Mehrere Softwarebausteine vor einem blauen Hintergrund

Noch immer nutzen viele KMU manuelle Prozesse, Excel-Listen oder alte Stand-Alone-Lösungen. Doch der Druck zu mehr Flexibilität und datengetriebenen Geschäftsmodellen wächst. Diese Software-Systeme sollten Unternehmen deshalb auf dem Schirm haben – vor allem aus der Cloud. (Bild: AndSus - stock.adobe.com)

Die Cloud hat mit Software-as-a-Service-Konzepten die Ausgangssituation für die Unternehmen stark verändert. Sie müssen sie sich jetzt nicht mehr mit riesigen Anfangsinvestitionen in eigene Server und Lizenzen an ein oft starres System binden. Stattdessen wird nach tatsächlicher Nutzung gezahlt und diejenigen Komponenten granularer ausgewählt, die tatsächlich benötigt werden. Damit ist das auch Skalieren nach oben oder unten, je nach Geschäftslage, deutlich einfacher.

„Moderne Cloud-Lösungen ermöglichen einen vergleichsweise schnellen und einfachen Einstieg bei ERP, MES oder PLM. Mieten statt kaufen ist in allen Bereichen der Unternehmenssoftware das Gebot der Stunde“, bestätigt Dr. Frank Termer, Bereichsleiter Software beim Digitalverband Bitkom. „Softwaresysteme werden derzeit so umgebaut, dass sie modular strukturiert sind und somit aus Anwendersicht auch nur einzelne Funktionalitäten bezogen werden können“, sagt Termer.

Damit gehe auch die Umstellung der Abrechnungsmodelle einher. „As-a-Service“-Modelle stellen demnach flexible Möglichkeiten der Software-Nutzung bereit und bringen mehr Flexibilität. „Mittels Microservices lässt sich dynamisch auf sich ändernde geschäftliche Anforderungen reagieren“, erklärt der Bitkom-Experte.

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Frau hält ein Tablet in der Hand und wählt auf dem Display Beiträge aus, die außerhalb des Tablets virtuell angezeigt werden
(Bild: mi connect)

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Die Software-Spielregeln haben sich massiv verändert

Der Trend geht dahin, dass die Unternehmenslösungen in der Cloud stärker verschmelzen. Gleichzeitig sind immer mehr unterliegende Cloud-Plattformen (Microsoft Azure, AWS, Google Cloud Platform) am Start, auf denen sich die Einzelsysteme besser integrieren lassen. Es gibt Unmengen an hinzu buchbaren Standard-Services, mit denen sich individuelle Herausforderungen einfach lösen lassen.

Das gilt gerade für neue Themen wie Künstliche Intelligenz, wo kognitive Services zum Beispiel helfen können, mittels Bilderkennung Sortierprobleme zu lösen oder die Zutrittskontrolle in sensiblen Bereichen zu sichern. Denn generell hat sich noch etwas verändert: Während Anpassungen und Individual-Lösungen früher oft äußerst teuer und aufwendig waren, sorgen neue Entwicklungsplattformen dafür, dass sehr viel einfacher eigene Apps entwickelt und manuelle Prozesslücken geschlossen werden können.

Das Prinzip dahinter heißt LowCode/NoCode. Damit können auch Nicht-Programmierer aus Fachabteilungen zum Beispiel eine Smartphone-App erstellen, mit der das Instandhaltungsteam Probleme standardisiert dokumentiert.

Karsten Sontow, Vorstand der Trovarit AG
(Bild: Trovarit AG)

ERP-Systeme decken die Planung und Steuerung sämtlicher Unternehmens-Ressourcen, insbesondere Material, Waren, Maschinen und Werkzeuge, Personal und Finanzmittel ab“, sagt Karsten Sontow, Vorstand der Trovarit AG.

ERP-Systeme weiter im Zentrum

Noch immer bildet das ERP-System mit Bereichen wie Warenwirtschaft, Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung, Banking, Personalwesen, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Auftragsverwaltung, aber auch Materialwirtschaft und Produktionssteuerung den Mittelpunkt der Geschäfts-IT. „ERP-Systeme stehen heute in der betrieblichen Praxis für die Digitalisierung der Auftragsabwicklung – mindestens vom Angebot bis zur Faktura, oft jedoch sogar früher beginnend von der Verkaufs-Chance bis in den After Sales Service“, erklärt Dr. Karsten Sontow, Vorstand der Trovarit AG, die regelmäßig mit der ERP-Zufriedenheitsstudie Anwenderunternehmen befragt. Die meisten Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern setzen Sontow zufolge bereits auf ERP-Systeme.

Frank Termer, Bereichsleiter Software beim Digitalverband Bitkom
(Bild: Digitalverband Bitkom)

Cloud-Plattformen vereinen heutzutage Angebote, für die in der Vergangenheit mehrere Systeme benötigt wurden“, Frank Termer, Bereichsleiter Software beim Digitalverband Bitkom.

Meist sind ERP-Module untereinander gut vernetzt

Kleinere Unternehmen haben oft schlankere ERP-Lösungen mit Kernfunktionalität. Die meisten ERP-Komponenten gibt es natürlich auch Stand-Alone. Hier stellt sich allerdings die Frage nach einer sinnvollen Vernetzung, wenn das Unternehmen wächst. Viele ERP-Anbieter haben ein modulares Angebot, aus dem die individuell benötigten Bausteine gewählt und bei Bedarf ergänzt werden.

In der Regel sind alle Module untereinander gut vernetzt, sodass keine Schnittstellen mehr nötig sind. Bei erfahrenen Anbietern gehört eine erprobte Verfahrensweise für die Einführung dazu, damit das Alltagsgeschäft so wenig wie möglich beeinträchtigt wird. Wichtig bei einer Auswahlentscheidung: Wie rasch lassen sich individuelle Prozesse abbilden und wie agil ist das System, wenn neue digitale Geschäftsmodelle oder Services hinzukommen sollen? Natürlich sollten auch die mobile Nutzung und eine intuitive, einfache Bedienbarkeit nach modernen Standards gegeben sein.

CRM: Kunden im Fokus

Das ERP-System ist laut Karsten Sontow auch dafür zuständig, die zentralen Prozesse mit anderen Lösungen wie PLM/PDM, MES oder CRM miteinander gemäß der jeweiligen Geschäftslogik – beispielsweise Einzel-, Kleinserien- oder Serienfertigung, Prozessfertigung oder Projektdienstleister – zu verzahnen.

Im Umfeld der produzierenden Unternehmen spielt das Kundenbeziehungsmanagement nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle: Bei den Zulieferern in der Automobilindustrie zum Beispiel gibt es nur wenige Zielkunden, die in der Regel die zu nutzenden Systemschnittstellen vorgeben.

Nur dort, wo eine Vielzahl von Kunden mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen bedient wird, lohnt sich ein dediziertes CRM. Die ERP-Anbieter, die oft sehr branchenspezifisch aufgestellt sind, decken in ihren Systemen mittlerweile meist die grundlegende Funktionalität rund um das Kundenmanagement ab.

Manufacturing Execution System: Transparenz in der Produktion

Ganz ähnlich verhält es sich bei den MES-Systemen, die Themenbereiche wie Betriebs- und Maschinendatenerfassung oder Zutrittskontrolle abdecken. Ein eigenständiges MES ist insbesondere in hochkomplexen Produktionsumgebungen sinnvoll. Oft decken ERP-Systeme jedoch zunehmend die Kernfunktionaliät für die transparente Überwachung des Umlaufbestands während der Fertigung ab.

Die Idee: Alle fertigungsrelevanten Informationen werden in Echtzeit verwaltet, dazu zählen Maschinen, Robotik, Transport- und Logistiksysteme ebenso wie die Mitarbeitenden in der Fabrik. Durch die Digitalisierung dieser Informationen, Assets und Akteure entsteht ein wichtiger Hebel, um Durchlaufzeiten zu verringern, Aufträge dynamisch umzuplanen und die Gesamtproduktivität zu erhöhen. Immer dann, wenn sich Engpässe oder Probleme abzeichnen, werden die Produktionsverantwortlichen durch Alerts informiert, um ein rechtzeitiges Gegensteuern zu ermöglichen. Auch die Qualitätskontrolle ist ein wesentlicher Aspekt von MES-Lösungen.

Product Lifecycle Management (PLM) für F&E

Systeme für PLM oder Product Data Management (PDM) digitalisieren die Produktentwicklung, umfassen Konstruktion (CAD) und Berechnung (CAE). Zunehmend werden hier auch Herstellungsaspekte – designed for production – und After-Sales-Themen eingebunden, die den gesamten Lebenszyklus des Produkts umfassen: Stichwort Rückrufaktion. Wenn das Thema Digitaler Produktpass für die Kreislaufwirtschaft in einigen Jahren kommt, werden Unternehmen eine ganze Reihe von Lebenszyklusdaten vorhalten müssen.

Auch andere Nachhaltigkeitsthemen könnten dafür sorgen, dass ohne die passenden Daten der Marktzugang erschwert wird. Alle Technologien erfordern eine Lernkurve – deshalb ist es sinnvoll, rechtzeitig mit der Umstellung zu beginnen. Teilweise streiten sich die Systemanbieter hier schon um die Führungsrolle: ERP oder PLM als datentragende Instanz für die Produktdaten? Das müssen Unternehmen je nach den eigenen Schwerpunkten entscheiden.

Software für Instandhalter

Bisher setzen Instandhaltungsteams im Unternehmen und Wartungsdienstleister oft noch auf Papier-basierte Prozesse. EAM (Enterprise Asset Management) und mobile Lösungen können jedoch erheblich zur Optimierung beitragen. Die Fähigkeit, Ausfälle und Verschleiß vorherzusagen, krempelt die Branche zunehmend um. Statt fest definierter Wartungs-Schedules werden Einsätze deutlich flexibler. Hier gilt es, Informationen zu Ausfällen besser zu dokumentieren, um damit intelligente Algorithmen für die Smart Maintenance zu füttern. Die bessere Einsatzplanung der Techniker führt zu geringeren Kosten, optimierter Auslastung und mehr Nachhaltigkeit.

Auch Remote-Wartung ist auf dem Vormarsch: Dazu tragen bessere IT-Security-Ansätze bei, aber auch Technologien wie Virtual Reality. Über VR-Brillen können auch Mitarbeiter mit weniger Know-how von Spezialisten angeleitet werden, die über die Brille „mitschauen“ können.

Datenanalytik wird treibende Kraft: BI, Big Data Analytics und KI

Vor allem eines hat sich massiv verändert: Die Bedeutung der Daten ist sprunghaft gestiegen. Gerade alte ERP-Systeme bieten nur rudimentäre und starre Reporting-Funktionen. Sie reichen bei der zunehmenden Dynamik der Märkte heute nicht mehr aus. Einige Anbieter haben deshalb Open-Source-BI-Lösungen integriert. Sie ermöglichen es auch Fachanwendern, selbst bis auf Belegebene Zusammenhänge zu analysieren.

Bevor intelligente Anwendungen Daten nach Mustern oder Anomalien durchforsten können, bleibt das Thema jedoch stark mit den Bemühungen um eine gute Datenkultur im Unternehmen verbunden. Zwar ist schon seit Jahr und Tag davon die Rede, Stammdaten aufzuräumen und Transparenz mit einer sogenannten „Single Source of Truth“ (verbindliche Quelle der Wahrheit) zu schaffen.

Vorausschauende Analyse-Tools brauchen Datenqualität

In der Praxis gibt es hier jedoch erheblichen Nachholbedarf. Das gilt vor allem dort, wo vorausschauende Analyse-Tools dabei helfen sollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen: Die Analytik ist am Ende doch immer nur so gut, wie es die Datenqualität zulässt. Die eigenen Daten zu kategorisieren ist auch deshalb wichtig, um sie abteilungsübergreifend nutzen zu können und Datenmüll zu vermeiden, der nicht nur bei Cloud-Szenarien zusätzlich Geld und Strom kostet.

Die Fähigkeit zur Vorhersage wird für den Geschäftserfolg immer wichtiger. Erste Unternehmen nutzen diese Software-Tools bereits, um proaktiv Materialien und Rohstoffe für Produkte einzukaufen, die noch nicht bestellt sind. Die Disruption der Lieferketten macht es nötig, möglichst exakt einzuschätzen, was die Kunden perspektivisch ordern werden. Wer hier digital gut aufgestellt ist, erarbeitet sich also echte Vorteile.

bearbeitet von Dietmar Poll

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