HAWE Hydraulik hat den Vertrag für den Kauf der Hoerbiger Automatisierungstechnik Holding bereits am 26.3.2019 unterzeichnet. Der Hoerbiger-Geschäftsbereich erwirtschaftete im Jahr 2018 einen Umsatz von 64 Millionen Euro mit rund 320 Mitarbeitern.

Dieser Schritt biete HAWE eine ideale Ergänzung des bestehenden Produktportfolios und damit eine Ausweitung der Stellung als Lösungsanbieter, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Eine umfangreiche Analyse der Marktpositionierung, Zielmärkte und Potenziale der erworbenen Sparten gingen diesem Schritt voraus.

HAWE Hydraulik übernimmt alle Mitarbeiter an den bestehenden Standorten. Die Kunden von HAWE Hydraulik und der ehemaligen Hoerbiger Produktlinien profitieren laut Unternehmensangaben von der gemeinsamen Kompetenz, dem globalen Vertriebs- und Servicenetzwerk und dem erweiterten Produktprogramm.

Im 70. Jahr ihres Bestehens sei dieser Zukauf für die HAWE Hydraulik Gruppe ein wichtiger strategischer Schritt zur Stärkung der Marktposition als innovativer Partner für hydraulische Antriebe und mechatronische Steuerungen in über 70 Branchen.

Zwischenfazit von HAWE-CEO Robert Schullan nach der Akquise

Herr Schullan, mittlerweile liegt Ihre Akquise der Hoerbiger Automatisierungstechnik schon einige Monate zurück. Wie sieht Ihr erstes Fazit bezüglich dieses Zukaufs aus? Wurden Ihr Erwartungen erfüllt? Was hat Sie eventuell überrascht?

Robert Schullan: Unsere Erwartungen haben sich bis jetzt sehr gut erfüllt. Durch die Akquisition verbreitern wir einerseits unsere strategische Aufstellung in weiteren Anwendungsfeldern und Zielmärkten wie etwa der Medizintechnik, Marine oder Pressen.

Andererseits stärken wir durch das erweiterte Produktportfolio unsere vier in der strategischen Positionierung verankerten Produktlinien Hi-Line, C-Line, E-Line und S-Line. Das ist per se also schon ein großer Zugewinn auf mehreren Ebenen! Und auch die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen gestaltet sich sehr offen und partnerschaftlich. Das liegt größtenteils am gut strukturierten und straff geführten Management dieses Integrationsprojekts.

Welche ersten Projekte sind mit dem für Hawe neuen Produktportfolio bereits angelaufen? Können Sie uns Beispiele nennen?

Robert Schullan: Zunächst konzentrieren wir uns auf die Pflege und Festigung der bereits bestehenden Kundenbeziehungen. Hier hilft es uns enorm, dass es auf Kundenebene so gut wie keine Überschneidungen von „neuen“ und „alten“ HAWE-Kunden gibt. Tatsächlich gibt es aber bereits erste „Cross-Selling“-Projekte, die ich aber im jetzigen Stadium noch nicht nennen kann.

Welche weiteren Projekte sind geplant? Was sind Ihre nächsten Schritte?

Robert Schullan: Die wichtigsten Schritte in diesem, wie wir es nennen, partnerschaftlichen Integrationsprojekt sind die Einbindung der „neuen“ Prozesse und Systeme in unsere bereits bestehende IT-, Finanz- und HR-Umgebung. Diese Eingliederung muss bis zum Jahresende komplett abgeschlossen sein.

Und natürlich müssen wir sicherstellen, dass unsere Kunden und Partner auch in Zukunft gerne und leicht mit uns zusammenarbeiten. Dazu wurden alle Prozesse analysiert und eine gemeinsame Organisation bezüglich Ablauf und Aufbau steht nun kurz vor der Verabschiedung. Das Ganze ist natürlich ein internationales Thema, vor allem in Anbetracht unserer stark gewachsenen Präsenz in China. 

Die Integration neuer Unternehmensteile nach einem Zukauf ist sehr komplex. Wie haben Sie das gemeistert? Was muss man dabei grundsätzlich beachten? 

Robert Schullan: Das geht nur mit einer top organisierten und stringenten Projektleitung. Das Projektmanagement, in unserem Fall ist das ein Zweier-Team, muss Full Time für diese Aufgabe zur Verfügung stehen und braucht einen kurzen Draht zum Vorstand und dessen volle Unterstützung. Die Herausforderung liegt in unserem Fall darin „das Beste aus zwei Welten“ im Zuge einer partnerschaftlichen Integration zusammenzubringen. Bis jetzt läuft das sehr gut.

Nach Vertragsunterzeichnung ein partnerschaftliches Treffen vor Ort in Altenstadt: Karl Haeusgen, CEO Hawe Hydraulik (links) und Dr. Jürgen Zeschky, CEO der Hoerbiger Holding AG. - Bild: Hawe Hydraulik
Nach Vertragsunterzeichnung ein partnerschaftliches Treffen vor Ort in Altenstadt: Der damalige CEO und heutige Aufsichtsrat von Hawe Hydraulik Karl Haeusgen (links) und Dr. Jürgen Zeschky, CEO der Hoerbiger Holding AG. - Bild: Hawe Hydraulik

HAWE-Aufsichtsrat Haeusgen im Interview mit Produktion:

Herr Hauesgen, welche Standorte sind neben Altenstadt von Ihrer Akquisition noch betroffen und bleiben diese erhalten?

Haeusgen: Mit dem Erwerb der Hoerbiger Deutschland Holding kommen Mitarbeitende von drei Standorten in Deutschland zu HAWE Hydraulik, das ist Altenstadt, Schongau und Barbing. Ein weiterer Standort ist in China. Wir übernehmen alle circa 320 Mitarbeitende zu den geltenden Verträgen.

Sie sprechen in Ihrer Pressemitteilung von Synergien in Service und Vertrieb. Können Sie das bitte konkretisieren?

Die neu hinzukommenden  Produkte ergänzen ideal unser bestehendes Produktprogramm. Da sind zum einen Antriebslösungen, die perfekt auf Anwendungen zugeschnitten sind, wo wir heute noch keinen Marktzugang haben. Zum anderen ergänzen wir in vielen Produktreihen das Programm mit Produkten in kleineren Volumenströmen. Es ergibt sich sowohl bei den Produkten wie auch bei den Anwendungen eine richtig komplementäre Situation.

Ist die Akquisition ein Indikator dafür, dass HAWE Hydraulik sich in Richtung der elektrischen Automation weiterentwickeln will? Auch aus dem Grund, dass Sie unter Umständen  für die Hydraulik keine sehr großen Entwicklungsmöglichkeiten und Wachstumspotenzial sehen?

Wir erhalten mit diesem Kauf auch etablierte Lösungen in denen bereits das beste aus beiden Welten erfolgreich kombiniert wird. Wir stehen weiterhin zu den deutlichen Vorteilen des hydraulischen Antriebs und der mechatronischen Steuerungen. Wir sehen hier noch ganz viel Anwendungs- und Entwicklungspotenzial. So ist zum Beispiel die Kombination aus elektrischem Antrieb und hydraulischer Steuerung eine sehr effiziente Lösung für viele mobile Maschinen.

Und auch in der Werkzeugmaschine ist die Elektrohydraulik sowohl im Platzbedarf als auch in der Energieeffizienz dem rein elektrischen Antrieb oft überlegen, das gilt genauso für spanende wie für umformende Werkzeugmaschinen. Und wenn Sie auf den ungemein spannenden und wachsenden Markt der Medizintechnik schauen, dann stehen hydraulische Antriebe hier erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Hydraulik ist ein Zukunftsthema und wir gestalten die Zukunft der Hydraulik.

Sind weitere Akquisitionen geplant? Wenn ja, in welchen Bereichen würden Sie noch zukaufen?

HAWE Hydraulik ist offen für strategische Partnerschaften und Akquisitionen, die unser Produkt-, Markt- oder Technologieportfolio ergänzen.

Podcast: HAWE-Chef Karl Haeusgen erklärt die Hintergründe des Zukaufs

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