Sieben Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Figuren auf einem Brett mit vielen Linien

Sieben Leitlinien sollen zu erfolgreichen Transformationen in Unternehmen führen. - Bild: Adobe Stock/Olivier-Le-Moal

| von Anja Ringel

Die Welt ist um Wandel – und so sind es die Firmen. „Die Veränderungshäufigkeit bei Unternehmen nimmt drastisch zu“, sagt Fabian Marckstadt, Partner bei der Unternehmensberatung Deloitte. Und: „Unternehmen, die häufiger Transformationen durchlaufen, machen das nicht automatisch besser.“ Zusammen mit der Universität St. Gallen hat Deloitte eine Transformations-Studie durchgeführt, um herauszufinden, wie Unternehmen den permanenten Wandel erfolgreich gestalten können.

Die Studie hat gezeigt: Wer sich sauber auf Veränderungen vorbereitet und diese plant, hat mehr davon. Die Practices der Studie haben laut Marckstadt einen statistisch nachweislichen Effekt, der sich bei den Geschäftszahlen bemerkbar mache. „Was bemerkenswert ist: In Kombinatorik erzielen die einzelnen Findings einen viel höheren Erfolg“, sagt der Experte.

Doch keine Angst: Man muss nicht alle Leitlinien – also „sieben auf einen Streich“ – sofort umsetzen. Die Studie hat gezeigt: Firmen die mindestens vier dieser Tipps umsetzen, haben einen klar messbaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Das sind die Leitlinien:

1. Auf die Wünsche der Kunden hören

„Hören Sie auf Ihre Kunden, um die richtigen Impulse für Ihre Transformation mitzunehmen“, schreiben die Studienleiter. Hilfreich dabei sind Kundendaten, mit denen die entsprechenden  Rückschlüsse gezogen werden können. Aber auch Methoden wie Design Thinking sind dabei wichtig.

2. Das Kerngeschäft neu erfinden

Den Kern neu erfinden – und die Ränder erforschen. Das ist laut Studie eines der Erfolgsgeheimnisse. „Das ‚Get to the heart of it‘ ist für deutsche Unternehmen gerade sehr schwierig“, sagt Marckstadt im Gespräch mit PRODUKTION. „Für Autobauer stellt sich zum Beispiel die Frage, wie viele Paralleltechnologien kann ich mir erlauben und ab wann setze ich auf alles auf eine Karte. Ich habe nicht das Gefühl, dass alle Unternehmen das zu Ende gedacht haben – auch, welche Folgen das für die Firmen innerhalb der Lieferkette haben wird.“

3. Änderungen am Zusammenarbeitsmodell

„Um neue, kundenzentrierte Strategien in konkreten betrieblichen Abläufen zu verankern, sind grundlegende Änderungen am Zusammenarbeitsmodell erforderlich“, heißt es in der Studie. Demnach müssen sowohl das Zusammenarbeitsmodell als auch die Kapitalstruktur neu gedacht werden.

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4. Neue Führungskräfte einbinden

Um ein Unternehmen voranzubringen, soll laut Studie die Gunst der Stunde genutzt und neue Führungskräfte eingebunden werden. Ihr Vorteil: eine unvoreingenommene Position, durch die sie den Status quo herausfordern können. CEOs, die bereits länger in dieser Rolle sind, sollten ebenfalls offen für neue Ideen bleiben. Ebenfalls wichtig: Stabilität im Führungsteam.  

5. Handlungsfreiräume schaffen

„Die zunehmende Geschwindigkeit der Transformationen macht eine größere Unabhängigkeit der Unternehmens-Einheiten und Mitarbeiter erforderlich“, sagt Marckstadt. Eine Möglichkeit: „Micro-foundations sind hier ein geeignetes Instrument, um die nötige Freiheit, aber auch eine zentrale Führung herzustellen. Mit anderen Worten: Wie gibt man Grassroot Movements eine zentrale Umrahmung ohne ihre Kreativität zu hemmen?“

Innerhalb der Organisation sollen also Möglichkeiten geschaffen werden, in denen Mitarbeiter in an bestimmten Themen in Eigenverantwortung arbeiten. Zum Bespiel, um einen neuen Vertriebskanal aufzubauen.

6. Alle Interessengruppen einbeziehen

Während des Transformationsprozesses sollten alle Interessengruppen mit einbezogen werden, rät die Studie. Dazu zählen im Übrigen auch Investoren: „Es hat sich gezeigt, dass Investoren  durch ihren anderen, neuen Blickwinkel auch Veränderungen in Unternehmen anstoßen oder beschleunigen können. Das kann in bestimmten Phasen wichtig sein“, sagt Marckstadt.

7. Flexible Strategien und Routinen aufbauen

Die letzte Leitlinie: Es müssen sowohl flexible Transformationsstrategien als auch feste Routinen aufgebaut werden. Konkret heißt das laut Marckstadt: „Es braucht eine gute Mischung entlang der unterschiedlichen Prinzipien: eine strategische Orientierung und ein agiles Handeln. Die Studie hat gezeigt, dass Unternehmen gut beraten sind, diese Gegensätze zu vereinen.“ 

Insgesamt sieht Marckstadt folgenden Trend: „Nur Unternehmen, die in der Lage sind, Kundenbedürfnisse zu antizipieren und darauf mit neuen Angeboten schnell zu reagieren, werden überleben.“ Transformation wird so also zum „new normal“.