Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und, hat einen Karton und packt seine Sachen ein. Zudem trägt er einen Mundschutz

Durch die Coronakrise wird nach Einschätzung von Experten die Arbeitslosigkeit steigen. - Bild: Adobe Stock/ty

| von Anja Ringel

Welchen Schaden wird Corona in der Wirtschaft hinterlassen? Und vor allem: Wie groß wird er sein? Über diese Fragen wird seit Wochen öffentlich diskutiert. Ein Thema, das dabei noch wenig Beachtung bekommen hat, ist die Zukunft des Arbeitsmarktes. Dazu gibt es nun neue Studien und Lösungsansätze.

Das kurzfristige Szenario ist dabei klar: Tausende Unternehmen haben ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „Im Wesentlichen horten sie Arbeitskräfte, um für die erwartete Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2020 gut positioniert zu sein“, schreibt Marc Schattenberg im neuesten Deutschland-Monitor der Deutschen Bank.

Die Zahl der Kurzarbeiter könnte dabei laut seiner Analyse auf bis zu zehn Millionen steigen. Die Folge: Die Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit – insgesamt 26 Milliarden Euro – werden dann bereits dieses Jahr aufgebraucht sein. Dann wird sie weitere vier bis fünf Milliarden Euro benötigen.

Zahl der Arbeitslosen wird trotz Kurzarbeit steigen

Doch trotz beschäftigungssichernder Maßnahmen wird auch die Zahl der Arbeitslosen steigen - laut dem Experten auf drei Millionen.  In ihrem Basisszenario für 2020 geht die Deutsche Bank davon aus, dass die Arbeitslosenquote auf durchschnittlich rund sieben Prozent steigen wird. Sollte sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr und 2021 wieder erholen, wird die Quote im kommenden Jahr wieder auf sechs Prozent sinken, erklärt Schattenberg.

Wenn sich die wirtschaftliche Lage jedoch nicht so schnell verbessert, wird mit einem Anstieg auf knapp neun Prozent 2020 und acht Prozent im nächsten Jahr gerechnet.

Während die Arbeitslosigkeit steigt, wird die Erwerbstätigkeit nach den Berechnungen um gut ein Prozent sinken.  Erstes Indiz dafür: Im April sanken die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen um 9,5 Prozent auf 630.000. Ein weiterer Grund ist, dass nicht alle Berufstätigen von den Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung wie Kurzarbeit profitieren. Dazu zählen unter anderem Selbstständige.

Bei zu wenig Neueinstellungen bricht der Arbeitsmarkt ein

Laut Arbeitsmarktforscher Enzo Weber sind Neueinstellungen jedoch enorm wichtig für den Arbeitsmarkt. Weber leitet am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) den Bereich Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen und ist Professor an der Universität Regensburg. Er erklärt in mehreren Veröffentlichungen, dass die Zahl der Beschäftigten nur dann konstant bleibt, wenn gleich viele Arbeitskräfte eingestellt werden, wie die Unternehmen verlassen.

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Wenn jedoch Neueinstellungen aufgrund der Coronakrise ausbleiben, sacke der Arbeitsmarkt ein. In einem Gastbeitrag für den ‚Spiegel‘ erklärt Weber: „Die Dimension ist immens: In Deutschland gibt es pro Jahr – je nach Zähl- und Definitionsweise – neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse im mittleren einstelligen Millionenbereich, Minijobs also noch gar nicht mitgezählt.“ Seine Folgerung: Schon ein Rückgang der Neueinstellungen um zehn Prozent würde gravierende Folgen haben.

Um Anreize für Neueinstellungen zu schaffen, schlägt der Experte deshalb vor, dass Firmen bis Ende 2020 keine Sozialbeiträge für neue Mitarbeiter zahlen müssen. Diese sollte der Bund übernehmen. Weber schätzt, dass diese Maßnahme rund 35 Milliarden Euro kosten würde.

Eine weitere Möglichkeit haben Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften am Dienstag (26.5.) für den Lehrstellenmarkt beschlossen. Firmen, die Azubis von insolventen Firmen übernehmen, sollen bis Ende des Jahres eine Übernahmeprämie erhalten.

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