Maschinenbau

Der Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgängen. - Bild: Pixabay

| von Anja Ringel

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet für das laufende Jahr mit einem Produktionsrückgang im Maschinenbau von minus vier Prozent. Ursprünglich gingen die Experten noch von minus drei Prozent aus. Das geht aus der Studie „Verlierer und Gewinner im Maschinenbau 2020“ von Uwe Burkert und Stefan Maichl, Experten der LBBW,  hervor. Vor allem in Branchen, die mit der Automobilindustrie oder chinesischen Firmen zusammenarbeiten, werden ein schwaches Jahr haben. Da sind sich die Analysten sicher. Dazu zählt vor allem die Werkzeugmaschinenbauindustrie.

Die Experten der LBBW erwarten für diese Branche einen Produktionseinbruch von über zehn Prozent. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) geht sogar von 18 Prozent aus. Dabei sah im vergangenen Jahr noch vieles gut aus: „2019 hat der Auftragsbestand in der Werkzeugmaschinenindustrie soweit getragen, dass die Produktion fast auf dem Rekordniveau des Vorjahres lag“, sagte Hans-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW auf der Jahrespressekonferenz des Verbands. Die Branche habe mit einem kleinen Minus von einem Prozent fast 17 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Zerspanung, mit fast 80 Prozent der größte Teil der Maschinenproduktion, erzielte dabei ein Plus.

Werkzeugmaschinenindustrie: Das sind die Gründe für den Produktionsrückgang

Den Produktionsrückgang in diesem Jahr begründete Prokop mit einem Nachfrageeinbruch. „2019 hat die Branche noch von vollen Auftragsbüchern und einer hohen Kapazitätsauslastung profitiert“, sagte der VDW-Vorsitzende. Bereits im zweiten Halbjahr 2018 habe jedoch ein Nachfragerückgang eingesetzt, der sich im vergangenen Jahr fortgesetzt hat.

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Die aktuelle Kombination aus zyklischem Konjunkturrücklauf, Strukturwandel in der Automobilindustrie, handelsstrategisch motivierten Turbulenzen und dem Coronavirus dämpfe die Investitionsneigung weltweit, so Prokop. Im internationalen Ranking hat die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie dem VDW zufolge ihre Position im Spitzentrio gehalten. Denn alle anderen Herkunftsländer kämpfen mit ähnlichen Problemen.

Industrieproduktion wird weiter sinken

Der Abwärtstrend wird nach Einschätzung von Prokop länger anhalten: „Für weite Teile der Industrie wird sich in Deutschland die Durststrecke länger fortsetzen“, sagte er. Der Verband rechnet damit, dass die Industrieproduktion in Deutschland nochmal sinken wird. Für den Werkzeugmaschinenverbrauch erwartet der VDW ein Minus von einem Fünftel.

In ihrer Studie stellen die LBBW-Experten außerdem eine erhebliche Abhängigkeit des Werkzeugmaschinensektors von der Automobilbranche fest. 2017 entfielen 48 Prozent auf die Automobil- und Zuliefererbranche.

 

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Das sind die Branchentrends im Werkzeugmaschinenbau

Trotz der negativen Zahlen gibt es jedoch auch positive Trends. So schreitet die Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsanlagen weiter voran, schreiben Burkert und Maichl. Digitale Vernetzung sei „der Enabler für neue Geschäftsmodelle, ein Terrain, auf dem mit Kreativität noch viel zu erreichen ist“, meint auch VDW-Vorstand Prokop. Auch die Themen Komplettbearbeitung beziehungsweise Prozesskettenverkürzung stehen auf der Agenda, genauso die Themen Elektromobilität und Additive Fertigung.

Neben dem Werkzeugmaschinenbau sehen die LBBW-Experten auch die Holzbearbeitungsmaschinen als Verlierer ein. Vor allem die Chinaabhängigkeit und eine anhaltende Investitionsschwäche seien die Gründe für den rund zehnprozentigen Verlust.

Stabiler schätzen Burkert und Maichl im Übrigen die „konsumnahen Maschinenbauer“ ein. Dazu zählen unter anderem die Fördertechnik und Intralogistik, die von E-Commerce und dem damit verbundenen Automatisierungszwang profitieren. In diesem Bereich erwarten die Experten nur einen Produktionsrückgang von zwei Prozent.

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