Branchenreport: Warum die Baumaschinenhersteller auf Erfolgskurs sind

Baumaschinenhersteller erzielen derzeit Rekordumsätze. Getragen wird das Wachstum von der Hochkonjunktur im Baugewerbe und schärferen Emmissionsvorschriften in vielen europäischen Ländern.

Zum Abschluss ließen die Aussteller noch mal die Puppen tanzen. Doch statt in Tütü und Spitzenschühchen kamen die Ballerinas mit Raupenantrieb und meterhohen Heavy-Duty-Reifen daher. Als Baumaschinenhersteller wie Volvo, Mecalac und Bobcat am letzten Tag der Fachmesse Bauma 2019 ihre Bagger, Radlader und Kipper zum Ballet der Baumaschinen antreten ließen, hatten sie allen Grund, zu feiern.

Erfolgreichste Bauma aller Zeiten

Nie zuvor haben ihre Kunden auf dem siebentägigen Branchentreffen so viel bestellt wie in diesem Jahr. Allein die Kransparte von Liebherr schrieb an jedem Messetag über 20 neue Aufträge in ihre Bücher. „Aus unserer Sicht war es die erfolgreichste Bauma aller Zeiten“, freut sich auch Frank Reschke, Geschäftsführer des mittelständischen Herstellers von Anlagen für die Produktion von Beton- und Bordsteinen, Masa.

Was sind Baumaschinenhersteller?

Ein Hersteller von Baumaschinen stellt große Fahrzeuge und Maschinen her, die auf vielfältige Weise auf Baustellen zum Einsatz kommen. Zu den produzierten Gütern gehören unter anderem Bagger, Tieflader, Drehbohrgeräte, Betonmischer und Kräne. Die größten Baumaschinenhersteller sind Volvo Construction Equipment, Komatsu und der US-Hersteller Caterpillar.

Mit Baumaschinen lassen sich Rekordumsätze erzielen

Hersteller von Baumaschinen surfen jedoch nicht erst seit der Bauma im April auf der Erfolgswelle. Branchenprimus Caterpillar steigerte seinen Umsatz 2018 um sechs Prozent auf 2,85 Milliarden US-Dollar. Liebherr, größter deutscher Vertreter der Branche, setzte mit Kränen, Baggern, Bohranlagen, Tiefbau- und Betontechnik gut 6,8 Milliarden Euro um – fast elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit insgesamt 10,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der Mischkonzern mit 46.000 Mitarbeitern den größten Umsatz seiner Firmengeschichte. Auch Wacker Neuson legte zu. Der Mittelständler setzte 2018 mit Rüttelplatten, Walzen, Stampfern, Abbruchhämmern und Betonsägen 1,7 Milliarden Euro um. Das waren elf Prozent als im Vorjahr. Bomag, mittelständischer Hersteller von Walzen, Rüttlern und Fräsen für den Straßenbau, erlöste 2018 gut 830 Millionen Euro - ebenfalls ein Rekordergebnis.

So stark stieg der Absatz von Asphaltiermaschinen an

Insgesamt verkauften Baumaschinenhersteller im vergangenen Jahr in Europa elf Prozent mehr Geräte und Fahrzeuge als 2017, meldet der europäische Branchenverband, Committee for European Construction Equipment (CECE). Der Umsatz mit Kränen stieg um 15 Prozent, der mit Betonmischern um 18 Prozent. Der Markt für Asphaltiermaschinen wuchs sogar um 43 Prozent.

Der Boom hält zwar noch an, könnte in Folge der schwächelnden Weltkonjunktur aber bis Jahresende nachlassen. „Doch selbst wenn die Erlöse stagnieren oder im niedrigen einstelligen Prozentbereich sinken, wäre 2019 für die Branche noch immer ein gutes Jahr“, urteilt CECE-Volkswirt Sebastian Popp. Vergleichswert seien schließlich die Rekordumsätze der vergangenen Monate.

Trucks dieser Größe kommen oft in großen Minen beziehungsweise im Tagebau zum Einsatz. – Bild: Volvo Construction Equipment
Trucks dieser Größe kommen oft in großen Minen beziehungsweise im Tagebau zum Einsatz. – Bild: Volvo Construction Equipment

Baumaschinen: Wie sich der Weltmarkt entwickelt

Langfristig müssen sich Baumaschinenhersteller ohnehin keine Sorgen machen. Einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Zion Research zufolge wächst der weltweite Markt für Bauausrüstung bis 2025 jedes Jahr um 6,9 Prozent auf dann 231 Milliarden Dollar.

Derzeit ist die gewaltige Nachfrage vor allem Ergebnis der Hochkonjunktur im Baugewerbe. Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) berichtet, legte deren Umsatz von Januar bis März preisbereinigt um 7,9 Prozent zu. Am Quartalsende standen Aufträge über 53 Milliarden Euro in den Büchern - 8,6 Prozent mehr als Ende März 2017.

Auch für den weiteren Jahresverlauf ist der HDB optimistisch. „Das Baujahr 2019 wird besser als erwartet. Deshalb haben wir unsere Prognose für das nominale Wachstum der baugewerblichen Umsätze von sechs Prozent auf 8,5 Prozent angehoben“, erklärt Verbandspräsident Peter Hübner.

Immer mehr Staaten schützen Bürger vor Lärm und Feinstaub 

Neben den Bauunternehmen bescheren in vielen europäischen Staaten verschärfte Umweltgesetze den Herstellern von Baumaschinen neue Aufträge. „In vielen Städten und Ländern werden die Emmissionsvorschriften für Feinstaub, Stickoxide und Lärm verschärft“, erklärt Andreas Tschiesner, Seniorpartner bei der Unternehmensberatung McKinsey. Immer mehr Kommunen fordern in Ausschreibungen zudem, dass Bauunternehmer Maschinen einsetzen, die möglichst wenig Kohlendioxid ausstoßen.

Wacker Neuson bietet daher inzwischen für alle Arbeiten auf kleinen und mittelgroßen Baustellen batteriegetriebene Rüttler, Stampfer, Bagger und Radlader an. Volvo fertigt Radlader und Bagger mit Elektroantrieb ab 2020 in Serie.

Das sind die 10 größten deutschen Rüstungsunternehmen

Politiker wie Putin, Trump & Co lassen mit ihren Drohgebärden das Bedürfnis der Staaten nach Selbstschutz weltweit ansteigen. Auch der Rüstungsindustrie in Deutschland beschert das volle Auftragsbücher. Diese zehn Unternehmen zählen zu den größten deutschen Waffenschmieden. Klicken Sie sich durch!

Warum die Baumaschinen nun auch Elektroantriebe bekommen

„Bei ganz großen Maschinen gibt es derzeit allerdings kaum Elektrifizierungspotenzial“, räumt Tschiesner ein. Dennoch könnten Baumaschinenhersteller einer Studie von McKinsey zufolge mehr als 14 Milliarden Euro zusätzlich umsetzen, wenn ihre Kunden nur jede fünfte Maschine durch ein Gerät mit Akku ersetzen würden.

Die emissionsfreien Maschinen kosten zwar bis zu 90 Prozent mehr als Rüttler, Stampfer oder Minibagger mit Dieselmotor. Dafür sinkt der Aufwand für Treibstoff und Wartung um bis zu zwei Drittel.

Vernetzte Geräte steigern Produktivität des Maschinenparks

Solche Sparpotenziale sind für Bauunternehmen ein ebenso wichtiger Grund, neue Maschinen anzuschaffen, wie deren zunehmende Digitalisierung. Denn die Betriebe können mit Sensoren ausgestattete und mit Rechnern in ihren Büros vernetzte Radlader oder Kipper produktiver nutzen.

Die smarten Maschinen zeigen auf Dashboards an, wie viele Betriebsstunden sie geleistet haben und wann sie gewartet werden wollen. So lassen sich Reparaturen besser planen und Ausfallzeiten minimieren. Außerdem wissen Maschinenführer jederzeit, wo sich ein Gerät gerade befindet. Auf Großbaustellen ist das nicht immer klar.

Wissen, was die Industrie bewegt!

Alles zu Industrie 4.0, Smart Manufacturing und die ganze Welt der Technik.

Newsletter gratis bestellen!

Vier von zehn Baumaschinenherstellern steigern Investitionen

Die Weiterentwicklung ihrer Produkte und die gewaltige Nachfrage danach zwingt Baumaschinenhersteller, ihre Werke und Anlagen zu erweitern oder zu modernisieren. Laut dem „Bauma-Branchenbarometer“ steigern 44 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen künftig deutlich.

„Die überdurchschnittliche Investitionsbereitschaft ist notwendig, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München. Diese hat für die Studie mehr als 10.000 Vertreter aus der Baumaschinenbranche befragt.

Baumaschinenboom zieht andere Maschinenbauer mit

Vom Boom der Hersteller von Baggern und Kippern profitieren also auch deren Zulieferer aus anderen Sparten des Maschinenbaus. So steigerte Deutz seinen Umsatz mit Diesel- und Elektromotoren für Baumaschinen 2018 um gut 20 Prozent auf fast 1,5 Milliarden Euro. Am Jahresende standen Aufträge über 1,6 Milliarden Euro in den Büchern des Kölner Mittelständlers. Das waren 27 Prozent mehr Bestellungen als zum Schluss des Vorjahres.

Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Anfang Juni schloss Deutz ein Joint Venture mit dem neuntgrößten Baumaschinenhersteller der Welt, Sany. Bis 2022 stellen die Kölner 75.000 Motoren für den chinesischen Konzern her. Bei solchen Aussichten haben nicht nur Baumaschinenhersteller allen Grund, zu tanzen. 

Bauma 2019: Die Trends auf der Baumaschinenmesse

Angesichts des anhaltenden Baubooms rechnet die Baumaschinen-Branche weiter mit stabilem Wachstum. Viele der Player beschäftigen sich zunehmend mit IT-Themen, denn smarte Baumaschinen sind angesichts von Industrie 4.0 im Trend. Auch Elektromobilität liegt in der Baumaschinenindustrie voll im Trend.

Das war auch auf der Bauma 2019, der größten Baumaschinenmesse der Welt zu beobachten. Die Aussteller der Bauma 2019 präsentierten dem Weltpublikum zahllose Innovationen und Produktneuheiten.

Zeppelin/Caterpillar etwa zeigten mehr als 20 Weltpremieren. Entsprechend gut liefen die Geschäfte. Zahlreiche Aussteller berichteten von hoher Investitionsbereitschaft. Die Rekord-Bauma schlug sich auch in den Auftragsbüchern nieder, wo Aussteller die höchsten Umsätze in der Geschichte ihrer Messeteilnahme verbuchen konnten.

Caterpillar ist, was den Umsatz betrifft, der größte Baumaschinenhersteller der Welt. Das Unternehmen stammt aus den USA. – Bild: Caterpillar
Caterpillar ist, was den Umsatz betrifft, der größte Baumaschinenhersteller der Welt. Das Unternehmen stammt aus den USA. – Bild: Caterpillar

620.000 Besucher kamen zur Bauma 2019

Mit über 620.000 Besuchern aus mehr als 200 Ländern hat die Bauma 2019, Weltleitmesse für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte, das beste Ergebnis ihrer 65-jährigen Geschichte erzielt, wie die Messeveranstalter mitteilten. Der Aufbau der Messe schon Monate im voraus.

Gegenüber der letzten Veranstaltung im Jahr 2016 stieg die Zahl der Besucher um etwa 40.000. Mehr als 250.000 Besucher kamen aus dem Ausland. Die Top-10-Besucherländer nach Deutschland waren...

  • Österreich
  • Italien
  • die Schweiz
  • Frankreich
  • die Niederlande
  • Russland
  • Schweden
  • Tschechien
  • Polen
  • Großbritannien.

Auffallend starke Zuwächse gab es aus Übersee. Hier legten vor allem China, Australien und Japan deutlich zu. Allein aus China kamen über 5.500 Besucher. Mit rund 3.700 Ausstellern aus 63 Ländern wurde auch auf Ausstellerseite eine neue Bestmarke erreicht. 

Baumaschinen: Giganten aus Stahl auf der Bauma 2019

Baumaschinenhersteller spüren Megatrend Digitalisierung

Die Bauma stand in diesem Jahr ganz im Zeichen von nachhaltigen und digitalen Lösungen. Die Digitalisierung, da waren sich alle Aussteller einig, ist auch in der Baumaschinenindustrie "ein Megatrend", so Andreas Klauser, CEO der Palfinger AG.

Sensoren und Kommunikationsschnittstellen zur Erfassung und Auswertung von Daten sind mittlerweile Standard. Generell werden Maschinen und Fahrzeuge sauberer, leiser und effizienter, viele haben mittlerweile einen Elektro- oder Hybridantrieb.

"Das Interesse der Kunden an elektrifizierten Antrieben war noch nie so groß wie in diesem Jahr und hat die bauma 2019 stark geprägt", erklärte Dr. Frank Hiller, Vorstandsvorsitzender der Deutz AG. Einige der interessantesten Innovationen wurden am Vorabend der Messe mit dem Bauma-Innovation Award ausgezeichnet.

Umsatz-Ranking der größten Baumaschinenhersteller 2014

Acht der führenden Unternehmen verdienen zwischen fünf und acht Milliarden Dollar jährlich, nur zwei der Baumaschinenhersteller erwirtschaften ein Mehrfaches davon. Die Zahlen des Marktforschungsinstituts Statista sind nach Umsätzen aus dem Jahr 2014 geordnet.

  1. Unangefochten auf Platz 1: Caterpillar. Der US-amerikanische Hersteller setzte im Jahr 2014 gut 28,28 Milliarden US-Dollar um.
  2. Mit großem Abstand auf Platz 2: Komatsu. Mehr als elf Milliarden trennen das japanische Unternehmen vom Branchenprimus. Der Umsatz betrug 2014 circa 16,88 Milliarden US-Dollar. Die Baumaschinen von Komatsu kommen beispielsweise im australischen Tagebau zum Einsatz.
  3. Auf Platz 3 landet Volvo Construction Equipment. Bereits seit 1839 lieferte die Vorläuferfirma aus Schweden Produkte für die Landwirtschaft und Industrie. Der Umsatz betrug 7,79 Milliarden US-Dollar.
  4. Mit einem Umsatz von 7,79 Milliarden US-Dollar erreicht die Hitachi Construction Machinery aus Japan im Jahr 2014 den vierten Platz dieses Umsatz-Rankings. Das Spin-Off des Hitachi-Konzerns startete Anfang der Siebziger nach der Produktion des ersten mechanischen Baggers in Japan.
  5. Auf Platz 5 liegt die ehemals von General Motors gegründete Baumaschinenmarke Terex. Der Umsatz des Konzerns, in dem unter anderem die deutschen Unternehmen Schaeff und eine Demag-Sparte aufgegangen sind, betrug 2014 gut 7,31 Milliarden US-Dollar.
  6. Mit Liebherr kommt ein Familienunternehmen mit Sitz in der Schweiz auf den sechsten Platz. Neben Baumaschinen stellt der Konzern auch Kühlkombinationen und Verkehrstechnik her. Der Umsatz betrug im Jahr 2014 rund 7,18 Milliarden US-Dollar.
  7. Den siebten Platz belegt der vor allem für seine Traktoren bekannte Hersteller John Deere. Seinen Umsatz von 6,58 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete das amerikanische Unternehmen mit Motoren, Land- und Baumaschinen.
  8. Das 1989 gegründete Unternehmen XCMG erreichte Platz 8. Der Umsatz der Xuzhou Construction Machinery Group aus China lag 2014 bei 6,15 Milliarden US-Dollar.
  9. Sany kommt auf den neunten Platz. Der Umsatz des Unternehmens aus China, das ebenfalls erst 1989 gegründet wurde, lag im Jahr 2014 bei 5,42 Milliarden US-Dollar. Seine Europazentrale hat der Konzern im Mediapark in Köln.
  10. Platz 10 belegt Doosan Infracore. Im Jahr 1896 als Kaufhaus gegründet, gehört der südkoreanische Mischkonzern zu den größten Unternehmen des Landes und setzte mit Baumaschinen im Jahr 2014 rund  5,41 Milliarden US-Dollar um.

Video: So lief der Aufbau der Bauma 2019

Branchenreport: Gerd Meyring

Rankings/Bauma 2019: Gabriel Pankow