Eine Frau fährt in einem autonomen Fahrzeug.

Autonomes Fahren ist ein Thema der Mobilität der Zukunft. - Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

| von Anja Ringel

Es sind Zahlen, die die Autobranche aufschrecken lassen: Durch die Corona-Pandemie sind in Deutschland so wenige Fahrzeuge gebaut worden, wie zuletzt im Jahr 1975. Die Pkw-Neuzulassungen gingen im ersten Halbjahr um knapp 35 Prozent zurück – der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren.

Doch nicht nur Covid-19 belastet die Autoindustrie, auch die Transformation hin zur Elektromobilität und mehr Digitalisierung hinterlässt ihre Spuren. Wie sieht sie also aus, die Zukunft der Branche? Darüber haben Verantwortliche verschiedener Autobauer und Experten auf dem „Digital Automotive Talk“ von Pwc und Prof. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) gesprochen. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

Corona und die Folgen

Dass die deutschen Autobauer hohe Verluste durch Corona haben, ist bekannt. VW-Chef Herbert Diess wurde nun konkret: Zehn Milliarden Euro habe sein Unternehmen bisher verloren. VW falle dadurch rund ein Jahr zurück, sagte er. Der CEO erklärte aber auch: Die Wolfsburger hätten die Krise „sehr gut gemanaged“. Man habe sehr schnell heruntergefahren und die Bestände sehr stark kontrolliert, um die Liquidität zu sichern. Derzeit beobachte VW genau, wie viele Autos nachgefragt werden und fahre seine Produktion entsprechend des Bedarfs hoch.

„Wir haben eine Erholung, sind aber noch weit vom Vor-Krisenniveau entfernt“, sagte Diess. Doch es gibt auch Unterschiede: Die Premiummarken kommen laut Diess besser durch die Krise, im Volumen treffe es den Konzern aber härter. Wie es jetzt weitergeht, hänge stark davon ab, ob es Rückfälle gibt oder ob der Weg nun aus der Krise führt. Soll heißen: Wenn es keinen schweren Rückfall gebe, könne es sein, dass VW relativ gut durch die Krise komme. Lob gab es für das Konjunkturpaket: Die Maßnahmen der Regierung wirken, erklärte Diess.

Auch der Leiter des CAM, Stefan Bratzel, blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft: Er könne sich durchaus vorstellen, dass es ein der zweiten Jahreshälfte ein bisschen mehr Konsum gebe. Und: Durch Covid-19 werden viele Dinge in der Autoindustrie beschleunigt – zum Beispiel Innovationen.

Eine Branche im Wandel: Was passiert mit den Arbeitsplätzen?

Mit neuen Technologien wachsen jedoch auch bei vielen die Sorgen, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Dazu gab es unterschiedliche Meinungen. So erklärte Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit, „zig Studien belegen“, dass es durch den Mobilitätswandel mehr Arbeitsplätze haben werden als jetzt.

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Dem widersprach Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender von Elring Klinger. Seiner Meinung nach wird es eine Konsolidierung geben und Arbeitsplätze werden wegfallen. Wenn vom Verbrenner zur E-Mobilität gewechselt wird, werde auch vieles automatisiert, sagte er.

Es müsse jetzt darum gehen, die Arbeitsplätze der Zukunft zu sichern, ohne zu viele momentane Stellen zu schnell zu verlieren, ergänzte Bratzel. Denn: „Wenn wir uns jetzt nicht bewegen, wie viele Arbeitsplätze haben wir dann noch in zehn bis 15 Jahren“, fragte er. Für ihn sind die nächsten fünf bis zehn Jahre entscheidend, damit die Transformation gelingt. „Und das wird nicht ohne Opfer gehen“, so Bratzel.

Zukunftsmusik: Die Mobilität von morgen

Und wie wird die Mobilität nach der Transformation aussehen? „Wir werden eine komplett veränderte Mobilität haben“, ist sich Kemfert sicher. Dabei gehe es unter anderem um Dezentralisierung, aber auch Digitalisierung. An ein gemischtes Angebot glaubt Wolf. Er ist fest davon überzeugt, dass es auch in 30 Jahren noch Verbrenner und Hybridfahrzeuge geben wird. Man müsse aber global denken. Für junge Menschen sei es heutzutage nicht das Ziel, mit 18 Jahren ein eigenes Auto zu haben. Für ihn sei das schon der Fall gewesen.

Man müsse das Problem genau beschreiben, sagte dagegen Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bosch. Und das Problem sei der Klimawandel. „Was wir deshalb brauchen ist ein Wandel des Kraftstoffes“, sagte er. Entscheidend sei, einen klimaneutralen Kraftstoff herstellen zu können – egal, welcher Kraftstoff es ist.

Die neue Mobilität wird auch neue Geschäftsmodelle mit sich bringen, ist Markus Schäfer, Vorstandsmitglied bei Daimler, überzeugt. Für ihn wird der Kontakt mit dem Kunden entscheidend sein. Unternehmen werden die Kunden mit Konnektivität an sich binden, erklärte er.

Zur Digitalisierung der Autos sagte Denner: „Fahrzeuge müssen als Internet-Teilnehmer gedacht werden. Für uns sind die Autos daher kein Smartphone auf Rädern, sondern Internet-Of-Things-Devices."

Soll heißen: Fahrzeuge werden zu Internetteilnehmern. Deshalb müsse die Software auch neu gedacht werden, so Denner.

„Die Transformation ist in vollem Gange“, sagte Felix Kuhnert, Global Automotive Leader bei PwC. Sie brauche aber Zeit. Es sei jetzt wichtig, die Infrastruktur dafür zu schaffen.

Die Preisträger der diesjährigen „AutomotiveINNOVATIONS Awards“

Das Center of Automotive Management (CAM) und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC haben auch dieses Jahr wieder die „AutomotiveINNOVATIONS Awards“ verliehen.

Das sind die Preisträger:

Innovationsstärkste Automobilhersteller: 

  • Innovationsstärkster Konzern: Volkswagen AG
  • Innovationsstärkstes Modell: Porsche Taycan
  • Innovationsstärkste Volumenmarke, Innovationsstärkste Volumenmarke "Fahrzeugkonzepte und Karosserie", Innovationsstärkste Volumenmarke "Autonomes Fahren und Sicherheit", Innovationsstärkste Volumenmarke "Interface und Vernetzung": Volkswagen
  • Innovationsstärkste Volumenmarke "Alternative Antriebe": BYD
  • Innovationsstärkste Premiummarke, Innovationsstärkste Premiummarke "Interface und Vernetzung": Mercedes-Benz
  • Innovationsstärkste Premiummarke "Alternative Antriebe": Audi
  • Innovationsstärkste Premiummarke "Fahrzeugkonzepte und Karosserie": BMW
  • Innovationsstärkste Premiummarke "Autonomes Fahren und Sicherheit": Tesla

Innovationsstärkste Automobilzulieferer:

  • Innovationsstärkster Automobilzulieferer "Antrieb": Robert Bosch GmbH
  • Innovationsstärkster Automobilzulieferer "Chassis, Karosserie und Exterieur": Bridgestone
  • Innovationsstärkster Automobilzulieferer "Automatisiertes Fahren und Fahrerassistenzsysteme": Schaeffler-Paravan Technologie GmbH & Co.KG 
  • Innovationsstärkster Automobilzulieferer "Interieur und Interface": ZF/Faurecia 

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