Mehrere Baumaschinen auf Erdhügel vor dramatischem Himmel

Wer Baumaschinen wie diese produzierte konnte in den vergangenen Jahren viel Umsatz machen. Wie viel das bei den stärksten Herstellern war, erfahren Sie im Ranking. - Bild: zhaojiankang - stock.adobe.com

| von Julia Dusold
Aktualisiert am: 15. Feb. 2021

Dieser Artikel gewährt Ihnen umfassende Einblicke in die Baumaschinenbranche. Falls Sie sich lediglich für einen speziellen Aspekt interessieren, gelangen Sie hier zu den einzelnen Abschnitten:

Seit 2016 kannte die Bauindustrie und die Baumaschinen-Branche weltweit nur noch eines: Wachstum. Dann kommt die Coronakrise. Baustellen werden vereinzelt stillgelegt oder die Arbeit läuft nur noch unter Einschränkungen ab, Fachkräfte können aufgrund von Grenzschließungen nicht einreisen und Materiallieferungen bleiben wegen stockender Lieferketten aus.

Doch die deutsche Bauindustrie insgesamt bleibt optimistisch. Sie profitieren noch von Auftragsbeständen aus der Vergangenheit, diese wurden bisher nur selten storniert, sondern wo notwendig lediglich verschoben. "Wir haben die Herausforderungen durch die Coronakrise gut gemeistert. Während die gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung in den ersten drei Quartalen preisbereinigt um 5,8 Prozent zurückging, legte sie im Baugewerbe real um 2,0 Prozent zu." Dieses Fazit für das Corona-Jahr 2020 zogen die beiden Präsidenten des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie und des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Peter Hübner und Reinhard Quast, anlässlich der Jahrespressekonferenz der beiden Bauspitzenverbände.

Die deutschen Baumaschinenhersteller bleiben ebenfalls zuversichtlich, auch wenn die Zahlen deutlich dramatischer aussehen: Allein bis Mai 2020 ging der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent zurück, weshalb der VDMA Fachverband Baumaschinen und Baustoffanlagen von einem Umsatzrückgang von 10 bis 30 Prozent für das Jahr 2020 ausgeht.

Was sind Baumaschinenhersteller?

Ein Hersteller von Baumaschinen stellt große Fahrzeuge und Maschinen her, die auf vielfältige Weise auf Baustellen zum Einsatz kommen. Zu den produzierten Gütern gehören unter anderem Bagger, Tieflader, Drehbohrgeräte, Betonmischer und Kräne. Die größten Baumaschinenhersteller sind Volvo Construction Equipment, Komatsu und der US-Hersteller Caterpillar.

Auf dem Weltmarkt wird es nur unwesentlich anders aussehen. Bis Mai 2020 wurde bereits ein Minus von 15 Prozent registriert, für das Gesamtjahr rechnet der VDMA mit einer weiteren Verschlechterung; in Europa vermutlich mit circa minus 25 Prozent.

Der Maschinenabsatz selbst sank weniger stark. Bis Mai 2020 verkauften deutsche Baumaschinenhersteller acht Prozent weniger Maschinen. Die Hersteller lebten also von ihrem Auftragsbestand und von Abverkäufen. Dieser Rückgang ist laut Einschätzungen des VDMA lediglich etwas geringer als der ohnehin zyklisch erwartete konjunkturelle Abschwung nach dem extremen Boom der vergangenen Jahre.

Wie stark die Baumaschinenbranche vor der Coronakrise war, zeigt eine Datenerhebung der KHL Group, die jährlich die 'International Construction Yellow Table' veröffentlicht, in der die 50 umsatzstärksten Baumaschinenhersteller weltweit gelistet werden. Allein diese 50 Unternehmen machten im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 203 Milliarden US-Dollar Umsatz, was eine Steigerung von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist. In den Jahren zuvor betrugen die Steigerungen übrigens 13,5 Prozent (2018) und 25,5 Prozent (2017).

Unsere Bildergalerie zeigt Ihnen die Unternehmen, die es in die Top 10 geschafft haben - mit den jeweiligen Umsätzen aus 2019 sowie dem Marktanteil des jeweiligen Unternehmens am Weltmarkt:

Kurz vorgestellt: Das sind die Baumaschinenhersteller des Rankings

Sechs der weltweit größten Hersteller von Baumaschinen stammen aus Asien, drei davon aus China. Die Xuzhou Construction Machinery Group, kurz: XCMG (Platz 4), ist Chinas stärkster Player im Baumaschinen-Geschäft. Die Gruppe produziert nicht nur eigene Baumaschinen, sondern auch einige Modelle für andere Hersteller, beispielsweise Caterpillar oder Liebherr.

Was Umsatz und Marktanteil angeht, liegt Sany (Platz 5) nur knapp hinter XCMG. Der Konzern produziert neben verschiedensten Baumaschinen auch Windkraftanlagen. Haupt-Eigentümer Liang Wengen gehört zu den 100 reichsten Chinesen (Platz 51 im Forbes Ranking der reichsten Menschen Chinas 2020).

Zoomlion (Platz 10) ist das dritte chinesische Unternehmen, das es in die Top 10 geschafft hat. Ungefähr 19.000 Menschen sind für den Baumaschinenhersteller tätig, gefertigt werden Baumaschinen und andere Nutzfahrzeuge für Landwirtschaft oder Feuerwehren. Laut Angaben des Unternehmens produzierte Zoomlion 2020 den weltweit ersten rein elektrisch betriebenen Autokran.

Der größte japanische Baumaschinenhersteller ist Komatsu (Platz 2). Die Gruppe beschäftigt fast 63.000 Mitarbeitende, umfasst 185 Unternehmen und betreibt weltweit 25 Fabriken. Das Produkt-Portfolio umfasst hauptsächlich Bau- und Bergbaumaschinen sowie Komponenten und Zubehör dafür. Es werden aber auch Gabelstapler, Industrieroboter und Werkzeugmaschinen produziert.

Der zweite Baumaschinenhersteller aus Japan ist Hitachi Construction Machinery (Platz 7), eine Tochtergesellschaft des Mischkonzerns Hitachi, welcher übrigens zu den 20 umsatzstärksten Tech-Unternehmen der Welt gehört. Die Geschichte der Baumaschinen bei Hitachi begann 1949 mit dem U05 Schaufelbagger - die erste Baumaschine aus rein japanischer Technologie.

Aus Seoul in Südkorea stammt Doosan Infracore (Platz 9). Auch dieser Hersteller gehört zu einem großen Mischkonzern: Doosan. Dazu gehören unter anderem Doosan Robotics und Doosan Machine Tools. Infracore baut sowohl Baumaschinen als auch Großmotoren.

Zusammengenommen haben die größten Baumaschinenhersteller aus Asien einen Weltmarktanteil von 33,2 Prozent. 21,7 Prozent des Weltmarkts liegen in der Hand der zwei US-amerikanischen Unternehmen im Ranking.

Caterpillar ist, was den Umsatz betrifft, der größte Baumaschinenhersteller der Welt. Das Unternehmen stammt aus den USA. – Bild: Caterpillar
Caterpillar ist, was den Umsatz betrifft, der größte Baumaschinenhersteller der Welt. Das Unternehmen stammt aus den USA. – Bild: Caterpillar

Caterpillar (Platz 1) oder kurz CAT ist der größte Baumaschinenhersteller der Welt und belegt Platz 62 auf der Fortune 500 Liste. Entstanden ist das Unternehmen 1925 in Peoria, Illinois; seit 2017 ist der Hauptsitz in Deerfield, Illinois. Neben Bau- und Bergbaumaschinen werden Diesel- und Erdgasmotoren, Industriegasturbinen sowie dieselelektrische Lokomotiven gebaut.

Der zweite Baumaschinen-Gigant der USA ist John Deere (Platz 3). Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz ebenfalls im Bundesstaat Illinois und ist vor allem in der Landtechnik stark, die Marke 'Deere' konzentriert sich aber auf Baumaschinen und Motoren. Begonnen hat alles im Übrigen mit einem von Gründer John Deer entwickelten Stahlpflug im Jahr 1837. Damit ist das Unternehmen das zweitälteste des Rankings.

Einen vergleichsweise geringen Marktanteil haben die beiden europäischen Baumaschinenhersteller im Ranking: Sie bringen es gemeinsam auf 8,8 Prozent.

Das schwedische Unternehmen Volvo Construction Equipment (Platz 6), kurz Volvo CE, ist teil der Volvo Gruppe, dem großen schwedischen Nutzfahrzeughersteller, der nicht mit dem gleichnamigen Automobilhersteller verwechselt werden sollte. Volvo CE ist der älteste Baumaschinenhersteller unter denen im Ranking, denn die Gründung erfolgte bereits im Jahr 1832.

Der Baumaschinenhersteller, der insbesondere hierzulande die Baustellen mit seinen Maschinen prägt, ist Liebherr (Platz 8). Die Geschichte des Unternehmens begann mit der Erfindung des Turmdrehkrans; Erfinder Hans Liebherr machte die Baufirma seiner Eltern aus Süddeutschland zu einem Baumaschinenhersteller. Bis heute wird die Firmengruppe, die mittlerweile auch in vielen anderen Branchen aktiv ist, von der Familie Liebherr geführt. Der Hauptsitz der Dachgesellschaft ist allerdings nicht mehr in Deutschland, sondern in Bulle in der Schweiz. Die meisten Tochterunternehmen sind hingegen in Deutschland angesiedelt. Das Baumaschinenprogramm umfasst Turmdrehkrane jeglicher Bauart, Bagger, Lader und Kipper für die Erdbewegung sowie Maschine und Anlagen für Betontechnik und Spezialtiefbau.

Trucks dieser Größe kommen oft in großen Minen beziehungsweise im Tagebau zum Einsatz. – Bild: Volvo Construction Equipment
Trucks dieser Größe kommen oft in großen Minen beziehungsweise im Tagebau zum Einsatz. – Bild: Volvo Construction Equipment

Die Trends der Baumaschinen-Branche: Elektrifizierung und Digitalisierung

Wie die Top 10 der Baumaschinenhersteller in Zukunft aussehen wird, hängt unter anderem davon ab, wie gut die jeweiligen Unternehmen es schaffen, den Bedingungen der Baustellen der Zukunft gerecht zu werden. Vor allem zwei Trends zeichnen sich hier ab, wie auch in vielen anderen Branchen: die Elektrifizierung und die Digitalisierung.

Der Treiber der Elektrifizierung: Baumaschinen müssen sich an verschärfte Umweltgesetze anpassen. "In vielen Städten und Ländern werden die Emmissionsvorschriften für Feinstaub, Stickoxide und Lärm verschärft", erklärt Andreas Tschiesner, Seniorpartner bei der Unternehmensberatung McKinsey. "Immer mehr Kommunen fordern in Ausschreibungen zudem, dass Bauunternehmer Maschinen einsetzen, die möglichst wenig Kohlendioxid ausstoßen."

Elektrifizierung schreitet weiter voran

Bei kleinen Baumaschinen schreitet die Elektrifizierung schnell voran. Beispielsweise präsentierte Wacker Neuson 2020 den vollelektrischen Minibagger EZ17e und baut damit seine Zero-Emission-Reihe weiter aus. "Bereits 2015 haben wir den ersten Akkustampfer auf den Markt gebracht und von Vornherein ein nachhaltiges System aufgebaut. Heute kann der modulare Akku in sieben Geräten verwendet werden", kommentiert Alexander Greschner, Vertriebsvorstand der Wacker Neuson Group, die Erweiterung durch den Minibagger. "Mit nunmehr zwölf Maschinen kann eine gesamte innerstädtische Baustelle vollkommen frei von Abgasemissionen betrieben werden – und das ohne Einschränkungen im Arbeitsablauf oder bei der Leistung."

Werden die Maschinen größer, wird die Mission schwieriger. "Bei ganz großen Maschinen gibt es derzeit kaum Elektrifizierungspotenzial", räumt Tschiesner ein. Dennoch könnten Baumaschinenhersteller einer Studie von McKinsey zufolge mehr als 14 Milliarden Euro zusätzlich umsetzen, wenn ihre Kunden nur jede fünfte Maschine durch ein Gerät mit Akku ersetzen würden. Die emissionsfreien Maschinen kosten zwar bis zu 90 Prozent mehr als Rüttler, Stampfer oder Minibagger mit Dieselmotor. Dafür sinkt der Aufwand für Treibstoff und Wartung um bis zu zwei Drittel.

Reduzierte Emissionen und mehr Nachhaltigkeit lassen sich aber nicht nur über elektrische Antriebe erreichen, auch die Digitalisierung kann dabei helfen.

Baumaschinenhersteller müssen Potenzial der Digitalisierung nutzen

Baumaschinenhersteller müssen sich mit neuen Trends und Technologien auseinandersetzen und sie in innovative Geschäftsmodelle umsetzen, um auf der Gewinnerseite zu stehen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Als wichtigste Maßnahmen, um dies mithilfe der digitalen Transformation zu schaffen, nennt das Whitepaper 'The Future of Construction Machinery Manufacturers' von Porsche Consulting drei Punkte:

Erstens sollten Geschäftsprozesse digitalisiert werden, um flexiblere Abläufe zu schaffen und die Reaktionszeiten zu verkürzen. Zweitens sollten modulare Produkte nach Baukastenprinzip entwickelt werden; so können digitale Lösungen nahtlos und produktübergreifend integriert werden. Drittens sollten die Unternehmen in ein digitales Ökosystem investieren, zum Beispiel mittels Erweiterung des Portfolios mit digitalen Start-ups.

Vernetzte und autonome Baumaschinen sind die Zukunft

Eine sehr große Rolle werden zukünftig vernetzte und autonome Baumaschinen spielen. In einer Umfrage von Porsche Consulting gaben 80 Prozent der Befragten an, dass sie denken, dass vernetze Maschinen in Zukunft die Effizienz von Baustellen um 10 bis 20 Prozent steigern könnten.

Solche vernetzten Baumaschinen zeigen beispielsweise auf Dashboards an, wie viele Betriebsstunden sie geleistet haben und wann sie gewartet werden wollen. So lassen sich Reparaturen besser planen und Ausfallzeiten minimieren. Außerdem wissen Maschinenführer jederzeit, wo sich ein Gerät gerade befindet. Auf Großbaustellen ist das nicht immer klar.

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