Schild mit der Aufschrift Wir suchen dringend Fachkräfte

Der Fachkräftemangel beschäftigt sehr viele Unternehmen. (Bild: bluedesign - stock.adobe.com)

Fachkräftemangel, Energiekrise, Ukrainekrieg und natürlich die Inflation: Der Industrie steht ein herausforderndes Jahr bevor. PRODUKTION hat nachgehakt und Verbände und Unternehmen nach Wachstumsmärkten, Wettbewerbsfähigkeit und den Konjunkturerwartungen gefragt. Einen Einblick geben neben dem VDMA, VDW und ZVEI folgende Unternehmen: Trumpf, Schunk, Franke, Beckhoff und Benteler.

 

Teil 1 dreht sich um die Wachstumsmärkte der deutsche Industrie.

Teil 2 geht um die Frage, ob die Energiekosten die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Teil 3 dreht sich um den Fachkräftemangel und die Konjunkturerwartungen.

Neben den Energiekosten gibt es ein weiteres Thema, mit dem sich nahezu alle Branchen beschäftigen müssen: Der Fachkräftemangel. Wir haben die Verbände und Unternehmen deshalb gefragt, in welchen Bereichen die meisten Fachkräfte fehlen und wie versucht wird, potenzielle Mitarbeitende von sich zu überzeugen.

ZVEI: Fachkräftemangel ist Produktionshemmnis

In der Elektro- und Digitalindustrie stellt der Fachkräftemangel derzeit für jedes zweite Unternehmen ein Produktionshemmnis dar, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Gontermann. „Diese Herausforderungen ziehen sich letztlich durch so gut wie alle Fachbereiche."

ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann
ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann (Bild: ZVEI/Frederik Böttcher)

Die offiziell gemeldete Zahl von 15.000 offenen Stellen dürfte Gontermann zufolge tatsächlich noch höher liegen.

Branchenunternehmen versuchen unter anderem durch Kooperationen mit Schulen und Hochschulen sowie duale MINT-Studienprogramme Fachkräfte zu sichern. Neben der Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen werden zudem gezielt ausländische Fachkräfte angeworben.

VDMA: IT-Spezialisten besonders dringlich gesucht

VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers
VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers (Bild: VDMA)

Quer durch alle Bereiche und über alle Hierarchiestufen hinweg fehlen im Maschinenbau Fachkräfte. „Aber sicherlich sind IT-Spezialisten besonders dringlich gesucht“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Wiechers und ergänzt: „Zwei von drei Unternehmen suchen Ingenieure und Ingenieurinnen aus den Fachzweigen Maschinenbau ebenso wie Elektrotechnik und Informatik.“

Die Maschinenbau-Unternehmen können mit „attraktiven, breit gestreuten Aufgabenfeldern“ auch für Berufseinsteiger für sich werben, meint Wiechers. Die Branche biete außerdem für Fachkräfte eine gute Bezahlung. Ein weiterer Vorteil laut Wiechers: Viele Maschinenbaufirmen sind außerhalb der Metropolen ansässig, wo das Leben generell günstiger sei als in den großen Städten.

VDW unterstützt Berufsschulen und Ausbilder

VDW-Chefvolkswirt Bernhard Geis
VDW-Chefvolkswirt Bernhard Geis (Bild: VDW)

„Mit Informationsveranstaltungen im Betrieb, Beteiligung an Ausbildungsmessen, Aktivitäten in den regionalen Schulen, Praktika und viel mehr werden junge Menschen über die verschiedenen Berufsbilder, Ausbildungsinhalte, Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten informiert“, sagt VDW-Chefvolkswirt Geis.

Der VDW habe mit seinen Aktivitäten in der Nachwuchsstiftung Maschinenbau und auf seinen Messen über die Sonderschauen für die Jugend das Thema seit vielen Jahren im Fokus und arbeite kontinuierlich daran, Berufsschulen und Ausbilder mit modernen Lehrmitteln bei der Ausbildung zu unterstützen.

Franke nutzt alle nur denkbaren Kanäle

Franke-Geschäftsführer Sascha Eberhard
Franke-Geschäftsführer Sascha Eberhard (Bild: Franke)

Franke sucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen. „Die Ausschreibungen auf unserer Website waren noch nie so umfangreich“, sagt Geschäftsführer Eberhard. Das Unternehmen nutze alle nur denkbaren Kanäle - von Stellenplattformen bis zu Social Media - um Menschen anzusprechen und zu gewinnen.

„Überzeugen kann man meiner Meinung nach nur durch Aufrichtigkeit“, erklärt Eberhard. In der Außendarstellung sei das Unternehmen immer bestrebt, ein authentisches Bild zu vermitteln.

Schunk engagiert sich im Umfeld von Hochschulen

Jan Repplinger, Chief Sales Officer bei Schunk
Jan Repplinger, Chief Sales Officer bei Schunk (Bild: Schunk)

Auch Schunk spürt den Fachkräftemangel in fast allen Bereichen. „Wir reagieren hierauf, in dem wir unseren Mitarbeitenden attraktive und zeitgemäße Benefits bieten und unsere Sichtbarkeit verbessern“, sagt Chief Sales Officer Repplinger. Viele kennen Schunk nur als klassisches Industrieunternehmen im Maschinenbau, berichtet er.

Gerade für den Ausbau der Digital- und Entwicklungskompetenz des Unternehmens wachse der Bedarf an Experten in den Bereichen Softwareentwicklung, Programmierung und Mechatronik. „Deshalb engagieren wir uns im Umfeld von Hochschulen und deren Ökosystemen in der Region und weltweit, um die kommende Generation für Schunk zu begeistern“, sagt Repplinger.

Ein Beispiel dafür sei der Innovationspark KI in Heilbronn, angegliedert an den Bildungscampus der Hochschule. „Als Gründungsmitglied des KI-Parks tauschen wir uns mit Nachwuchskräften und Partnern vor Ort bezüglich innovativer Ideen aus“, berichtet der Chief Sales Officer.

Sie wollen die Welt der Industrie verstehen?

Newsletter

Erfahren Sie alles zu Industrie 4.0, Smart Manufacturing und der weiten Welt der Technik.

  • exklusive Inhalte
  • professionelle Berichterstattung
  • kostenlose Freemium Mitgliedschaft

Newsletter gratis bestellen!

Trumpf: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtig

Dr. Christian Schmitz, Chief Executive Officer Laser Technology
Dr. Christian Schmitz, Chief Executive Officer Laser Technology bei Trumpf (Bild: Trumpf)

Trumpf kann die Aussagen des VDMA bestätigen: „Vor allem IT-Experten sind heiß umkämpft“, sagt der Trumpf-CEO Laser Technology Schmitz. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzt der Konzern auf die Ausbildung. Neben Fachinformatikern und Spezialisten für die digitale Vernetzung bildet Trumpf auch Fachkräfte im Bereich Cybersicherheit aus.

Außerdem wichtig für das Unternehmen: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch flexible Arbeitszeitmodelle, zum Beispiel durch die Wahlarbeitszeit. „Unsere Mitarbeiter können einmal pro Jahr ihre gewünschte Arbeitszeit zwischen 15 und 40 Stunden festlegen, ganz wie es ihren persönlichen Bedürfnissen entspricht“, erklärt Schmitz.

Zur Förderung der Gesundheit gebe es außerdem am Ditzinger Standort ein Gesundheitszentrum.

Beckhoff setzt auf die Vorteile eines Familienunternehmens

Beckhoff will durch interessante Hightech-Produkte, die Internationalität sowie die Vorteile eines familiengeführten Unternehmens potenzielle Mitarbeitende von sich überzeugen, sagt Inhaber Beckhoff.

Benteler helfen drei Aspekte

Vor allem drei Aspekte helfen Benteler beim Fachkräftemangel: „Unsere langfristige Personalplanung, unsere internationale Größe sowie unsere sehr gute Ausbildung“, sagt CEO Göttel.

Konjunktur 2023: Das sind die Einschätzungen der Experten

Bleibt abschließend nur die Frage nach der Konjunktur. Diese Schulnoten geben die Experten der Konjunktur für das Jahr 2023:

  • Hans Beckhoff (Beckhoff) und Jan Repplinger (Schunk) geben eine 2.
  • Für Sascha Eberhard (Franke) wird es „nur“ eine 2-. Seine Begründung: "Ende letzten Jahres wollte sich niemand so wirklich zu diesem Thema äußern. Überall war eine gewisse Unsicherheit zu spüren – mir selbst ging es nicht anders. Mittlerweile und nach den ersten Wochen im neuen Jahr scheint sich das Bild zu schärfen. Abgesehen von nicht vorhersehbaren Unwägbarkeiten in Politik und Gesellschaft denke ich, dass 2023 bezüglich der Konjunktur ein ordentliches Jahr werden wird. Ich würde eine 2- vergeben."
  • Jeweils eine 3 geben Andreas Gontermann (ZVEI) und Ralf Göttel (Benteler). Göttel erklärt: "Im globalen Querschnitt: eine 3. Während Asien sich gut entwickelt, liegen wir in Süd-, Mittel und Nordamerika im Bereich der Erwartungen, in Europa deutlich darunter. Was für uns wichtig ist: Wir sind bereit, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Durch unsere Transformation haben wir gelernt, schnell auf Veränderungen zu reagieren: resilient und agil bei hoher Marktvolatilität."
  • Ralph Wiechers (VDMA) sagt: „Kann man im Voraus eine Note geben? Nachdem 2022 knapp noch eine '3 plus' geschafft hat, wird es in diesem Jahr, Stand heute, wohl eher auf eine '3 minus' hinauslaufen – mit Potential zur 3.“
  • Die gleiche Note vergibt Bernhard Geis (VDW). Er meint: „Mit Stützung durch den hohen Auftragsbestand und unter der Annahme einer konjunkturellen Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte: 3-“
  • Ähnlich sieht es Christian Schmitz (Trumpf): „Aufgrund der unsicheren Weltlage eine 3 bis 4 – aber Trumpf wird sich zu behaupten wissen.“

Sie möchten gerne weiterlesen?

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos:

Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Mit der Registrierung akzeptiere ich die Nutzungsbedingungen der Portale im Industrie-Medien-Netzwerks. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Sie sind bereits registriert?