Oxygenstahlwerk Duisburg-Bruckhausen

Thyssenkrupp ist weiter mitten in der Restrukturierung. (Bild: Thyssenkrupp)

„Wir haben die Abstiegszone verlassen. Jetzt nehmen wir wieder die Top-Ränge ins Visier.“ – Ein Satz, den Schalke-Coach Dimitrios Grammozis zu Beginn der Saison hätte gesagt haben können. Tatsächlich stammt die Aussage aber nicht aus Gelsenkirchen, sondern aus dem 20 Minuten entfernten Essen. Und das Zitat ist nicht von einem Trainer, sondern der Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz.

Denn Deutschlands größter Stahlhersteller hat heute seine Hauptversammlung abgehalten. Und genau wie der sportliche Nachbar hat auch Thyssenkrupp turbulente Zeiten hinter sich. Höchste Zeit also, sich einmal näher anzuschauen, wie der Konzern momentan dasteht.

Das ist gerade los bei Thyssenkrupp

Zunächst ein kurzer Rückblick: 2019 zu Beginn von Merz Zeit als CEO hatte der Essener Konzern noch Milliardenschulen und hohe Verluste zu verzeichnen. Um wieder auf Kurs zu kommen und sich finanziell Luft zu verschaffen wurde Merz 2020 – um in der Fußballsprache zu bleiben – auf dem Transfermarkt aktiv und hat das Aufzugsgeschäft für 17 Milliarden Euro verkauft. Damit hat das Unternehmen zwar seinen wertvollsten Spieler, also Unternehmenszweig, verloren. Denn die Sparte war der einzige nennenswerte Gewinnbringer.

Gleichwohl ging es von da an sukzessive nach oben: Die Schulden konnten getilgt werden und es wurde wieder vermehrt investiert. Doch in der Corona-Pandemie gab es den nächsten Dämpfer: Der Stahlhersteller musste sich einen Milliarden-Kredit aus dem Corona-Hilfsprogramm sichern. Den wollte das Unternehmen nutzen, bis die schon angesprochenen 17 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Aufzugssparte tatsächlich auf dem Konto verbucht wurden.

Nebenbei trieb Merz die Umstrukturierung weiter voran und verkaufte Geschäftsteile, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Dazu zählt zum Beispiel der Tief-, Hafen- und Ingenieurbau, der im August verkauft wurde. Erst diese Woche wurde ein weiterer Verkauf offiziell: Das italienische Tochterunternehmen Acciai Speciali Terni (AST) wurde an die italienische Firma Arvedi verkauft.

Die Pläne haben auch Auswirkungen auf die Belegschaft: Bis zu 12.000 Stellen sollen während der Restrukturierung abgebaut werden.

Um den Umbau weiter voranzutreiben, investierte das Unternehmen außerdem einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Weitere drei Milliarden Euro wurden für den Ausbau der Geschäfte und rund sechs Milliarden Euro für die Tilgung von Schulden genutzt.

Inzwischen liegt der Verlust im vergangenen Geschäftsjahr bei Thyssenkrupp „nur“ noch bei überschaubaren 25 Millionen Euro. Die Auftragseingänge sind im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent auf knapp 40 Milliarden Euro gestiegen.

Der laut Merz größte Umbau der Unternehmensgeschichte wird weitergehen, wie sie heute noch einmal betonte. Ziel sei die Schaffung einer leistungsfähigen „Group of Companies“ mit starken, eigenständigen und spezialisierten Geschäften, sagte sie.

Pläne gibt es auch für das Rüstungsgeschäft. So forderte der Deka-Vertreter Ingo Speich vor der Hauptversammlung, das Geschäft zu verkaufen. Thyssenkrupp prüft momentan Partnerschaften mit Mitbewerbern. Die Bereiche Materials Services, Industrial Components und Automotive Technology sollen auf alle Fälle Teil von Thyssenkrupp bleiben.

Das sind die Pläne für die Stahlsparte

Doch natürlich steht vor allem das Stahlgeschäft im Fokus. Das Problem dort: Die Wettbewerber sind immer noch profitabler. Das Unternehmen prüft derzeit eine Verselbstständigung des Stahlgeschäfts. „Wir sind unverändert überzeugt davon, dass eine eigenständige Aufstellung dem Stahl die bestmöglichen Zukunftsaussichten eröffnet“, sagte Merz. Stahl sei der industrielle Werkstoff und bleibe auch künftig unverzichtbar.

Mit der Stahlstrategie 20-30 will das Unternehmen die Stahlproduktion außerdem grundlegend modernisieren.

Die größte Herausforderung bleibt laut Merz aber die grüne Transformation. Auf dem Weg zum klimaneutralen Stahl hat das Essener Unternehmen im Herbst den ersten Stahl mit zertifiziert verbesserter Ökobilanz ausgeliefert. „Ein kleiner, aber entscheidender Schritt auf unserem Weg der grünen Transformation unserer Stahlproduktion“, so Merz. Ziel des Unternehmens ist es, bis 2045 klimaneutralen Stahl herzustellen.

In den kommenden Jahren sollen unter anderem bestimmte Produktionsanteile von Kokskohle auf die Nutzung von grünen Wasserstoff umgestellt werden.

Damit die grüne Transformation gelingen kann, betonte Merz erneut: Staatliche Förderinstrumente seien unverzichtbar. Ohne breite Unterstützung der Politik sei es bislang schwer, „grundlegende und belastbare Entscheidungen“ zu einer Eigenständigkeit zu treffen.

Auch insgesamt sieht Merz noch einen anspruchsvollen Weg vor dem Unternehmen liegen. „Wichtige Weichenstellungen im Stahl und im Wasserstoffgeschäft stehen an“, sagte sie. Das nächste große Etappenziel sei ein ausgeglichener Cashflow und ein Jahresüberschuss von mindestens einer Milliarde Euro. Damit soll dann auch die Voraussetzung geschaffen werden, dass den Aktionären wieder eine Dividende bezahlt werden kann.

Schalke ist auf dem Weg nach oben – zumindest momentan –  ein gutes Beispiel: Die Gelsenkirchner sind in der zweiten Bundesliga auf Platz 13 gestartet und haben sich inzwischen auf Rang 4 vorgearbeitet.

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