Die Industrie steckt tief in der Rezession: 2025 gingen mehr als 120.000 Arbeitsplätze verloren. Besonders hart traf es die Autobranche. Eine Analyse von EY zeichnet ein Bild anhaltender Schwäche – und dämpft die Hoffnung auf schnelle Erholung.
In der Wirtschaftskrise hat die deutsche Industrie 2025 im großen Stil Jobs gestrichen.Stockfotos-MG - stock.adobe.com
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Industrie im Rückwärtsgang
Die deutsche Industrie hat 2025 in großem Umfang Stellen abgebaut. Zum Jahresende waren rund 5,38 Millionen Menschen beschäftigt – gut 124.000 oder 2,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das geht aus einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Grundlage sind Daten des Statistischen Bundesamts, berücksichtigt wurden Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten.
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Auffällig ist die Dynamik: Der Stellenabbau fiel nahezu doppelt so hoch aus wie 2024. Damit beschleunigt sich die strukturelle Anpassung in einem Sektor, der traditionell als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gilt.
Autobranche als Epizentrum
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Besonders hart traf es die Automobilindustrie. Rund 50.000 Arbeitsplätze gingen dort allein im vergangenen Jahr verloren. Die anhaltende Schwächephase schlägt damit spürbar auf die Belegschaften durch. Auch Papier- und Textilindustrie verzeichneten Umsatzrückgänge.
Deutlich stabiler zeigte sich die Chemie- und Pharmaindustrie. Hier sank die Beschäftigung lediglich um rund 2.000 Stellen. In einzelnen Segmenten konnte sich die Industrie sogar gegen den Trend behaupten.
„Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise“, sagte Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. Seit 2023 seien die Industrieumsätze um fast fünf Prozent geschrumpft. Gemessen daran erscheine der Stellenabbau noch moderat. Gleichwohl sei klar: „Es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern.“
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Allein 2025 ging der Industrieumsatz laut Studie um 1,1 Prozent zurück. Das vierte Quartal markierte bereits das zehnte Quartal in Folge mit rückläufiger Entwicklung – ein Zeichen für die anhaltende Schwäche in zentralen Absatzmärkten.
Langfristige Erosion seit 2019
Der mittelfristige Trend fällt noch deutlicher aus. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 hat die Industrie rund 266.000 Arbeitsplätze verloren, was einem Minus von knapp fünf Prozent entspricht, wie EY mitteilt.
In der Automobilbranche summiert sich der Rückgang seitdem auf 111.000 Stellen – ein Minus von 13 Prozent. Auch die Textilindustrie (-16 Prozent) und die Metallindustrie (-13 Prozent) verzeichneten kräftige Einschnitte.
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Demgegenüber wuchs die Beschäftigung in der Chemie- und Pharmaindustrie seit 2019 um drei Prozent, in der Elektroindustrie um zwei Prozent. Diese Segmente entwickeln sich damit robuster als viele klassische Industriezweige.
Gedämpfte Perspektiven für 2026
Für 2026 rechnet EY mit weiterem Stellenabbau. Schwache Auftragseingänge und hoher Wettbewerbsdruck belasteten die Unternehmen. Hinzu komme eine steigende Zahl an Insolvenzen, insbesondere bei Autozulieferern, so Brorhilker. Zudem verlagerten Autokonzerne verstärkt Produktion sowie Forschung und Entwicklung ins Ausland – „das geht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland“.
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Zwar erwarten Ökonomen nach mehreren schwachen Jahren für 2026 ein Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent. Bis sich dies in den Industriebetrieben niederschlage, dürfte jedoch Zeit vergehen. Ein breiter Aufschwung wird erst für 2027 prognostiziert, wenn staatliche Milliardenausgaben für Rüstung und Infrastruktur ihre volle Wirkung entfalten.
Mit Material der dpa
FAQ zur Industrie und dem Stellenabbau 2025
Wie viele Jobs hat die Industrie 2025 verloren? – Laut EY-Analyse wurden rund 124.000 Stellen abgebaut, ein Rückgang von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Welche Branche war 2025 besonders betroffen? – Vor allem die Automobilindustrie mit rund 50.000 verlorenen Arbeitsplätzen.
Wie hat sich die Beschäftigung seit 2019 entwickelt? – Seit 2019 sank die Zahl der Industrie-Beschäftigten um rund 266.000, was einem Minus von knapp fünf Prozent entspricht.
Ist 2026 mit einer Erholung zu rechnen? – EY erwartet zunächst weiteren Stellenabbau. Ein breiter wirtschaftlicher Aufschwung wird erst ab 2027 gesehen.