Iran-Krieg belastet Konjunkturprognose für Deutschland
Der Iran-Krieg könnte die Konjunkturprognose für Deutschland deutlich verschlechtern. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit geringeren Wachstumsraten und steigender Inflation infolge möglicher Energiepreisschocks.
Wichtige deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute werden ihre Konjunkturprognosen infolge des Iran-Kriegs voraussichtlich senken.m.mphoto - stock.adobe.com
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Summary:
Mehrere deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen wegen des Iran-Kriegs mit einer niedrigeren Konjunkturprognose für Deutschland. Ökonomen von Ifo, IMK, RWI und IW Köln erwarten je nach Kriegsdauer spürbare Auswirkungen auf Wachstum, Inflation und Energiepreise. Besonders steigende Öl- und Gaspreise gelten als zentraler Risikofaktor für die wirtschaftliche Entwicklung.
Der Iran-Krieg könnte die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland spürbar belasten. Wichtige Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten deshalb eine Absenkung ihrer Konjunkturprognosen. Ökonomen des Ifo-Instituts, des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), des RWI und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) äußerten sich entsprechend gegenüber dem Pro-Newsletter Industrie und Handel des Nachrichtenmagazins „Politico“.
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Nach Einschätzung der Experten hängt das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab. Derzeit kalkulieren die Institute mit einem negativen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt zwischen 0,2 und 1,0 Prozentpunkten.
Welche Rolle Energiepreise für die Konjunkturprognose spielen
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Ein zentraler Unsicherheitsfaktor bleibt die Entwicklung der Energiepreise. Laut Ifo-Institut könnten steigende Öl- und Gaspreise die Inflation deutlich erhöhen.
"Wir gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
In diesem Szenario würde sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2026 um etwa 0,2 Prozentpunkte verlangsamen. Die Ökonomen rechnen dann mit einem Wachstum von 0,8 % in diesem Jahr und 1,2 % im kommenden Jahr.
Zum Vergleich: Im Februar lag die Inflationsrate in Deutschland noch bei 1,9 %. Die Europäische Zentralbank strebt für die Eurozone mittelfristig eine Inflationsrate von 2 % an.
Bleiben fossile Energieträger länger teuer, könnten die wirtschaftlichen Folgen deutlich stärker ausfallen. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts wäre dann eine Inflationsrate von rund 3 % möglich.
"Dies würde das Wachstum um weitere 0,2 Prozentpunkte auf nur noch 0,6 Prozent in diesem Jahr und um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent im kommenden Jahr bremsen", so Wollmershäuser.
Auch andere Institute sehen steigende Energiepreise als entscheidenden Risikofaktor für die Konjunkturprognose.
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Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, erklärte: "Bis zum Kriegsausbruch ging die Tendenz dahin, unsere Erwartung von bisher 1,2 Prozent Wirtschaftswachstum für 2026 noch ein bisschen heraufzusetzen. Das hat sich jetzt auf jeden Fall erledigt."
Wie stark ein Ölpreisschock Deutschland treffen könnte
Die weiteren wirtschaftlichen Folgen hängen vor allem von der Entwicklung der Ölpreise ab. Sollte der Ölpreis rasch wieder unter 100 USD pro Fass fallen, könnten die Auswirkungen begrenzt bleiben.
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"Hält der Krieg aber länger an und sind die Öl- und LNG-Lieferungen aus der Region längere Zeit unterbrochen, kann der Energiepreisschock groß genug sein, um die Erholung in Deutschland zum Erliegen zu bringen", sagte Dullien.
Auch langfristige Szenarien werden bereits diskutiert. Samina Sultan vom IW Köln warnte vor deutlichen Wachstumsverlusten bei dauerhaft hohen Energiepreisen.
"Sollte der Ölpreis über zwei Jahre bei 100 Dollar oder sogar 150 Dollar liegen, würde das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2027 um 0,6 bis 1,0 Prozent niedriger sein als ohne Steigerung des Ölpreises."
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Etwas optimistischer zeigt sich hingegen das RWI. Konjunkturexperte Torsten Schmid erklärte, dass bei stabilen Preisen bis Ende März und anschließend sinkenden Energiepreisen der Effekt begrenzt bleiben könnte.
"Wenn die Preise für Öl und Gas bis Ende März auf dem aktuellen Niveau bleiben und danach langsam wieder sinken, rechnen wir für das Jahr 2026 mit einem negativen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt von etwa 0,2 Prozentpunkten", so Schmid.
Mit Material der dpa
FAQ: Konjunkturprognose Deutschland
• Wie beeinflusst der Iran-Krieg die Konjunkturprognose für Deutschland – Der Konflikt kann über steigende Energiepreise Wachstum bremsen und die Inflation erhöhen.
• Welche Institute haben ihre Konjunkturprognose angepasst – Ökonomen von Ifo, IMK, RWI und IW Köln rechnen mit schwächerem Wirtschaftswachstum.
• Wie stark könnte die Konjunkturprognose sinken – Je nach Dauer des Kriegs erwarten die Institute einen negativen Effekt auf das BIP von 0,2 bis 1,0 Prozentpunkten.
• Warum sind Energiepreise entscheidend für die Konjunkturprognose – Steigende Öl- und Gaspreise erhöhen die Inflation und können Investitionen sowie Konsum bremsen.
• Welche langfristigen Folgen für die Konjunkturprognose möglich sind – Bleiben Ölpreise dauerhaft hoch, könnte das deutsche BIP laut IW Köln bis 2027 um bis zu 1,0 % niedriger ausfallen.