Investitionshemmnisse belasten die Elektro- und Digitalindustrie: Laut ZVEI bremsen vor allem Bürokratie, Arbeitsmarktrestriktionen und hohe Standortkosten zusätzliche Investitionen in Deutschland.
"Wer mehr industrielle Stärke in Deutschland und Europa will, der muss uns machen lassen", fordert ZVEI-Präsident Daniel Hager.ZVEI / Alexander Grüber
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Das ZVEI-Entscheider-Panel bildet Einschätzungen von Entscheiderinnen und Entscheidern der Elektro- und Digitalindustrie ab.
85 % nennen Bürokratie, regulatorische Unsicherheit und lange Genehmigungsdauern als Investitionshemmnisse, 75 % Arbeitsmarktrestriktionen.
Auch Lohn-, Energie- sowie Steuer- und Abgabenbelastungen werden als relevante Standortkosten genannt.
98 % befürworten mehr heimische Entwicklung und Produktion von Schlüsseltechnologien; 60 % fordern schnellere EU-Verfahren gegen Dumping und Subventionen.
Was sind die größten Investitionshemmnisse?
Bürokratie, ein aus Sicht der Befragten überregulierter Arbeitsmarkt und hohe Standortkosten bremsen zusätzliche Investitionen der Elektro- und Digitalindustrie in Deutschland. Das geht aus dem aktuellen ZVEI-Entscheider-Panel hervor, wie der Verband der Elektro- und Digitalindustrie mitteilt.
Demnach nennen 85 % der befragten Branchen-Entscheiderinnen und -Entscheider zu viel Bürokratie, regulatorische Unsicherheit und zu lange Genehmigungsdauern als Investitionshemmnisse. Arbeitsmarktrestriktionen wie starre Arbeitszeiten oder ein als zu restriktiv empfundener Kündigungsschutz werden von 75 % angeführt.
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Hinzu kommen die Standortkosten. Zu hohe Lohnkosten nennen 57 % der Befragten. Jeweils 53 % verweisen auf hohe Kosten für Strom und Energie sowie hohe Steuern und Abgaben.
„Diese Umfragewerte sind ein Alarmsignal! Unsere Unternehmen wollen mehr investieren, sie können investieren, sie wollen das Land voranbringen – aber hausgemachte Standortbremsen fesseln die Dynamik unserer Branche“, sagt ZVEI-Präsident Daniel Hager. „Wer mehr industrielle Stärke in Deutschland und Europa will, der muss uns machen lassen! Unser Appell an die Politik: Befreien Sie uns von Bürokratie, schaffen Sie schnellere Genehmigungen, sorgen Sie endlich für wettbewerbsfähige Strompreise und einen dynamischen Arbeitsmarkt, der Leistungsanreize setzt, statt sie zunichtezumachen.“
Schlüsseltechnologien sollen heimischer werden
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Bei der Entwicklung und Produktion von Schlüsseltechnologien zeigt das Entscheider-Panel breite Unterstützung für mehr heimische Wertschöpfung. Insgesamt 98 % der Befragten befürworten eine verstärkte heimische Entwicklung und Produktion etwa von Halbleitern oder Batterien.
Mehr als die Hälfte der Befragten, 51 %, unterstützt dieses Ziel auch dann, wenn damit wirtschaftliche Belastungen verbunden sind. Weitere 46 % sprechen sich für eine stärkere heimische und europäische Wertschöpfung aus, sofern die damit verbundenen Belastungen in einem überschaubaren Rahmen bleiben.
„Die Resilienz unseres Standorts ist für uns keine abstrakte Debatte. Wir wollen Deutschland und Europa souveräner und unabhängiger machen. Die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie sind bereit, weiter Verantwortung für den Standort zu übernehmen. Aber sie erwarten zu Recht, dass die Politik die Leitplanken für diesen Einsatz auch richtig setzt“, kommentiert Hager.
Was fordert die Branche von der EU-Handelspolitik?
Neben den Investitionshemmnissen in Deutschland rückt das ZVEI-Panel die internationalen Wettbewerbsbedingungen in den Fokus. Für die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie spielt die Sicherung fairer Bedingungen für Produktionsstandorte in Deutschland und Europa eine zentrale Rolle.
60 % der Befragten fordern von der EU-Handelspolitik schnellere Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren.
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„Freier Handel darf nicht heißen, dass Europa naiv zusieht, wie andere Länder mit massiven Staatshilfen und künstlichen Preisvorteilen Fair Play vorsätzlich untergraben“, sagt Hager. „Wenn andere Länder systematisch Wettbewerbsbedingungen verzerren, muss Europa systematisch dagegenhalten, und zwar schnell und unbürokratisch. Wir brauchen zudem eine Beweislastumkehr bei offensichtlichen Verzerrungen und Ausgleichszölle, die den unfairen Vorteil Dritter wirklich wettmachen. Europa muss mit gleichgesinnten Partnern Allianzen für offene und faire Märkte schmieden. Sonst können wir weiter viel über Resilienz reden, verlieren aber gleichzeitig die Produktion, die wir dafür unbedingt brauchen.“
Mit Material des ZVEI
Was Sie zum Thema Investitionshemmnisse wissen müssen
• Welche Investitionshemmnisse nennt das ZVEI-Panel? – 85 % nennen Bürokratie, regulatorische Unsicherheit und lange Genehmigungsdauern. 75 % führen Arbeitsmarktrestriktionen an.
• Welche Standortkosten gelten als Investitionshemmnisse? – 57 % nennen zu hohe Lohnkosten. Hohe Strom- und Energiekosten sowie hohe Steuern und Abgaben werden jeweils von 53 % genannt.
• Welche Rolle spielen Schlüsseltechnologien bei den Investitionshemmnissen? – 98 % befürworten eine verstärkte heimische Entwicklung und Produktion von Schlüsseltechnologien wie Halbleitern oder Batterien.
• Welche handelspolitischen Forderungen stehen neben den Investitionshemmnissen? – 60 % fordern schnellere Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren der EU.