Rollenbilder. Scholz macht klar: „Wir haben das
gesamte Betriebssystem neu aufgestellt. Der zentrale Hebel dabei war das Thema
Führung. Führung stand im Mittelpunkt der Transformation und war die
Voraussetzung dafür, dass alle weiteren Projekte erfolgreich umgesetzt werden
konnten.“
Bearbeitungszentrum in der mechanischen Fertigung: Digitale Steuerung, geschützte Arbeitsumgebung und moderne Infrastruktur sichern Präzision und Schutz.Eppendorf Zentrifugen GmbH)
René Weber,
aktueller Geschäftsführer und VP Operations, betont die kulturelle Dimension:
„Die Transformation war nicht nur technisch, sondern vor allem kulturell
wirksam und hat das gesamte Werk nachhaltig verändert.“ Dies zeigt, wie eng
strukturelle Optimierung und gelebte Kultur in Leipzig miteinander verknüpft
wurden.
Eppendorf in Leipzig: So gelang die Transformation
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Der
Transformationsprozess startete 2019. Eine kleine, schlagkräftige Mannschaft
arbeitete von Anfang an Leadership, Wertstromdenken und einer neuen
Arbeitsorganisation. Die Transformation verlief in zwei klar definierten
Phasen. Die erste Phase (2019 – 2022) war vom Fokus auf Wachstum,
Stabilisierung und qualitativer Verbesserung geprägt, um den enorm gestiegenen
Anforderungen während der Corona‑Zeit gerecht zu werden.
René Weber, Geschäftsführer und VP Operations.Eppendorf Zentrifugen GmbH)
„Ziel war es, den
Output massiv zu steigern, stabile Wertströme aufzubauen, den Fluss zu
verbessern und die Qualität signifikant zu erhöhen“, erklärt Weber. Die zweite
Phase (2022 – 2024) richtete den Blick auf Nachhaltigkeit und
Produktivitätssteigerung. Nach der Corona‑Sondersituation standen die
langfristige Sicherung der Leistungsfähigkeit und die Anpassung des Werks auf
seine optimale Größe im Vordergrund.
Einbindung der
Mitarbeitenden als Schlüsselfaktor
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Ein zentraler
Baustein für den Erfolg war die konsequente Einbindung und Qualifizierung der
Belegschaft. Scholz erläutert, wie Transparenz und Kommunikation das Fundament
bildeten: „ Die Belegschaft wurde sehr intensiv eingebunden und systematisch
qualifiziert. Ausgangspunkt war ein umfassendes Kommunikationskonzept, bei dem
regelmäßig das gesamte Team adressiert wurde.“
Besonders hervorzuheben ist ein
intern entwickeltes, strukturiertes Lean‑Programm über zehn Tage, das
Kommunikation, Wertstromdenken, Lean Produktion und Lean Administration umfasst
und bis heute zweimal jährlich durchgeführt wird. Diese
Qualifizierungsaktivitäten wurden maßgeblich von den Führungskräften getragen,
die zunächst intern geschult und dann befähigt wurden, ihre Teams weiterzuentwickeln.
Highlights: Hervorragende Transformation Standort
Die Eppendorf
Zentrifugen GmbH in Leipzig erhielt die Auszeichnung für die ganzheitliche
Standorttransformation, die Leadership, Wertstrom‑ und Prozessorientierung mit
kulturellem Wandel verbindet.
Durch konsequente Belegschaftseinbindung, neue
Arbeitsorganisation, Lean‑Prinzipien und standardisierte Routinen wurde
Produktivität, Flexibilität und Resilienz nachhaltig gesteigert. Die neue
Arbeitsweise ist strukturell verankert.
Nachhaltigkeit
im Fokus: Organisation als Hebel
Nachhaltigkeit
am Standort begreift Eppendorf nicht primär als Energie‑ oder Ressourcenfrage,
sondern als nachhaltige Wirkung durch eine neue Arbeitsorganisation. „Der
größte Hebel für nachhaltige Wirkung lag eindeutig in der Arbeitsorganisation“,
erklärt Weber. Durch klar definierte Rollen, Verantwortlichkeiten und eine prozessorientierte
Arbeitsorganisation wurde kontinuierliche Verbesserung fest im Alltag
verankert.
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Diese Neuerungen haben die Anpassungsfähigkeit des Standorts
entscheidend gestärkt. Fehler werden systematisch analysiert und behoben, was
den Aufwand für Störungsbeseitigung reduziert und Zeit für Weiterentwicklung
schafft.
Resilienz und
Flexibilität im Tagesgeschäft
Oliver Scholz, ehemaliger Geschäftsführer und VP Operations der Eppendorf Zentrifugen GmbH.Eppendorf Zentrifugen GmbH)
Die neu
eingeführten Strukturen erhöhen zugleich die Resilienz und Flexibilität im
Tagesgeschäft. Durch einen strukturierten Zielmanagement‑Prozess wird
regelmäßig der strategische Takt gesetzt. Scholz verdeutlicht: „Der
Zielmanagement‑Prozess gibt den strategischen Takt vor: Welche Ziele verfolgen
wir, welche Projekte haben Priorität und welche Schwerpunkte setzen wir?“
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Führungskräfte agieren zunehmend als Coaches, die ihre Teams befähigen,
Herausforderungen selbstständig zu meistern. Diese Arbeitsweise ermöglicht es
dem Werk, flexibel auf Marktveränderungen, technologische Trends und Volatilität
im Produktionsumfeld zu reagieren – ein entscheidender Vorteil in einem global
vernetzten Wettbewerbsumfeld.
Lean‑Prinzipien
als Motor kulturellen Wandels
Zwei Lean‑Prinzipien
erwiesen sich als besonders wirkungsvoll für Kultur und Performance:
Verantwortung vor Ort und Fluss sichtbar machen. „Statt Probleme vom Büro aus
zu lösen, waren wir regelmäßig vor Ort, haben mit den Mitarbeitenden
gesprochen“, beschreibt Scholz, wie gemeinsam mit den Teams Lösungen direkt am
Ort des Geschehens entwickelt wurden.
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Die Reduktion von Beständen machte
Verschwendung sichtbar und schärfte den Blick für Lean‑Logik im Alltag.
Ergänzend standardisierte das Unternehmen die Regelkommunikation und führte
Coaching‑Rituale ein, die täglich und monatlich greifen und die kontinuierliche
Verbesserung sicherstellen.
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Transferstabilität,
Ramp‑ups und Zukunftsfähigkeit
Ein
Schlüsselelement für stabile Transfers und Ramp‑ups ist der Einsatz sogenannter
Anlauf‑Linien zu Beginn neuer Produkte oder Verlagerungsprozesse. Weber
beschreibt, wie diese systematisch neue Prozesse schrittweise hochfahren, ohne
die Stabilität des Gesamtsystems zu gefährden.
Gleichzeitig legt das
Unternehmen großen Wert auf klare Rollenklärung, strukturierte Planung und
standardisierte Methoden. „Durch diese Klarheit in den Rollen und Prozessen
wurde der Managementprozess deutlich stabiler und das Tagesgeschäft nachhaltig
abgesichert“, so Scholz.
Die Standardisierung von Arbeitsplätzen, Arbeitsreihenfolgen
und Arbeitsanweisungen nach TWI (Training Within Industry) hat Mitarbeitende
befähigt, die Produkte in ihrer Gesamtheit zu verstehen, aktiv Verbesserungen
anzustoßen und Produktionstakte zu optimieren.
Mit Blick
auf 2026 setzen Scholz und Weber klare Akzente: Die Steigerung der
Produktivität, unterstützt durch Automatisierung, Robotik und Künstliche
Intelligenz, steht im Mittelpunkt. „Rein manuelle, nicht automatisierte
Prozesse sind in Europa langfristig kaum wettbewerbsfähig“, betont Weber.
Ziel ist es,
Potenziale zu heben, Overheadquoten zu senken und gleichzeitig attraktivere
Arbeitsplätze zu schaffen. Fortschritt wird dabei pragmatisch über eine
schlanke KPI‑Kaskade gemessen, die vom Team bis auf Werksebene durchgängig
sichtbar und verknüpft ist.
Fest verankerte
Strukturen für eine neue Arbeitsweise
Heute ist die
neue Arbeitsweise bei Eppendorf nicht nur projektbezogen, sondern strukturell
verankert. Rollenbilder, KPI‑Kaskade und ein Zielmanagement‑Prozess verbinden
Strategie und Tagesgeschäft. „Durch klare Rollen, klare Zielvorgaben und
strategische Orientierung sowie routinemäßiges Coaching werden unsere
Mitarbeitenden ständig dazu befähigt, sich weiterzuentwickeln“, fasst Scholz
zusammen. Diese DNA, geprägt von kontinuierlicher Verbesserung und
Anpassungsfähigkeit, gilt als nachhaltiger Wettbewerbsvorteil.
Weber ergänzt:
„Damit sind wir jetzt in der Lage, flexibel auf aktuelle Volumenreduzierungen
zu reagieren und trotzdem Produktivität zu heben sowie Kennzahlen weiter zu
verbessern.
FAQ zur Transformation bei Eppendorf Zentrifugen Leipzig
1. Was war das Ziel der Transformation bei Eppendorf Leipzig?
Die Transformation verfolgte das Ziel, das gesamte Betriebssystem des Werks grundlegend neu aufzustellen – von Führung über Wertstromdesign bis zur Arbeitsorganisation. Im Fokus standen Wachstum, Qualitätssteigerung, Produktivitätsverbesserung und nachhaltige Resilienz im Tagesgeschäft. Langfristig sollte der Standort durch klare Strukturen, eine starke Kultur und standardisierte Prozesse zukunftsfähig gemacht werden.
2. Welche Rolle spielte das Thema Führung bei der Neuausrichtung?
Führung war der zentrale Hebel der Transformation. Das Unternehmen setzte gezielt auf ein neues Leadership-Verständnis, bei dem Führungskräfte als Coaches agieren. Sie wurden zunächst selbst geschult und befähigt, um anschließend ihre Teams zu entwickeln. Dieses Führungsmodell schuf die Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung aller weiteren Veränderungsprojekte.
3. Wie wurden die Mitarbeitenden in den Veränderungsprozess eingebunden?
Die Belegschaft wurde systematisch und intensiv eingebunden. Ein umfassendes Kommunikationskonzept stellte Transparenz sicher. Zudem wurde ein internes Lean-Programm etabliert, das zweimal jährlich stattfindet und Themen wie Wertstrom, Lean Produktion, Lean Administration und Kommunikation abdeckt. Die Mitarbeitenden wurden so zu aktiven Treibern des Wandels.
4. Inwiefern wurde Nachhaltigkeit bei Eppendorf neu definiert?
Nachhaltigkeit wurde bei Eppendorf primär als organisatorisches Prinzip verstanden – weniger als reine Energie- oder Ressourcenfrage. Der größte Hebel lag in einer prozessorientierten, klar strukturierten Arbeitsorganisation mit definierten Rollen und Verantwortlichkeiten. Dadurch konnten kontinuierliche Verbesserungen verankert und die Anpassungsfähigkeit des Werks erhöht werden.
5. Welche Strukturen sichern die langfristige Wirkung der Transformation?
Die neue Arbeitsweise ist heute fest im Betrieb verankert – nicht als Projekt, sondern als strukturelles Betriebssystem. Klare Rollenbilder, eine durchgängige KPI-Kaskade und ein strategisch ausgerichteter Zielmanagementprozess sorgen dafür, dass Verbesserungen dauerhaft greifen. Standardisierte Prozesse und tägliche Coaching-Routinen sichern die Weiterentwicklung auf allen Ebenen.