Digitaler Zwilling eines Sportautos.

Mit dem digitalen Zwilling ist es möglich ein digitales Abbild von einem realen Objekt zu erschaffen. - Symbolbild: cheksy - stock.adobe.com

Matthias Bölke, Vorsitzender der IDTA, hofft, mit einer standardisierten Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, kurz AAS), die Durststrecke des digitalen Zwillings in der Industrie beenden zu können. "Der digitale Zwilling ist bereits aus der Hyped-Phase raus und kommt langsam in die Phase der Frustration", so Bölke. Anstelle der bisherigen Insellösungen vereinzelter Unternehmen, solle es zukünftig eine Open-Source-Lösung geben, die für jeden zugänglich sei. Das teilte Bölke am vergangenen Dienstag (2.3.2021) bei einer Pressekonferenz zum Start der Industrial Digital Twin Association mit.

Die IDTA wurde am 23. September 2020 von VDMA und ZVEI sowie 20 Unternehmen aus der Elektroindustrie, dem Maschinenbau, der Softwarebranche und der Anwendungsindustrie gegründet. Zu den beteiligten Unternehmen zählen unter anderem Siemens, Volkswagen, Kuka, Trumpf, SAP und Bitkom.

Was ist ein Digitaler Zwilling?

Der digitale Zwilling bildet die Schnittstelle der physischen Industrieprodukte in die virtuelle Welt. Um einen digitalen Zwilling nutzen zu können, benötigt man eine Verwaltungsschale. Sie ist das virtuelle Abbild und die interoperable Kommunikationsschnittstelle einer Hard- oder Softwarekomponente in der Produktion. In ihr werden Daten gesammelt, ausgetauscht und verwertet. Auch lässt sich beispielsweise eine Maschine über die Verwaltungsschale steuern.

Open-Source-Ansatz für den Einstieg in die Technologie

Der digitale Zwilling werde immer mehr zum Thema in der Industrie. Für Unternehmen sei die Technologie bisher jedoch nur schwer umsetzbar gewesen. Die IDTA wolle daher die Anwendung des digitalen Zwillings einfacher machen. Dabei baue die Organisation auf dem Konzept der Verwaltungsschale auf. Diese wolle sie konzeptionell und inhaltlich in einem Open-Source-Ansatz weiterentwickeln.

Karsten Schneider, Schatzmeister der IDTA, geht auf der Pressekonferenz auf die Vorteile einer Open-Source-Lösung ein: "Open-Source ist wichtig, wenn ich schnell vorankommen will. Ein gemeinsamer Source-Code sorgt dafür, dass am Ende alles zusammenpasst. Deshalb starten wir die Verwaltungsschalen auch in Open-Source."

Digitaler Zwilling als Grundlage für die Digitalisierung

Matthias Bölke lächelt freundlich in die Kamera.
Matthias Bölke ist Vorstandsvorsitzender der Industrial Digital Twin Association.- Bild: Schneider Electric

Der digitale Zwilling bilde, laut dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Horst Heinol-Heikkinen, die Grundlage für die Digitalisierung der Industrie. "KI und Cloud-Services der Zukunft bauen auf dem Konzept des digitalen Zwillings auf und auch Machine Learning wird in der Breite umsetzbar. Damit verbunden sind unsere Zukunftspotenziale für neue Geschäftsmodelle, sowohl für kleine und mittelständische Fabrikausrüster als auch für große Endanwender, beispielsweise aus der Fahrzeug- und Prozessindustrie", erläutert er in einer Pressemeldung.

Bölke berichtet auf der Pressekonferenz über neue Wertschöpfungen, die sich mit dem digitalen Zwilling im Maschinenbau realisieren ließen: "Momentan fließt das Geld bei der Entwicklung zu 80 Prozent in die Datenaufbereitung. Hier muss formatiert, strukturiert und skaliert werden. Das führt zu einem regelrechten Daten-See. Nur 20 Prozent der Investition landen tatsächlich in der Wertschöpfung. Mit der Nutzung eines digitalen Zwillings dreht sich das. Dann wenden wir nur noch 20 Prozent für die Datenintegration auf und 80 Prozent fließen in die digitale Wertschöpfung." Der Effizienzgewinn entstehe durch offene Technologien, Standardisierung, B2B-Interoperabilität und Modularisierung.

Kommunikationsstandards für die Industrie entwickeln

Auf die Frage auf der Pressekonferenz, welche konkreten Schritte die Nutzerorganisation als nächstes einleite, entgegnet Meik Billmann vom ZVEI: "Wir haben bereits ein Teilmodell für die Verwaltungsschale angelegt. Ein stückweit haben wir das schon standardisiert. 20 Merkmale sind das jetzt, die packen wir auf ein Typenschild."

Langfristig wolle die IDTA neue Kommunikationsstandards für die Industrie entwickeln. Bölke spricht auf der Pressekonferenz von "Informationsmodelle, die im digitalen Zwilling stattfinden". Schneider erklärt fortführend in einer Pressemeldung: "Europa hat sich in den letzten Jahren mit seinen Initiativen rund um Industrie 4.0 eine internationale Spitzenposition erarbeitet. Diesen Vorsprung gilt es zu nutzen und auszubauen, der digitale Zwilling spielt dabei eine zentrale Rolle."

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