Rupert Stadler, Jochem Heizmann, Xu Ping

Ziemlich beste Freunde: Unterzeichnung des 10-Jahres-Plan von FAW und Audi durch Jochem Heizmann, Präsident Volkswagen Group China, Xu Ping, Präsident FAW Group und Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der Audi AG. - Bild: Audi

| von Gabriel Pankow

Eigentlich ist Audi der Premium-Primus in China. Die Ingolstädter dominieren seit Jahren das Geschäft mit Premiumautos. BMW und Mercedes folgen beim Absatz mit weitem Abstand. Im Januar dieses Jahres fiel die VW-Tochter bei den Verkaufszahlen in der Volksrepublik erstmals hinter die beiden Wettbewerber zurück.

Als Begründung für diese dramatische Entwicklung führte der Premiumhersteller einen neuen strategischen 10-Jahres-Plan an, den man mit dem chinesischen Partner FAW aufgesetzt habe. Vor diesem Hintergrund hatten die chinesischen Audi-Händler ihr Geschäftsvolumen zu Jahresbeginn zurückhaltend disponiert.

FAW macht Druck

Brancheninsider berichten allerdings, dass FAW nur so wenig Neuwagen bei Audi geordert habe, um Druck auf den deutschen Autobauer auszuüben. FAW wollte nicht, dass Audi mit dem chinesischen Konzern SAIC einen zweiten Vertriebspartner zu sich ins Boot holt. Sie fürchteten offensichtlich dadurch selbst weniger Autos verkaufen zu können.

Zuvor erklärten nämlich die Ingolstädter Mitte November 2016 via Pressemitteilung: „Der langjährige Volkswagen-Konzernpartner SAIC Motor hat mit der Audi AG Kooperationsgespräche aufgenommen, um eine langfristige Zusammenarbeit zu prüfen. Hierzu wurde am 11. November 2016 eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.“

Mitte Januar 2017 meldete jedoch die Zeitung China Daily, dass Audi seine Pläne für eine Partnerschaft bei Produktion und Vertrieb mit SAIC auf Eis lege. Das Blatt berief sich dabei auf Aussagen von Volkswagen-China-Chef Jochem Heizmann. Es werde in diesem Jahr keine Vertriebs- oder Produktionskooperation dem chinesischen Autokonzern SAIC geben. Vielmehr hätten die bestehende Zusammenarbeit mit dem chinesischen Autobauer FAW und die Profitabilität der existierenden Händler Priorität.

Der Grund für diesen Sinneswandel: Chinesische Audi-Händler - oder besser gesagt FAW-Händler, die Audi-Modelle verkaufen – drohten die geplante Kooperation zu blockieren.

Scheinbar blieb es nicht bei leeren Drohungen. Die Händler orderten deutlich weniger Neuwagen bei Audi. Der Absatz-Einbruch im Januar dieses Jahres war die Folge.

Audi rudert zurück

Audi musste also spätestens Mitte Januar gemerkt haben, dass es diesen Monat kein Absatz-Fest geben werde. Am 17. Januar erklärte Audi via Pressemitteilung, dass man mit der FAW Group einen strategischen Wachstumsplan für China unterzeichnet habe. In einem 10-Jahres-Plan hat der Autobauer mit FAW 21 strategische Zukunftsfelder definiert und entsprechende Ziele vereinbart.

Dieser Plan sieht unter anderem vor, dass Audi sein lokal bei FAW-VW produziertes Modellportfolio deutlich erweitern werde und neue Segmente insbesondere mit elektrifizierten Autos erschließen werde. Von einer Kooperation mit SAIC war diesmal keine Rede mehr.

Stattdessen betonte Audi die lange und gute Partnerschaft, die man mit FAW führe. Audi-Boss Rupert Stadler sagte: „Audi und FAW haben in den vergangenen 29 Jahren chinesische Automobilgeschichte geschrieben.“ Dietmar Voggenreiter stimmte in die Lobeshymnen über FAW ein: „ Wir läuten die nächste Stufe auf unserem gemeinsamen Wachtumskurs in China ein. Mehr denn je legen wir dabei gemeinsam mit unseren Partnern den Fokus auf profitables, nachhaltiges Wachstum.“ Die Wogen scheinen damit erst mal geglättet zu sein.

Bleibt der desaströse Januar damit nur ein kleiner Knick in Audis-Absatzkurve oder ist er der Beginn eines Abwärtstrends? Man müsse mit einer Prognose sehr vorsichtig sein, meint Autoexperte Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Schließlich hatte Mercedes vor einiger Zeit ebenfalls Probleme mit dem Vertriebspartner gehabt. Erst als diese gelöst waren, konnte die Stuttgarter Marke ihren derzeitigen Siegeszug in China starten und die Verkaufszahlen signifikant steigern.

Auch das Analyse-Haus IHS Automotive gibt sich abwartend. In einer aktuellen Einschätzung heißt es, dass man noch abwarten müsse, ob ein Wechsel in Audis Verkaufsstrategie längerfristige Folgen hat. Gleichwohl habe der Ingolstädter Premiumhersteller beste Voraussetzungen bald wieder auf dem chinesischen Markt durchzustarten. Vor allem die junge Modellpalette mit Q2, Q5 oder A5 böte Anlass zur Hoffnung.

Endgültig ausgestanden dürfte der Konflikt mit FAW aber noch nicht sein. Wie China Daily schreibt, werde Audi diesen März wieder konkrete Gespräche mit SAIC aufnehmen. Das könnte die FAW-Händler wieder verärgern.

Zweites Vertriebsnetz ist sinnvoll

Dabei ist der Plan von Audi in China ein zweites Vertriebsnetz aufzuziehen alles andere als ungewöhnlich. Einige ausländische Hersteller verfügen über zwei Kooperationspartner in China, um der wachsenden Nachfrage auch in der Fläche gerecht zu werden. Volkswagen beispielsweise setzt auf FAW und SAIC.

Auch die großen Rivalen Toyota, Ford, Nissan und Honda verfügen über zwei Partner. Reine Premiumhersteller wie Audi sind laut Branchenkennern bei solchen Deals angesichts geringerer Volumina in einer schwächeren Verhandlungsposition. Autoexperte Bratzel kommentiert: „Wenn ich nur eine Vertriebsschiene habe, bin ich abhängig davon. Darüber hinaus ist der Einfluss dieser Vertriebsschiene entsprechend groß. Eine zweite würde da etwas Ausgleich bringen.“

Das Ende des Fließbands bei Audi

Der Eintrag "freemium_overlay_form_pro" existiert leider nicht.