Start eines Airbus A400M auf einer staubigen Startbahn.

Start eines Airbus A400M auf einer staubigen Piste. – Bild: Bundeswehr/Marc Tessensohn

Schon über tausend deutsche Botschaftsangehörige wie afghanische Ortskräfte flogen mit einem Airbus A400M in die Freiheit. Das Flugzeug in Hochdeckerauslegung mit vier Propeller-Motoren, Druckkabine und Heckfrachttor ist zurzeit die wichtigste Transportmaschine der Bundeswehr.

Als strategisches und taktisches Transport- und Tankflugzeug konzipiert kann der Airbus Personal und Material transportieren. Dabei ist die Maschine ein echter Alleskönner. Wahlweise findet ein Kampfhubschrauber Tiger, ein leichter Unterstützungshubschrauber H145M, vier Geländewagen vom Typ Wolf oder ein Transportpanzer Fuchs beziehungsweise Schützenpanzer Puma im großen Laderaum Platz.

Auf solche Ladekapazitäten hat die Bundeswehr lange gewartet, um Soldaten und Gerät zu transportieren, vor allem im Auslandseinsatz. Die schwere Fracht wird in den A400M aber nicht einfach hineingeschoben, sondern von Spezialisten - bei der Luftwaffe heißen sie "technische Ladungsmeister" - nach sorgsamer Berechnung zentimetergenau platziert und festgezurrt. Andernfalls könnte sich der Schwerpunkt des Flugzeugs verändern, mit fatalen Folgen

Wie viele Sitzplätze hat ein Airbus A400M?

Eine häufig gestellte Frage im Internet derzeit: Wie viele Menschen finden im Airbus A400M Platz. Als Truppentransporter kann der A400M laut Bundeswehrangaben bis zu 114 Soldaten zu ihrem Einsatzort bringen. Bei den Evakuierungsflügen vom afghanischen Kabul in die usbekische Hauptstadt Taschkent waren allerdings deutlich mehr Passagiere an Bord.

In verschiedenen Medienberichten ist von 150 bis über 200 Passagieren die Rede. Auf Aufnahmen von Kriegsberichterstattern ist zu sehen, dass die Menschen dabei auf dem Boden des Laderaums sitzen (mehr Zahlen, Daten und Fakten zum Airbus A400M finden Sie im Infokasten am Ende des Artikels).

Airbus A400M: Auch als fliegende Intensivstation im Einsatz

Die Bundeswehr nutzt den A400M nicht nur als Transporter, sondern auch als fliegende Tankstelle. So können andere Luftfahrzeuge wie der Eurofighter im Flug an den A400M andocken. Die Piloten koordinieren den Tankvorgang dann bei einer Geschwindigkeit von über 500 km/h.

Neben den Einsatzmöglichkeiten als Transportflugzeug und Tanker kann der A400M mittels eines Rüstsatzes auch Schwerletzte an Bord nehmen. Hierzu rüstet die Bundeswehr eigens sogenannte Patiententransporteinheiten in den Laderaum ein.

Wo sind die A400M der Bundeswehr stationiert?

Mit insgesamt 53 bestellten Exemplaren sind Deutschlands Streitkräfte der größte Nutzer des Turboprop-Transporters. Die A400M der deutschen Luftwaffe sind auf dem Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover beim Lufttransportgeschwader 62 stationiert. Im Dezember 2020 hat Airbus laut der ‚Flugrevue‘ den 36. A400M nach Wunstorf überführt.

Zudem ist die Bundeswehr im Begriff zehn A400M auf dem Fliegerhorst Lechfeld (südlich von Augsburg) zu stationieren. Der Nato-Flugplatz wird damit in den nächsten Jahren zur größten Baustelle in der Region, wie die ‚Augsburger Allgemeine‘ berichtet.

Während Rettungsmission: Evakuierungsflugzeug defekt – nicht die erste Panne

In Usbekistan konnte ein für die Evakuierung in Kabul vorgesehenes Transportflugzeug nicht weiterfliegen, wie der ‚Spiegel‘ berichtet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll die Rettungsmission aus Afghanistan aber weitergehen. Eine Ersatzmaschine kommt bei den Rettungsflügen bereits zum Einsatz.  

Es ist nicht die erste Panne eines A400M. Das Transportflugzeug machte in der Vergangenheit immer wieder Schlagzeilen mit verschiedenen Defekten. Pikante Details sind so an die Öffentlichkeit gekommen.

So mussten die Piloten in der Vergangenheit immer einen Schraubenzieher dabei haben. Denn im Cockpit lasse sich der Deckel für das System mit den digitalen Karten nur per Hand aufschrauben, wie die ‚FAZ‘ berichtet.

Nicht weniger peinlich: Im Jahr 2015 gab es nach Informationen der ‚Bild am Sonntag‘ sogar Probleme mit der Bordtoilette. In einem internen Pannenbericht der Bundeswehr heißt laut ‚BamS‘: „Die derzeitige geometrische Beschaffenheit der Toilette verursacht bei der Benutzung Hygiene-Komplikationen.“ Die Komplikationen traten bei Flugmanövern auf, weil der Fäkalientank offenbar nicht ganz dicht war.

Airbus A400M: Pechvogel oder Superflieger?

Die Geschichte des Transportflugzeugs wurde von Anfang an von schweren Fehlern begleitet. Dabei war der A400M eigentlich ein Hoffnungsträger vieler europäischen Streitkräfte. Die Maschine sollte ein Vorzeigeprojekt der europäischen Rüstungsindustrie werden – und vor allem die Unabhängigkeit von den USA bringen.

Doch aus dem Militärtransporter A400M wurde zeitweise wegen der vielen Defekte und Pannen ein echter Pechvogel. Eine ganze Reihe von zusätzlichen Inspektionen behinderte die Einsatzbereitschaft der A400M-Flotte, wie PRODUKTION bereits 2019 berichtete. Der tragische Absturz einer Maschine bei einem Testflug in der Nähe ihres Produktionsortes Sevilla war der traurige Höhepunkt einer langen Pannenserie.

Bericht der 'Deutschen Welle' über den A400M-Absturz

Der A400M hat die Kinderkrankheiten überwunden

Trotz des erwähnten Defekts im Afghanistan-Einsatz die Probleme des A400M aber als überwunden. Längst leisten Flugzeuge beim Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf treu ihren Dienst.

Gegenüber der ‚Flugrevue‘ erklärte ein Airbus-Manager, dass der A400M Im Jahr 2020 weiter gereift sei und seine Kinderkrankheiten abgestreift und seine Fähigkeiten erweitert habe. Auch die Wartungsfreundlichkeit habe sich verbessert. Laut dem Manager "bleibt das auf dem Markt nicht unbemerkt". So bekundeten wohl weitere Streitkräfte Interesse an dem Hochdecker.

Rettungs-Airbus ohne Raketen-Abwehrsystem über Afghanistan

Sorgen bereitet aber aktuell ein fehlendes Raketen-Abwehrsystem. Der Militärtransporter verfügt bei seiner Rettungsmission nicht über eine lasergestützte Abwehr von Lenkflugkörpern, ist in der ‚Welt‘ zu lesen. Das 360-Grad-Rundumschutz-System ist aufgrund diverser Verzögerungen noch nicht verbaut. Immerhin: Völlig schutzlos gegen Beschuss sind die Flieger nicht.

Im Gegensatz zu den rein logistischen Varianten verfügen die sogenannten „taktischen“ A400M über ein Selbstschutzsystem mit der Bezeichnung DASS (Defensive Aids Sub-System), wie das Bundeswehr Journal schreibt. DASS kann durch den Ausstoß von Täuschkörpern radargelenkte und wärmesuchende Flugkörper von dem Airbus-Militärtransporter fernhalten.

Komplexe Fertigung: Wo der Airbus A400M gebaut wird

Die Endmontage der A400M findet im Airbus-Werk am Flughafen Sevilla statt. Dorthin werden vormontierte Komponenten aus anderen internationalen Werken mit dem Airbus Beluga angeliefert, darunter der Rumpf aus Bremen als größtes Bauteil.

Die Arbeitsanteile wurden ursprünglich nach der Anzahl der bestellten Maschinen auf die Länder aufgeteilt. Südafrika und Malaysia erhielten bei ihren A400M-Bestellungen ebenfalls Produktionsaufträge im Wert von mehreren hundert Millionen Euro; Südafrika behielt diese auch nach der Abbestellung 2009.

Laut einer Aufstellung aus dem Jahr 2013 sind mehr als 200 Zulieferunternehmen beteiligt, darunter 74 aus Frankreich, 47 aus Deutschland und 40 aus den Vereinigten Staaten. Airbus nennt die Zahl von 7.200 Personen, die beim Konsortium selbst mit dem A400M beschäftigt sind, sowie 33.000 bei Zulieferfirmen.

Airbus A400M: Zahlen, Daten, Fakten

  • Hersteller: Airbus Defence and Space
  • Triebwerk: EPI TP400-D6-Turboprop-Triebwerk
  • Leistung: 8.250 kW / 10.838 PS
  • Länge: 45,10 m
  • Höhe: 14,70 m
  • Spannweite: 42,36 m
  • Leergewicht: 78,6 t
  • max. Abfluggewicht: 141 t
  • Laderaumvolumen: 340 m³
  • Höchstgeschwindigkeit: 750 km/h in 10 km Höhe; 555 km/h auf Meereshöhe
  • Reisegeschwindigkeit: Mach 0,68
  • Reichweite: 3.300 km bei voller Nutzlast, 4.535 km bei 30 t Zuladung, 6.390 km bei 20 t Zuladung, 8.700 km für Überführung
  • Besatzung: 3
  • Erstflug: 11.12.2009

Quelle: Bundeswehr

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