Audi Produktion in China, Arbeiter bei der Qualitätskontrolle

Der chinesische Automarkt ist der Wachstumstreiber der globalen Automobilindustrie. Insbesondere die deutschen Automobilhersteller sind abhängig vom chinesischen Absatzmarkt. - Bild: Audi

Das ist die zentrale Aussage einer Studie von Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen, die dieser Redaktion vorliegt.

Der Autoexperte sagt: „Nach 20 Jahren kontinuierlichen Wachstums des Automarkts in China hat US-Präsident Trump den chinesischen Wachstumsprozess im Automarkt zerstört. Dabei ist der chinesische Automarkt bei weitem nicht gesättigt.“ Es sei also kein „natürlicher“ Abschwung, sondern ein, durch den Wirtschaftskrieg ausgelöster Einbruch.

Mit seinem Wirtschaftskrieg gegenüber China zerstört die US-Regierung laut Dudenhöffer wichtiges, wirtschaftliches Wachstum. „Bildlich gesprochen macht der US-Präsident die Welt ärmer, indem er riesige Vermögenswerte zerstört“, so der Autoexperte. Nach Einschätzung des CAR-Instituts sind es mehr als 700 Milliarden Euro an Umsatzerlösen nur in der Autobranche, die auf das Konto der US-Wirtschaftskriege gehen.

Die Zahlen: Chinas Automarkt schmiert ab

Trumps Handelskrieg setzt der chinesischen Wirtschaft zu. Insbesondere der chinesische Automarkt leidet. So liegt für die ersten neun Monate des Jahres 2019 ein Rückgang der Pkw-Verkäufe von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr vor.

Bereits im Jahr 2018 wurde die große Krise mit einem Rückgang der Autoverkäufe in China von 24,2 Millionen auf 23,3 Millionen Pkw eingeleitet. Für dieses Jahr rechnet Dudenhöffer mit nicht mehr als 20,5 Millionen verkauften Autos in der Volksrepublik.

Deutsche Zulieferer und Maschinenbauer geraten in Abwärtsstrudel

Dieser massive Absatzeinbruch hat natürlich auch Folgen für die deutsche Automobilindustrie. Denn China ist für nahezu alle deutschen Autobauer der wichtigste Absatzmarkt. Jedes dritte deutsche Auto wird in China verkauft, nur deshalb konnten die Autokonzerne VW, Daimler und BMW 2018 einen Absatzrekord vermelden, wie der Spiegel berichtete.

„Die deutsche Automobilindustrie wird durch die US-Wirtschaftskriege nun doppelt belastet“, erklärt Dudenhöffer. Einerseits durch die heutigen Verluste und Gewinnrückgänge bei Anlagenbauern, Zulieferern und Autobauern, die im erheblichen Maße Eigenkapital und die Cash-Flows für den Umbau für das E-Auto-Zeitalter schrumpfen lassen. Zeitgleich geraten OEMs und Zulieferer in eine Konjunktur- und Strukturkrise.

Dudenhöffer warnt: „Daher sind die bisher angekündigten Jobabbauprogramme, wie zuletzt bei Brose mit einem geplanten Einschnitt von 2.000 Mitarbeitern, nur der Beginn einer großen Welle.“

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Diese Unternehmen wollen Stellen abbauen

Schon heute sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Unternehmen aus der Automobilindustrie haben Sparmaßnahmen angekündigt, die laut CAR-Institut vorsehen, knapp 50.000 Stellen in Deutschland abzubauen:

  • Continental: 7.000 Stellen.
  • Brose: 2.000 Stellen.
  • Schaeffler: 1.300 Stellen.
  • ZF Saarbrücken: 2.200 Stellen.
  • Bosch Bamberg: 1.500 Stellen.
  • Mann + Hummel: 200 Stellen.
  • Mahle: 500 Stellen.
  • BMW: 3.000 Stellen.
  • Audi: 10.000 Stellen.
  • VW: 14.000 Stellen. 
  • Ford: 3.000 Stellen.
  • Eberspächer: 250 Stellen.
  • SMIA: 100 Stellen.
  • Küster: 100 Stellen.
  • Leoni: 500 Stellen.

Doch das Ende der Fahnenstange ist wohl noch nicht erreicht. „In Summe gehen wir davon aus, dass in der deutschen Autoindustrie in Deutschland bis zum Jahr 2030 bis 125.000 Arbeitsplätze wegfallen“, so Dudenhöffer.

Wie Deutschland gegensteuern kann

Die Aufzählung zeigt: Die deutsche Autoindustrie ist ins Schleudern geraten. Dudenhöffer liefert einen Vorschlag, wie Industrie und Politik gegensteuern können. „Was langfristig sehr wichtige Impulse setzen würde, wäre eine engere Zusammenarbeit mit China“, sagt der Autoexperte.

Dudenhöffers Vorschläge im Einzelnen:

  • Deutschland sollte sich gegenüber China öffnen und nicht abschotten.
  • Deutschland sollte mit China strukturell zusammenarbeiten.
  • Deutschland sollte die Neue Seidenstraße nicht als Gefahr, sondern als Chance begreifen.
  • Deutsche Unternehmen sollten gemeinsam mit chinesischen Batterieherstellern Batteriewerke in Deutschland bauen.

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