Im Video erfahren Sie, wie Maschinenbauer aus Taiwan mit dem Thema 'smart manufacturing' umgehen und warum der Handelskrieg zwischen China und den USA für Taiwan eine Chance ist. - Bild: Nördinger

Taiwan ist zwar eine verhältnismäßig kleine Insel, bietet aber vielen großen Unternehmen – gerade aus dem Bereich Maschinenbau - ein zu Hause. „Unsere Maschinenbau-Industrie ist weltweit einzigartig“, berichtet Alex Ko von der ‚Taiwan Association of Machinery Industry‘ anläßlich einer Pressekonferenz zum Thema ‚Smart Machinery‘. Denn das eigene Land biete wenig Absatzchancen. Stattdessen landen die dort produzierten Maschinen in Produktionshallen weltweit.

Was beschäftigt Taiwans Maschinenbauer derzeit?

Lange waren Maschinen aus Taiwan für ihren günstigen Anschaffungspreis bekannt. Doch heute zählen andere Dinge. Kunden fordern zum Beispiel vernetzte und intelligente Anlagen, auf denen flexibel produziert werden kann. „Wir haben beschlossen, Maschinen aus Taiwan noch wettbewerbsfähiger zu machen“, erklärt Nick Ni vom ‚Bureau of Foreign Trade‘ im Wirtschaftsministerium von Taiwan. Der Plan sei, dass Maschinenbauer aus Taiwan weltweit als Nummer 1 angesehen werden. Dazu müsse man das Image mancher Unternehmen noch verändern.

Um das zu verwirklichen, hat der taiwanesische Wirtschaftsminister ein Programm initiiert. Aus Sicht der Regierung haben Unternehmer in Zukunft Erfolg, wenn sie sich mit dem Thema smarte Maschinen beschäftigen. Dazu gehören laut Walter Yeh von der Non-Profit-Organisation Taitra (Taiwan External Trade Development Council) die Bereiche Datenanalyse, Cloud Computing, kollaborierende Roboter und IoT. “In Zukunft smarte Maschinen anzubieten, ist das wichtigste für unsere Branche“, verdeutlicht Yeh.

Taiwan Smart Manufacturing Media Day
Auf dem 'Taiwan Smart Manufacturing Media Day' in Taipeh, Taiwan, erklärten Maschinenbauer, Verbandsvertreter und Regierungsvertreter, wie das Thema Digitalisierung in Taiwan umgesetzt wird. - Bild: Nördinger

Warum sind smarte Maschinen Taiwans Zukunft?

Im Zuge einer weltweit alternden Bevölkerung, müssen Produktionsprozesse immer smarter und somit einfacher werden. „Unser Ziel ist es, hier in Taiwan zuerst smarte Maschinen auf den Markt zu bringen und anschließend komplette smarte Fertigungen auf die Beine zu stellen“, erläutert Alex Ko. Und es gebe ein Sprichwort, dass der Maschinenbau die Mutter aller Industriezweige ist. Deshalb sei es so wichtig, in diesem Sektor die Digitalisierung voranzutreiben.

Um die Maschinen smarter zu machen, sind zunächst Sensoren notwendig. „Und gute Sensoren haben wir in Taiwan bereits entwickelt“, berichtet Ko. Im nächsten Schritt wolle man aber Applikationen anbieten, bei denen die smarten Maschinen an die Cloud angebunden sind. Langfristig sei dann geplant, die Sensordaten zu analysieren und so die Produktion kontinuierlich zu verbessern.

Das Thema smarte Produktion sei weltweit im Vormarsch im Zuge des Digitalisierungs-Trends. Weiterhin könne man mit einer smarten Produktion Kosten reduzieren und die Leistung steigern, ist sich Ko sicher. „Taiwan hat schon immer Innovationen mit Weltklasse hervorgebracht“, teilt Walter Yeh mit. Und deshalb stehe nun das Thema ‚smarte Maschinen‘ ganz oben auf den Entwicklungs-Plänen der taiwanesischen Maschinenbauer.

Was Taiwans Maschinenbauern bei der Digitalisierung hilft

In Taiwan gibt es schon immer eine sehr starke ICT-Branche, die sich mit Informations- und Kommunikationstechnik beschäftigt. Deshalb finden Maschinenbauer im eigenen Land alle Technologien vor, die für eine smarte Fertigung notwendig sind. „Wir als Maschinenbauer arbeiten nun mit der Softwarebranche vor Ort eng zusammen und das stärkt uns enorm“, erklärt Andy Hung vom Werkzeugmaschinenbauer Feeler, der zur weltweit agierenden Fair Friend Group gehört.

Man versuche nun, ein wettbewerbsfähiges Ökosystem auf die Beine zu stellen, erklärt Bush Hsieh vom Verpackungsmaschinenhersteller Chumpower Machinery. Bis vor kurzem hätten noch alle Maschinenbau-Firmen ihre eigene Software entwickelt, sagt Ko. Das sei nicht das Optimum gewesen. Nun versuche man laut Ko eine Cloudlösung anzubieten, die eine ähnliche Idee wie Smartphone-Clouds verfolge.

Maschinenbauer sollten dann in Zukunft Apps bereitstellen, die sich über diese Cloud herunterladen lassen und so für jeden Anwender einfach zugänglich sind. Die Maschinenbauverbände in Taiwan helfen daher ihren Mitgliedern dabei, sich untereinander zu vernetzen. Und sie unterstützen ihre Mitglieder auch, Digitalisierungsprojekte voranzutreiben.

Fair Friend Group Feeler smart manufacturing
Die Fair Friend Group - hier bei der Tochterfirma Feeler - betriebt verschiedenste Test-Zellen zum Thema smarte Produktion. - Bild: Nördinger

Wie der Handelskrieg zwischen China und USA Taiwans Maschinenbauer beeinflusst

Trumps Handelskrieg mit China hat auch für Taiwans Maschinenbauer Konsequenzen. So sind die Exporte taiwanesischer Maschinenbauer nach China bereits zurückgegangen. "Viele Firmen haben ihre Investitionsvorhaben in China gestoppt", berichtet  Ko. Und deshalb seien auch die Bestellungen aus China für unsere Maschinen zurückgegangen.

Ko sieht das Ganze aber positiv. China werde in Zukunft nicht mehr der größte Produktionsstandort weltweit sein. Stattdessen bauen nun viele Unternehmen ihre Fabriken in Mexiko oder Indien. Und es gebe Produktionen, die nun von China wieder nach Taiwan zurückverlegt werden.

Samuel Hsieh von der 'Taiwan Machine Tool and Accesory Builder Association' sieht den Handelsstreit sogar positiv: "Schon in den vergangenen Jahren haben unsere Mitglieder schon smarte Produkte und Maschinen entwickelt und nun sei der Bedarf dafür weltweit gestiegen." Und wenn China in Zukunft nicht mehr der größte Produktionsstandort weltweit sei, dann sei das eine große Chance für Taiwan. Denn man könne zum einen vermehrt Länder wie Malaysia oder Indonesien und Indien beliefern. Und zum anderen könne man smarte Maschinen zu einem höheren Preis verkaufen.

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