Fachkräftemangel, Energiekrise, Ukrainekrieg und natürlich die Inflation: Der Industrie steht ein herausforderndes Jahr bevor. PRODUKTION hat nachgehakt und Verbände und Unternehmen nach Wachstumsmärkten, Wettbewerbsfähigkeit und den Konjunkturerwartungen gefragt. Einen Einblick geben neben dem VDMA, VDW und ZVEI folgende Unternehmen: Trumpf, Schunk, Franke, Beckhoff und Benteler.
Teil 1 dreht sich um die Wachstumsmärkte der deutsche Industrie.
Teil 2 geht um die Frage, ob die Energiekosten die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
Teil 3 dreht sich um den Fachkräftemangel und die Konjunkturerwartungen.
China und die USA sind seit Jahren wichtige Handelspartner für die deutsche Industrie. Doch viele Firmen schauen sich nach den Lockdowns in China und den coronabedingten Störungen der Lieferketten nach neuen Märkten um. Wir wollten deshalb wissen: Was werden 2023 die Wachstumsmärkte sein?
VDMA: USA bleiben attraktiver Markt
„Wir rechnen damit, dass insbesondere die USA in diesem Jahr für den Maschinen- und Anlagenbau ein attraktiver Markt bleiben“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Dafür sorgen Wiechers zufolge die umfangreichen Investitionsprogramme der Biden-Regierung, die der deutschen Industrie neue Aufträge bescheren werden.
Aber auch in der EU sieht er gute Wachstumsmöglichkeiten. Voraussetzung dafür sei, dass sich die Krisenstimmung weiter lege und die Inflation im Lauf des Jahres nachlasse, „wovon man derzeit wohl ausgehen kann“, so Wiechers.
Grundlegend neue Märkte seien angesichts einer Exportquote im Maschinenbau von gut 80 Prozent aus Sicht der gesamten Branche und einer insgesamt sehr guten Marktabdeckung nicht in Sicht. „Aber es gibt selbstredend auf Teilbranchen- oder Unternehmensebene immer Möglichkeiten, neue Potentiale zu erschließen oder Marktanteile zu steigern“, erklärt der VDMA-Chefvolkswirt. Viele Maschinenbauer werden versuchen in Asien wieder stärker auf andere Länder als China zu setzen und sich fallweise auch neue Märkte in anderen Ländern erschließen.
VDW: China ist schwer einzuschätzen
Ein ähnliches Bild zeichnet VDW-Chefvolkswirt Bernhard Geis: „Unsere Erwartungen für die USA sind weiter positiv aufgrund der Tendenz zum Reshoring und den staatlichen Ausgabenprogrammen, unter anderem zur Chipproduktion, Infrastruktur und Klimaschutz“, sagt er.
Die Geschäfte kleiner und mittelständischer Unternehmen in Deutschland und Europa werden seiner Einschätzung nach insgesamt aufgrund der Energiekrise und der Verunsicherung schwieriger.
Mit Blick auf Asien erklärt Geis, China sei schwer einzuschätzen. „Hier müssen wir abwarten, wie sich die Aufhebung der Corona-Beschränkungen auswirkt.“ Wachstum in Asien sollte Geis zufolge in den Asean-Ländern und in Indien möglich sein, da internationale Unternehmen - auch als Alternative zum Standort China - dort stärker investieren.
Kommen Sie zum Maschinenbau-Gipfel!
Der 14. Deutsche Maschinenbau-Gipfel war ein herausragender Erfolg! Über 900 Teilnehmer versammelten sich in Berlin für den größten Gipfel aller Zeiten. Prominente Gäste wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesfinanzminister Christian Lindner bereicherten die Veranstaltung.
2025 geht es weiter! Die Branche trifft sich am 16. und 17. September 2025 in Berlin.
ZVEI: Viele Regionen befinden sich simultan im Abschwung
In der Elektro- und Digitalindustrie haben im vergangenen Jahr vor allem die großen Absatzmärkte zum Wachstum beigetragen, berichtet ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann. Besonders hohe Zuwächse – fast ein Viertel – konnten im Geschäft mit den USA erzielt werden. „Was 2023 anbelangt, so steht die Weltwirtschaft auf der Kippe zu einer Rezession“, meint Gontermann. Viele Länder und Regionen befinden sich simultan im Abschwung. „Entsprechend dürften sich auch die Lieferungen unserer Branche ins Ausland in diesem Jahr verhaltener entwickeln als noch im letzten“, erklärt er.
Podcast: ZVEI-Präsident über die All-Electric-Society
Schunk: Großer Treiber ist die Automobilbranche
Und wie sieht es bei den Unternehmen direkt aus? „Nach wie vor verspüren wir die meiste Dynamik in Asien und den USA“, sagt Jan Repplinger, Chief Sales Officer bei Schunk. Vor allem in China, aber auch anderen asiatischen Ländern, werde aufgrund veränderter Rahmenbedingungen und Lieferketten kräftig investiert. Großer Treiber ist dabei Repplinger zufolge die Automobilbranche, die ihre Produktionsstätten durch den Ausbau der E-Mobilität an veränderte Prozesse anpassen muss. Hierfür entwickele Schunk mit seinem Portfolio passgenaue Antworten.
Starke Wachstumschancen sieht das Unternehmen auch in Life-Science-Bereichen wie der Medizintechnik und der Laborautomation. „Grundsätzlich wird das Thema Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor an Bedeutung gewinnen und Einfluss auf Investitionsentscheidungen in allen Bereichen nehmen“, sagt Repplinger.
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Trumpf will Raumfahrtindustrie in Deutschland vorantreiben
Die Medizintechnik ist auch ein wichtiges Wachstumsfeld für den Geschäftsbereich Lasertechnik bei Trumpf. „Mit Lasersystemen können die Hersteller selbst kleinste Bauteile präzise, flexibel und steril bearbeiten“, sagt Dr. Christian Schmitz, Chief Executive Officer Laser Technology.
Bei Lasern, die für die Fertigung von Batterien für Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen, spürt das Unternehmen weltweit eine starke Nachfrage.
Zukunftspotenzial sieht Schmitz unter anderem in der Raumfahrtindustrie. „Wir bei Trumpf wollen mit Lasertechnik und 3D-Druck einen Teil dazu beitragen, die Raumfahrtindustrie in Deutschland voranzutreiben“, sagt er.
Podcast: Trumpf CEO Werkzeugmaschinen über China und Blechbearbeitung
Franke: USA und Asien sind sehr vielversprechend
Vor allem die Exportmärkte und hier besonders die USA und Asien sind für Franke „sehr vielversprechend“, sagt Geschäftsführer Sascha Eberhard. Derzeit laufen im Unternehmen mehrere Projekte im Bereich Business Development und Digitaler Vertrieb/digitales Marketing, um die Aktivitäten in Vertrieb und Marketing zu koordinieren und weltweit neue Kunden zu gewinnen, berichtet er.
Zielbranchen hierbei seien die Medizintechnik, der klassische Maschinenbau, aber auch wachsende Nischen wie Energiegewinnung und die Sicherheitstechnik.
Benteler investiert in China und Indien
Der Zulieferer Benteler will sich 2023 sowohl auf seine Kern- als auch Wachstumsmärkte konzentrieren, sagt Ralf Göttel, CEO der Benteler Gruppe. „Konkret werden wir uns im Wachstumsmarkt Asien, insbesondere China und Indien, weiter engagieren“, erklärt er.
Das Unternehmen habe beispielsweise gerade seinen Standort in Shenyang (China) erweitert und ein Werk in Pune (Indien) eröffnet. Weitere Chancen sieht Göttel im Bereich der E-Mobilität und autonome Mover.
Einblicke in die Zukunft der Mobilität
Autonomes Fahren, Flugtaxis, Hyperloop - die Mobilität der Zukunft wird vielfältig. Eine Chance für die deutsche Industrie, sich zu positionieren. Aktuelle Entwicklungen und praktische Überblicke finden Sie in unserem Fokusthema - hier entlang!
Beckhoff wächst in allen Ländern
Beckhoff Automation wächst zurzeit und auch absehbar in allen Ländern, berichtet der geschäftsführende Inhaber Hans Beckhoff.
Hier geht es zu den weiteren Teilen der Industrietrends:
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