Ein Knoten in einem Seil in den Landesfarben von Deutschland und Frankreich. Der Untergrund ist eine Europaflagge.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit soll auch künftig bestehen. - Bild: Adobe Stock/bluedesign

| von Anja Ringel

Digitale Transformation, Klimakrise, Covid-19: All diese Dinge enden nicht an einer Landesgrenze, sondern betreffen alle. Genau deshalb ist die deutsch-französische Freundschaft und Zusammenarbeit besonders in der derzeitigen Krise. Das ist der Tenor am sechsten deutsch-französischen Wirtschaftstag, der am heutigen Dienstag (27.10.) virtuell stattfinden musste.

„Unsere Zusammenarbeit war schon lange nicht mehr so gut, wie in den vergangenen drei Jahren“, sagte dann auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Es habe sich eine Zusammenarbeit entwickelt, die ihresgleichen sucht. Wirtschaftlich erinnerte er dabei an die deutsch-französische Initiative zu Airbus. Ohne die hätte der Konzern in der Luftfahrt keine so große Rolle gespielt, erklärte Altmaier. Er und andere Experten erinnerten außerdem an das Projekt „Airbus der Batterien“.

Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Pilotfertigung von Deutschland und Frankreich, die im Januar auf den Weg gebracht wurde. „Es ist seit der Schaffung von Airbus das erste Mal, dass wir eine industrielle Produktion dieser Größenordnung aufbauen“, sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire bei der Vorstellung.

Nicht zur Werkbank Asiens werden

Diese Zusammenarbeit soll auch in der Coronakrise fortgesetzt werden. „Gemeinsam müssen wir uns für gute europäische Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften einsetzen und Anreize für Investitionen in Zukunftstechnologien schaffen“, sagte Altmaier. Es gelte, Europas Volkswirtschaften langfristig widerstandsfähiger zu machen.

Eine Herausforderung ist dabei die Globalisierung. Dort habe man es mit neuen Playern zu tun, so der Wirtschaftsminister. Es gehe nun in Europa darum, selbst zu gestalten und nicht zur verlängerten Werkbank asiatischer Länder zu werden. Deshalb werden intelligente Lösungen von Unternehmen gebraucht, erklärte er. Der entscheidende Punkt sei es nun zu handeln. Er habe großes Vertrauen in die deutsche und französische Industrie, sagte der Minister weiter. Es gebe vor allem im Mittelstand viele Hidden Champions.

Den Blick trotz aktueller Krise in die Zukunft zu richten, war auch das Anliegen von Guy Maugis, Präsident der Außenhandelskammer Frankreich. „Unsere Unternehmen werden europäische Unternehmen der Zukunft werden“, sagte er. Und er erklärte: Es sei entscheidend, keinen Wettbewerb untereinander zu haben, sondern sich gegenseitig – wie bei Airbus – zu stützen. Die europäischen Länder seien einzeln zu klein, um gegen Giganten wie China dagegenhalten zu können. Deshalb sei eine Zusammenarbeit so wichtig. Und: Die Wirtschaft auf beiden Seiten des Rheins sei so gut aufgestellt wie selten zuvor.

Zukunftstechnologien: Der unbedingte Wille fehlt

Eines der wichtigsten Themen, um weiterhin wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist die Digitalisierung. Europa sei in den vergangenen Jahren Technologieführer gewesen und müsse das auch wieder werden, sagte Prof. Dr. Sabina Jeschke, Vorständin Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn. Und das gehe nur über Digitalisierung und hochinnovative Produkte. Themen wie die Corona-Pandemie, aber auch die Klimakrise könnten nur technologisch gelöst werden.

Was in Deutschland und Frankreich noch fehle, um – zum Beispiel beim Künstlicher Intelligenz – weiter voran zu kommen, sei der unbedingte Wille, in den neuen Technologien wieder Marktführer zu werden. Die Rahmenbedingungen wie herausragende Schulen seien vorhanden, so Jeschke.

 

Als Erfolgsfaktor in Europa sieht sie, dass die Unternehmen bereit sind, Daten zu teilen. Die fehlende Geschwindigkeit bei der Transformation sei dagegen das größte Risiko.

„Wir brauchen jetzt eine Reihe von großen Durchbrüchen in den Bereichen der neuen Technologien“, sagte auch Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Chef der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Dafür brauch es aber auch einen fruchtbaren Untergrund, auf dem neue Unternehmen wachsen können.

Die Unternehmen sind auch ein wichtiges Anliegen der französischen Botschafterin in Deutschland, Anne-Marie Descôtes. Die Frage sei nun, „wie können wir es hinbekommen, dass all diese Dinge, auch be den Unternehmen ankommen“, sagte sie. Europa müsse effizient sein, um Ergebnisse zu bekommen.

Deutsch-Französische Allianz wirkt sich auch auf Europa aus

Der politische Wille und die Entschlossenheit, zusammenzuarbeiten, sei da. Die Botschafterin betonte aber auch: Schnell zu reagieren sei gut, ein zu schnelles Handeln von Staaten zu verlangen, dagegen nicht. Denn: die Krise sei noch nicht vorbei. „Wir sind noch nicht in einer Erholungsphase“, sagte Descôtes.

Nichtsdestotrotz ist Dr. Ulrich Störk, Sprecher der Geschäftsführung bei PWC Deutschland, überzeugt: Die aktuelle Krise werde im Nachgang als unternehmerischste Phase betrachtet werden. „Gemeinsam sind wir stärker, deshalb müssen wir die freundschaftlichen Bande zwischen Deutschland und Frankreich noch enger zu schnüren“, sagte er. Denn eine starke deutsch-französische Allianz werde auch auf gesamteuropäischer Ebene ihre Wirkung entfalten. Sein Wunsch: „Nutzen wir diese Krise als Chance.“

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