Bergbau-Muldenkipper, die Platin-Erz zur Verarbeitung transportieren

Rohstoffe sind derzeit fast überall Mangelware. Das Bild zeigt Bergbau-Muldenkipper, die Platin-Erz zur Verarbeitung transportieren. (Bild: Sunshine Seeds - stock.adobe.com)

Seit Monaten kämpft die Industrie mit knappen Rohstoffvorräten. Firmen können die Nachfrage nicht bedienen. Manchmal müssen sogar Werke vorübergehend geschlossen werden, weil schlicht das Material fehlt. „Die Verfügbarkeit von Rohstoffen in ausreichender Menge und zu angemessenen Preisen ist für unsere Unternehmen von existenzieller Bedeutung“, sagte nun Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW).

Die Ursachen für den Mangel sind für Brossardt klar: der rasche wirtschaftliche Aufschwung nach dem coronabedingten Stillstand, die vierte Welle der Corona-Pandemie und „die jahrelange Unachtsamkeit, das Thema Rohstoffversorgung als politisches Top-Thema zu behandeln“.

Die Versorgungsengpässe lassen auch die Preise explodieren: Der Rohstoffpreisindex der VBW ist im Oktober auf ein Zehn-Jahres-Hoch gestiegen. Die Preise für Industriemetalle sind im Vergleich zum Vorjahr um einen hohen zweistelligen Prozentbereich gestiegen. „Wichtige Rohstoffe sind allein im dritten Quartal drastisch gestiegen“, sagte Brossardt. Als Beispiel nannte er Lithium mit einem Anstieg um 224 Prozent und Magnesium (181 Prozent).

Den Großteil der Rohstoffe beziehen die deutschen Unternehmen aus dem Ausland. Die Versorgungssicherheit mit mehr als 20 wichtigen Rohstoffen ist jedoch gefährdet. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor, die die VBW in Auftrag gegeben hat. So ist zum Beispiel die Versorgung bei den für die E-Auto-Batterien wichtigen Rohstoffen Kobalt, Lithium und Graphit hoch riskant, sagte IW-Consult-Geschäftsführer Karl Lichtblau. Platin, Iridium und Nickel könnten außerdem zu einem Engpass für die Wasserstoff-Herstellung werden.

Das Problem: Die bekannten Kobaltreserven reichen beim heute absehbaren Bedarf nur noch elf Jahre. Laut Lichtblau ist das zwar kein Grund zur Panik, aber ein Warnsignal, das auf allen Ebenen etwas getan werden müsse.

Versorgungsmangel: Diese 22 Rohstoffe sind in der roten Gruppe

Die 22 Rohstoffe mit dem höchsten Versorgungsrisiko sind in der Studie in der roten Gruppe. Kobalt ist dabei der Rohstoff mit dem höchsten Versorgungsrisiko. Die weiteren Rohstoffe mit hohem Versorgungsrisiko sind: Tantal, Niob, Gallium, Rhodium, Zinn, Neodym, Yttrium, Wolfram, Palladium, Indium, Lithium, Platin, Scandium, Selen, Magnesium, Germanium, Chrom, Eisen, Graphit, Silber und Molybdän.

Rohstoffknappheit: Das fordert die Wirtschaft von der Politik

Brossardt sieht in diesem Zusammenhang besonders die Politik am Zug: Er forderte unter anderem Rohstoff-Partnerschaften mit anderen Ländern außenpolitisch und entwicklungshilfepolitisch zu fördern. Der Grund: Die Industriepolitik einzelner Staaten und auch instabile politische Verhältnisse führen zu einer unsicheren Rohstoffversorgung, so Brossardt. Länder wie China brauchen für ihr Wachstum viele Rohstoffe, weshalb Bedarf und Wettbewerb zunehmen.

Brossardt ist außerdem wichtig, den Wettbewerb der internationalen Märkte mit klaren Regeln zu fördern. „Künstliche Verknappung von Rohstoffen und ungerechtfertigte Preiserhöhungen müssen unterbunden werden“, sagte er. Hier seien Kartellbehörden, die EU-Kommission sowie die WTO gefordert.

Aber auch die Wirtschaft sieht der Hauptgeschäftsführer in der Bringschuld: Um die Abhängigkeit zu verringern, müsse die Wirtschaft mehr Rohstoffe recyceln. In diesem Zusammenhang forderte er aber auch von der Bundesregierung eine „zukunftsfähige Strategie für eine Kreislaufwirtschaft“. Rohstoffeffizienz und -ersatz müssten durch Forschung vorangetrieben werden.

Zudem sollten heimische und europäische Rohstoffvorkommen genutzt werden. „Auch in Deutschland und der EU haben wir verschiedenste Rohstoffquellen, die es zu erschließen gilt“, so der VBW-Hauptgeschäftsführer. Oft fänden sich natürliche Ressourcen im geschützten Gebieten. Dort brauche es dann eine weitsichtige Landesplanung und Raumordnung, die Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichrangig berücksichtigt.

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