Digitalisierter Gabelstapler sowie Roboter sind am Ausgang eines Industrie 4.0-Serverraums zu sehen

Auf Intralogistik und Logistik kommen zahlreiche Herausforderungen zu. Es gilt, trotz Krisen und Fachkräftemangel die Supply Chain aufrechtzuerhalten. Dafür gibt es durchaus Lösungen, wie beispielsweise IOT, Digitalisierung, Konnektivität, Robotik und KI - um nur einige zu nennen. (Bild: Fotohansel - stock.adobe.com)

Die Zukunft von Logistik und Intralogistik stehen auf dem Spiel. So gibt es nicht nur einen Wandel bei Urbanisierung und E-Commerce sondern ebenso höhere Anforderungen an die Logistik und die Supply Chain. Krisen und Kriege sowie der Fachkräftemangel sind weitere, gravierende Pain Points.

„Die aktuelle Situation ist die, dass wir uns mit der Wirtschaft und der Gesellschaft in einem sehr rasanten Wandel befinden. Mit großem Tempo sehen wir bestimmte Megatrends wie Urbanisierung und wir sehen die Entwicklung des E-Commerce“, erklärt Steffen Bersch, CEO der SSI Schäfer Gruppe und Vorsitzender des VDMA Fördertechnik & Intralogistik.

So habe in der Zeit vor Corona der Einzelhandelsumsatz einen E-Commerce-Umsatz von unter acht Prozent im Jahr 2019 erzielt. Dann habe es einen erheblichen Boost durch die Pandemie gegeben, sodass der E-Commerce-Umsatz heute bei über elfeinhalb bis zwölf Prozent liege.

Steffen Bersch, CEO der SSI Schäfer Gruppe und Vorsitzender des VDMA Fördertechnik & Intralogistik.
Steffen Bersch, CEO der SSI Schäfer Gruppe und Vorsitzender des VDMA Fördertechnik & Intralogistik. (Bild: SSI Schäfer)

"Es ist mir ein besonderes Anliegen, die Themen Digitalisierung, IOT und Künstliche Intelligenz voranzubringen und alle Unternehmen der Branche zu motivieren, gemeinsam zu investieren und auch gemeinsam die Entwicklung in diesem Bereich voranzutreiben, um damit auch sicherzustellen, dass wir hier wettbewerbsfähig sind und auch ein alleinstellungsmerkmal für die gesamte Industrie finden", sagt Steffen Bersch.

Höhere Anforderungen an Logistik und Supply Chain

Dieser Anteil am Handel hat sich laut Bersch massiv entwickelt - mit erheblichen Implikationen auch für die handelnden Logistikunternehmen. „Es spielen Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine große Rolle und damit steigen die Anforderungen an die Logistik und die Supply Chain immer weiter“, unterstreicht Bersch.

Krisen sind das neue Normal

Gleichermaßen müsse er sagen, dass wir uns seit nunmehr drei Jahren in einigen Krisen befänden, die wir offensichtlich als das neue Normal bezeichnen müssten. "Wir haben alle die Corona-Pandemie erlebt und wir erkennen dadurch eine gewisse Veränderung", sagt Bersch und ergänzt, dass "auch der Ukrainekrieg seine Implikationen für unser Geschäft hat."

Bersch verweist ebenso auf den Klimawandel mit immer mehr sichtbaren Folgen und so entstünden auch die Brüche in der Supply Chain, Materialpreissteigerungen sowie Energieknappheit. "Das bedeutet, dass immer neue Herausforderungen auf uns als Industrie zukommen", prognostiziert er.

Logistik ist systemrelevant

Der SSI Schäfer-CEO bezeichnet Logistik als systemrelevant, denn "Logistik muss immer funktionieren. Sie ist das Rückgrat der Wirtschaft und auch ein zentraler Leistungsträger, um die Bevölkerung zu versorgen", unterstreicht Bersch. Dabei sei das Lager ein maßgeblicher Baustein in dieser Logistik und dieses Lager müsse sich ständigen Veränderungen stellen.

Demnach stelle sich die Frage, was Unternehmen der Branche tun müssten, um sicherzustellen, dass einerseits die Endkunden entsprechend ihrer Leistungserwartungen bedient würden und andererseits "wir als Unternehmen langfristig zuverlässig und rentabel agieren. Das ist unsere grundsätzliche Aufgabenstellung", skizziert Bersch auf.

Fachkräftemangel als weiteres Problem

Dazu komme ein Neben-Problem, unter dem gerade alle litten. Das sei der Mangel an Arbeitskräften. So gebe es 2022 im Vergleich zu 2020 etwa 236.000 mehr offene unbesetzte Stellen. "Es wird also wird immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden", konstatiert Bersch. Zudem gehe die Babyboomer-Generation und damit die geburtenstarken Jahrgänge nach der nächsten Dekade in den Ruhestand.

Konnektivität als Lösung in den Logistikprozessen

"Mangel an Arbeitskräften ist demnach eine weitere Herausforderung in diesem Spiel. Damit ergeben sich immer wieder neue Anforderungen für innovative Lösungen. Wir sagen dazu: Der zentrale Schlüssel dabei ist Konnektivität", ist sich Bersch sicher.

Somit gehe es darum, die ganzen Maschinenleistungen und Gerätschaften zusammenzubringen. Dazu nennt Bersch ein Beispiel: der Wandel, der sich gerade rasend schnell vollziehe, werde von Dave Evans beschrieben, dem Chefzukunftsplaner von Cisco, der sagt: „Wir werden innerhalb der nächsten Dekade weltweit 50 Milliarden vernetzte Geräte sehen. Heute sind wir bei zehn Milliarden vernetzten Geräten. Also glauben wir, dass der Schlüssel und die Lösung des Problems in der Tat das Thema Konnektivität ist.“

Roboter und datengestützte Lösungen in der Intralogistik

Dazu erklärt Bersch, dass die Vision für unsere Intralogistik der Zukunft auf skalierbaren, flexiblen, nachhaltigen Robotern und datengestützten Lösungen mit einem hohen Maß an Automatisierung basiert. Konnektivität der Systeme untereinander ist der Schlüssel zu einer transparenten, effizienten Lieferkette." Um die Herausforderungen der nahen Zukunft bewältigen zu können, gebe es unterschiedliche Strategien:

Drohnen und AGVs für die letzte Meile

"Für den boomenden E-Commerce-Markt benötigen die Unternehmen rasche Auftragsabwicklung mit einer effizienten Omni Channel Logistik. Das sogenannte distributed order management gibt unter anderem einen globalen Überblick über Bestände in Echtzeit. Sie optimiert die Routen innerhalb und außerhalb aller Läger und koordiniert die verschiedenen Vertriebskanäle", beschreibt Bersch.

Ein weiteres interessantes und wichtiges Thema in dem Zusammenhang sei die letzte Meile. Innovative Konzepte wie beispielsweise die vertikale Landwirtschaft genauso wie Microfulfilment Center für die rasche regionale Belieferung. Zudem automatisierte Pick Stations in den Märkten und der Einsatz von Drohnen und AGVs für die letzte Meile versorgten die Menschen in den urbanen Zentren.

AGVs und den AMRs als Wettbewerb zur Fördertechnik

Ein weiterer Game Center in dem Zusammenhang sind laut Bersch Fastbots in der Fördertechnik. In diesem Zusammenhang werde Bersch oft die Frage gestellt, ob AGVs und AMRs im Wettbewerb mit der Fördertechnik stünden oder ob es sich synergetisch verhalte.

"Grundsätzlich können wir sagen, dass in konventionellen Lägern der Materialfluss und damit auch die physikalische Synchronisation zwischen Lager und Auftragsbehältern und den Kommissionier-Stationen heute durch aufwändige Fördertechnik wie Sorter und durch mehrstufiges Handling von statten geht. Im Lager der Zukunft werden zunehmend Schwarm artig organisierte mobile Transportroboter das Feld übernehmen. Insofern werden wir die Fördertechnik nicht in Frage stellen, aber sie wird möglicherweise an Bedeutung verlieren", prognostiziert Bersch.

Flexibilität durch künstliche Intelligenz und in der Vernetzung

In diesem Kontext seien AMR das nächste Level der Flexibilität durch die Fortschritte, die es im Bereich der künstlichen Intelligenz und in der Vernetzung gebe. "In der Intralogistik werden Roboter in Zukunft auch immer komplexere Aufgabenstellungen übernehmen können. Insofern ist das Thema AMR die Grundlage für das Shiften von manuellen Tätigkeiten im Bereich des Lagers und der Kommissionierung und stellt damit ein zentrales Thema für die Zukunft dar", so Bersch.

Portalroboter transportiert in Kartons verpackte Möbelstücke in einem Möbellager
Ein zuvor hochmanueller Prozess kann auch durch Portalroboter erledigt werden. Auch diese Lösung hilft gegen den Fachkräftemangel. (Bild: SSI Schäfer)

Aus der Praxis: Portalroboter im Möbelhaus

Roboter entlasten das Lagerpersonal beim Handling schwerer Güter. So hat SSI Schäfer zusammen mit einer internationalen Möbelkette in Dortmund einen Portalroboter realisiert, mit dem alle Küchenteile und Bauteile eines Schranks kommissioniert werden. Der Auftrag wird im Internet vom Endkunden platziert und automatisch kommissioniert. In der Vergangenheit war dies ein hochmanueller Prozess. Heute hingegen ist dies durch die entsprechende Lösung eine effiziente, skalierbare, flexible und auch leicht zu integrierende Lösung.

Thema Nachhaltigkeit nicht vergessen

"Dabei dürfen wir das Thema Nachhaltigkeit nicht vergessen – trotz all den Krisen, die wir gerade haben. Es bleibt das zentrale Thema, denn die fatalen Folgen des Klimawandels sehen wir", warnt Bersch. Insofern sei es unser aller Aufgabe, dieses Thema ebenfalls zentral bei der Planung von Lägern und der Intralogistik in den Mittelpunkt zu stellen.

"Wir glauben demnach, dass Intralogistik 4.0 das Thema Energieeffizienz und Klimaneutralität befördert und auch hilft - nämlich hin zu einer hundertprozentig nachhaltigen Ausrichtung des Lagers und der Logistik mit dem Ziel, im Grunde genommen den CO2-Footprint der jeweiligen Anlage und des Umfeldes auf Null abzusenken", argumentiert Bersch. Das Thema Energieeffizienz spiele damit schon beim Bau der Logistikimmobilie sowie beim Betrieb der Anlagen eine zentrale Rolle.

Künstliche Intelligenz essentiell für Predictive Maintenance

Künstliche Intelligenz spielt laut Bersch unter anderem im Bereich der vorausschauenden Wartung eine essentielle Rolle. "Wir wollen eine hohe Anlagenverfügbarkeit sicherstellen und glauben, dass Wartung erst dann durchgeführt werden muss, wenn sie tatsächlich notwendig ist."

In der Vergangenheit habe man das immer sehr periodisch gemacht. "Wir hingegen wollen, dass datengestützte Lösungen dazu beitragen, genau zum richtigen Zeitpunkt einschreiten, wenn es notwendig ist - nicht früher, aber auch nicht später", verdeutlicht Bersch.

Vorhersagen könnten demnach durch das Erfassen, das Analysieren und Bewerten von Daten in Echtzeit getroffen werden. "Vorausschauende Wartung reduziert dabei die Anzahl von Serviceeinsätzen und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung. Durch Predictive Maintainance werden die Ausfälle der Anlage schlichtweg nicht mehr stattfinden", ist sich Bersch sicher.

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Integration der unterschiedlichen Systeme

Laut Bersch gibt es aber auch neue Schmerzpunkte, neue Painpoints. Mit modernen Intralogistik-Lösungen und Anlagen hätten viele Unternehmen ihre Logistik zwar weitgehend im Griff. "Es entstehen aber neue Probleme, die außerhalb des Lagers liegen.

Aufgrund der enormen Vielfalt an Maschinen, an Anwendungen und Protokollen im Lager und in der gesamten Supply Chain stellt sich künftig vor allem eine zentrale Frage: Wie lassen sich die unterschiedlichen Systeme miteinander verbinden, ineinander integrieren, nahtlos und ohne Performance- und Datenverlust? Das wird die zentrale Fragestellung sein, mit der wir uns auseinandersetzen", betont Bersch.

Echtzeitanalysen, smarte Datenverarbeitung und Optimierungsalgorithmen

"Wir glauben, dass der zentrale Schlüssel eine hochmoderne Software mit der Möglichkeit von Echtzeitanalysen ist sowie smarter Datenverarbeitung und Optimierungsalgorithmen, die komplexe Prozesse im Lager optimal steuert und so eine lückenlose Transparenz in Echtzeit sicherstellt", berichtet Bersch.

Insofern sei auch die Open Logistics Foundation eine gute Grundlage und biete die Möglichkeit vom 'Einsam zum gemeinsam', "denn viele der Unternehmen in der Branche entwickeln ihre spezifischen Lösungen allein und damit immer wieder nur Insellösungen, die es aber nicht schaffen, das gesamtwirtschaftliche Problem, das wir haben, gemeinsam zu lösen", skizziert Bersch auf. Insofern sei die Open Logistics Foundation eine hervorragende Plattform, um ein gemeinsames Vorgehen sicherzustellen.

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Intralogistik wird zum Manager der Supply Chain

Bersch verweist darauf, dass Intralogistik der Dreh- und Angelpunkt der Supply Chain sei. Das Lager sei kein geschlossener Mikrokosmos, sondern ein zentraler Knotenpunkt der Supply Chain. Intralogistik der Zukunft agiere als Manager der Supply Chain - und das über das Lager hinaus.

"Wir glauben an eine architektonisch offene Software, Unterstützung und Vernetzung weiterer digitaler Plattformen wie Dock and Yard Management, Transport Management, Distributed Order Management und mit der künstlichen Intelligenz treiben wir die Performance in der Omni Channel Logistik hin zu etwas, was wir Unified Commerce nennen würden", erläutert Bersch.

Eine Plattform vom Auftragseingang bis zu letzten Meile

"Demnach arbeiten alle auf der gleichen Plattform vom Auftragseingang über die Lieferung bis hin zur letzten Meile. Doch wir alle werden gemeinsam daran arbeiten müssen, denn das wird kein Unternehmen allein schaffen", betont er und verweist auch hier auf die Open Logistics Foundation.

"Meine Motivation an alle Unternehmen, alle Spieler in der Branche kann eigentlich nur sein: Stellen Sie Ihre Forschungsmittel zur Verfügung, erhöhen Sie ihre Forschungsausgaben, um sicherzustellen, dass wir hier in Deutschland und in Europa eine zentrale Rolle bei dem Thema spielen, bei der Datenverarbeitung und beim Management logistischer Prozesse", fordert Bersch.

Dossier Klimaneutrale Industrie - hier zum Download

Frau hält ein Tablet in der Hand und wählt auf dem Display Beiträge aus, die außerhalb des Tablets virtuell angezeigt werden
(Bild: mi connect)

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