Rittal-Produktions-Chef Carsten Röttchen erklärte Susanne Nördinger, der stellvertretenden Chefredakteurin der Produktion, wie das neue Industrie-4.0-Werk von Rittal in Haiger funktioniert.

Rittal setzt in seinem neuen Werk für Kompaktschaltschränke und Kleingehäuseserien auf Industrie 4.0. Im mittelhessischen Haiger wurde dazu mit 250 Millionen Euro die größte Gesamt­investition der Firmengeschichte getätigt. „Wir sind 2016 mutig gestartet mit dem Spatenstich in eine für uns neue Welt“, berichtet Unternehmer Friedhelm Loh, dessen ‚Friedhelm Loh Group‘ auch Rittal gehört anlässlich einer Pressekonferenz. Man habe mit der neuen Industrie 4.0-Fabrik kein Risiko gescheut. Und diese neue Fabrik war laut Loh ein Risiko. „Das hätte auch nicht klappen können“, erklärt der Unternehmer.

Warum hat Rittal eine hoch vernetzte Fabrik gebaut?

Zur Einführung der neuen AX Kompaktschaltschrank und KX Kleingehäuseserien hat das Familien-Unternehmen die laut eigenen Angaben weltweit modernste Kompaktschrank-Produktion nach Industrie 4.0-Kriterien gebaut. Durch die hochautomatisierte Produktionssteuerung im Verbund mit dem Globalen Distributionszentrum wird das Werk zu einem zentralen Glied in der digitalisierten Auftragsabwicklung.

Das vernetzte Werk soll außerdem die ständige Verfügbarkeit des Serienportfolios mit Zubehör garantieren. Denn bei Rittal gilt, dass jedes Serienprodukt innerhalb von 24 Stunden nach der Bestellung beim Kunden ankommt. „Es geht um eine digitalisierte Produktionskette vom Auftragseingang bis zur Warenauslieferung an die Rampe des Kunden“, bekräftigt Loh.

Um das zu realisieren, sei die Investition in die neue Fabrik notwendig gewesen. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck“, erklärt Uwe Scharf, Geschäftsführer der Business Units und Marketing bei Rittal. Digitalisierung mache nur Sinn, wenn sie die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens und auch die der Kunden stärke. Neben der Investition in das neue Werk hat Rittal daher in den vergangenen Jahren auch sein komplettes Produktportfolio digitalisiert. Auch die Schaltschränke aus dem neuen Werk in Haiger sind laut Scharf intelligent. „So fügen sich unsere Produkte in das System Digitalität ein“, verdeutlicht Scharf. Konkret konfigurieren die Kunden Rittal-Produkte online. Und aus dieser Konfiguration heraus wird direkt das Ablaufprogramm der Produktionsmaschinen generiert.

Was Digitalisierung für die Mitarbeiter bedeutet

„Industrie 4.0 ist bei Rittal keine Vision, sie ist Realität“, sagt auch Rittal-Produktions-Chef Carsten Röttchen. In der neuen Fabrik in Haiger seien tausende Sensoren, aber auch Maschinen und Transportsysteme miteinander vernetzt. Industrie 4.0 könne man aber nicht kaufen, das sei Pionierarbeit. Und es gehe dabei um Mensch, Maschine und Prozess.

Loh vermittelt auch aus diesem Grund seinen Mitarbeitern täglich, dass lebenslanges Lernen noch nie so gefragt war wie heute. „Denn die Digitalisierung fordert die Bereitschaft, sich ständig fortzubilden“, sagt der Unternehmer. Ohne Digitalisierung sei Deutschland als Produktionsstandort aber nicht mehr wettbewerbsfähig.

Und wie kommen die Mitarbeiter mit den Prozessen im digitalisierten Werk klar? Es sei zwar 30 Prozent weniger Personal zum Betrieb des Werks Haiger notwendig im Vergleich zu der vorherigen Produktionsstätte. Dennoch müsse bei Rittal niemand vor den neuen Technologien Angst haben, sagt Loh. Denn die konzerneigene ‚Friedhelm Loh Akademie‘ bereitet alle Mitarbeiter gezielt auf die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf den jeweiligen Arbeitsplatz vor. Loh berichtet beispielsweise von einem 55-jährigen ehemaligen Hilfsarbeiter, der sich innerhalb eines Jahres nun zu einem qualifizierten Maschinenbediener in der smarten Fabrik fortgebildet hat.

Wie die Automatisierung des Schaltanlagenbaus gelingt

Rittal hebt den Schaltanlagenbau aus der handwerklichen Fertigung auf ein industrieelles Level. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie in unserem Podcast mit Thomas Weichsel, Produktmanager VCSS bei Eplan. Hier geht es zum Podcast.

Warum Friedhelm Loh in Hessen in eine smarte Fabrik investiert

„Ich bin hier in Mittelhessen stark verwurzelt und Rittals Erfolg basiert auf der Loyalität und dem Fleiß der Mitarbeiter hier aus der Region“, lautet seine Erklärung. Und mit dem neuen Werk setzt er nicht nur einen neuen Standard in der Branche. Er setzt auch ein Zeichen für seine Region.

Parallel laufen aber auch große Investitionen in das Rittal-Werk in Rittershausen. Dort wird im laufenden Betrieb auf eine Industrie 4.0-Produktion umgestellt. „Das Werk wird quasi am offenen Herzen operiert“, erläutert Loh. Und Produktions-Chef Röttchen fügt hinzu: „Wir machen Brownfield wie in Rittershausen und Greenfield wie in Haiger zur selben Zeit.“ 600 Millionen investiert Rittal insgesamt innerhalb von drei Jahren in diese Digitalisierungsarbeit. 250 Millionen davon sind in den Bau des neuen Werks in Haiger geflossen.

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