Autonome Militärfahrzeuge: KI soll künftig Panzer fahren
Autonome Militärfahrzeuge gewinnen in Europas Rüstungsindustrie an Bedeutung. Auf der Eurosatory zeigen Hersteller UGVs mit KI-Funktionen für gefährliche Einsätze.
Autonome militärische Bodenfahrzeuge sollen künftig Aufgaben wie Aufklärung, Nachschub, Minenräumung oder Verwundetentransport übernehmen – und damit Soldaten aus gefährlichen Einsatzlagen heraushalten.Symbolbild - KI-generiert
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Summary: Europas Rüstungsunternehmen präsentierten auf der Eurosatory bei Paris autonome Militärfahrzeuge für Minenräumung, Nachschub, Verwundetentransport und bewaffnete Einsätze. Rheinmetall, Renk, Milrem Robotics, Otokar und General Dynamics setzen dabei auf KI-Funktionen, Sensorik und neue Fahrzeugkonzepte. Der Trend wird durch den Ukraine-Krieg, Personalknappheit in Nato-Armeen und den Wunsch geprägt, Soldaten aus Gefahrenzonen herauszuhalte
Warum autonome Militärfahrzeuge stärker in den Fokus rücken
Europas Rüstungsbranche setzt verstärkt auf autonome Militärfahrzeuge. Gemeint sind Panzer und Multifunktionsfahrzeuge, die ohne Fahrer an Bord durch das Gelände fahren. Mit KI-Funktionen ausgestattet, sollen sie Minen räumen, Verwundete bergen oder Nachschub an die Front bringen.
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Auf der Rüstungsmesse Eurosatory präsentierten mehrere Hersteller entsprechende Systeme. Vertreten waren unter anderem die deutschen Unternehmen Rheinmetall und Renk, die estnische Firma Milrem Robotics, Otokar aus der Türkei sowie die britische Tochter der US-Firma General Dynamics. Wie aus der Meldung hervorgeht, werden manche dieser Fahrzeuge auch bewaffnet, etwa mit Bordkanone, Maschinengewehr, Granatwerfer oder Raketenwerfer.
Im Fachjargon werden diese Systeme als „ Unmanned Ground Vehicles“ bezeichnet, kurz UGV . Sie gelten als bodengebundenes Gegenstück zu Drohnen in der Luft. Der Trend hat sich durch den Ukraine-Krieg verstärkt, wo nicht nur zahlreiche Drohnen eingesetzt werden, sondern auch unbemannte Bodensysteme zur Anwendung kommen.
Rheinmetall hat ein autonomes Minenräumfahrzeug sowie das Multifunktionsfahrzeug Mission Master entwickelt. Der Mission Master ist mit Kameras und Sensoren ausgestattet. Er soll Truppen an der Front mit Nachschub versorgen oder Verwundete aus dem Gefechtsfeld holen. Bei Landungsoperationen an der Küste kann das Fahrzeug amphibisch mitschwimmen und militärische Ausrüstung an Land bringen.
Milrem Robotics aus Tallinn stellt einen Mini-Panzer her, der bis zu 20 km/h erreicht. Mit Zuladung wiegt das Fahrzeug knapp drei Tonnen, ist zweieinhalb Meter lang und zwei Meter breit. Die Firma bewirbt das bereits bei Nato-Armeen eingesetzte System als kosteneffizient und robust. Eine Bordkanone soll Drohnen zerstören.
Auch Otokar aus der Türkei war auf der Messe vertreten. Das Unternehmen hatte bereits 2024 einen autonomen Kettenpanzer mit Kanone an Bord präsentiert. Die britische Tochter von General Dynamics führt zudem ein autonomes Multifunktionsfahrzeug im Portfolio, das mit Maschinengewehr und Granatwerfer bestückt werden kann.
Die Nato bewertet das Potenzial unbemannter Systeme positiv. In einem Bericht eines Gremiums des Verteidigungsbündnisses von 2025 heißt es, solche Systeme könnten besonders dort nützlich sein, wo sie Menschen aus gefährlichen Situationen heraushalten. Genannt werden Aufklärung, Minenräumung, Munitionstransport und Nachschub.
UGVs könnten demnach in Hochrisiko-Situationen auch mit Waffen ausgerüstet werden. „Das würde letzten Endes Soldaten schützen, indem man sie aus dem Gefahrenumfeld herausnimmt“, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Die Zukunft der unbemannten Kriegsführung meistern“.
Damit rücken autonome Militärfahrzeuge nicht nur als technische Demonstratoren in den Blick, sondern als mögliche Ergänzung bestehender militärischer Fahrzeugflotten. Im Zentrum steht die Frage, wie weit Autonomie, Assistenzfunktionen und bewaffnete Systeme künftig kombiniert werden.
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Wie Renk und Patria ein schweres UGV-Konzept entwickeln
Beim UGV-Trend mischt auch der Augsburger Antriebsspezialist Renk mit. Das Unternehmen hat bereits 4.000 Getriebe für den Leopard-Kampfpanzer gebaut. Auf der Eurosatory präsentierte Renk gemeinsam mit der finnischen Rüstungsfirma Patria ein Konzeptfahrzeug für ein schweres unbemanntes Kettenfahrzeug.
Das UGV wiegt zehn Tonnen. Zusätzlich können bis zu zehn Tonnen Nutzlast hinzukommen. Auf der Messe war ein Raketenwerfer eines anderen Unternehmens installiert. Renk ist für den digitalisierten Antriebsstrang und die digitale Steuerungsarchitektur zuständig, Patria für die Wanne samt Fahrwerk.
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„Viele der heute verfügbaren UGVs sind vergleichsweise leicht und eher für kurze Einsatzdauern ausgelegt“, sagt Renk-Manager Michael Masur. „Sie fahren bis zu 30 Stundenkilometer und ihre Batterie reicht für 30 bis 60 Minuten Betrieb.“ Mit dem Konzeptfahrzeug mit Dieselmotor könnten abhängig von der Nutzlast Distanzen von 500 bis 1.000 Kilometern zurückgelegt und Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erreicht werden.
Warum Automatisierung für Nato-Armeen relevant wird
Masur verweist auf die Personalknappheit in Nato-Armeen. Vor diesem Hintergrund sei es naheliegend, den menschlichen Arbeitsbedarf mit Automatisierung zu reduzieren. Größere autonom fahrende Landsysteme wie Kampfpanzer dürften nach seiner Einschätzung allerdings nicht kurzfristig regulär eingesetzt werden.
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„Das wird kommen, aber die Herausforderungen der Autonomie sind groß.“ Masur geht davon aus, dass zunächst schrittweise immer mehr Assistenzfunktionen eingesetzt werden, die Soldaten entlasten.
Auch Rheinmetall-Chef Armin Papperger rechnet mit einer stärkeren Nutzung autonomer Systeme. „Wir haben einen schnellen Fortschritt und werden in den nächsten Jahren sehen, dass eine Kombination aus Fahrzeugen mit und ohne Menschen die Lösung sein wird“, sagt der Manager. Für ihn liegt der Vorteil auf der Hand: „Man setzt nicht Menschenleben aufs Spiel, sondern Material.“
Künstliche Intelligenz kommt bei autonomen Militärfahrzeugen in unterschiedlicher Ausprägung zum Einsatz. Sie unterstützt die Fahrzeuge beim Navigieren, Orientieren und Ausführen bestimmter Aufgaben im Gelände. Je nach System können Sensorik, Kameras und digitale Steuerungsarchitektur zusammenwirken.
Die zentrale Frage lautet, ob die Entwicklung auf Gefechte zwischen KI-Maschinen hinausläuft. Papperger betont, dass bei Waffensystemen immer der Mensch das letzte Wort haben sollte. Die Entscheidung zur Schussabgabe müsse also beim Menschen liegen. Das sei der ethische Ansatz seiner Firma und entspreche dem Wunsch der Nato-Kunden.
Damit dies künftig überall gelte, plädiert Papperger für globale Regeln der Vereinten Nationen. Diese sollen KI-Entscheidungen zur Waffengewalt unterbinden.
Was Friedensaktivisten an autonomen Militärfahrzeugen kritisieren
Pazifisten betrachten den Trend zu autonomen Militärfahrzeugen mit Sorge. Marius Pletsch von der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen sieht zwar sinnvolle Einsatzmöglichkeiten, etwa wenn Verwundete geborgen oder Minen sicher entschärft werden. Zugleich warnt er vor einer anderen Entwicklung.
„Aber das Zurschaustellen dieser Verwendungszwecke scheint eher eine Beruhigungspille für die öffentliche Debatte zu sein.“
Nach Einschätzung der Friedensaktivisten gibt es ein großes Interesse von Rüstungsfirmen und Militärs, autonome Fahrzeuge zu bewaffnen und diese Waffengewalt perspektivisch im größeren Stil einzusetzen. Die Entscheidung, wer oder was Ziel eines Angriffes werde, dürfe nicht an Maschinen delegiert werden. Genau dies drohe jedoch mit der Beschleunigung der Kriegsführung durch mehr Autonomie in Waffensystemen.
Ähnlich wie Papperger hofft auch Pletsch auf klare Leitplanken der Vereinten Nationen. Seit 2014 gebe es innerhalb der VN-Waffenkonvention Gespräche dazu. Konkrete Ergebnisse hätten diese bislang aber kaum gebracht. Pletsch warnt vor möglichen tragischen Folgen, etwa wenn ein feindlicher Soldat sich ergeben wolle, der Roboter-Panzer das aber nicht erkenne und schieße.
Mit Material der dpa (Wolf von Dewitz)
FAQ zu autonomen Militärfahrzeugen
• Was sind autonome Militärfahrzeuge? – Autonome Militärfahrzeuge sind unbemannte Bodensysteme, die ohne Fahrer an Bord fahren und je nach Ausführung mit KI-Funktionen, Sensoren und Waffen ausgestattet sein können.
• Wofür werden autonome Militärfahrzeuge eingesetzt? – Sie sollen Minen räumen, Verwundete bergen, Nachschub liefern, Munition transportieren oder in Hochrisiko-Situationen bewaffnete Aufgaben übernehmen.
• Welche Unternehmen entwickeln autonome Militärfahrzeuge? – Genannt werden Rheinmetall, Renk, Milrem Robotics, Otokar sowie die britische Tochter von General Dynamics.
• Warum sind autonome Militärfahrzeuge für die Nato relevant? – Sie können Soldaten aus gefährlichen Situationen heraushalten und angesichts knapper Personalressourcen bestimmte Aufgaben automatisieren.
• Welche Kritik gibt es an autonomen Militärfahrzeugen? – Friedensaktivisten warnen davor, dass bewaffnete Systeme Entscheidungen über Ziele künftig an Maschinen delegieren könnten.