Eine Frau mit Mundschutz überprüft einen Schalterkasten.

Die Elektroindustrie hat in der Krise unterschiedlich gelitten. - Bild: dusanpetkovic1 - stock.adobe.com

| von Anja Ringel

Mehr Toaster, weniger Aufträge aus der Autoindustrie: Die Elektroindustrie spürt die Corona-Pandemie in unterschiedlichem Ausmaß. Während das Geschäft mit Haushaltsgeräten um elf Prozent gestiegen ist, ist die gesamte Elektrotechnik, die in Fahrzeugen verbaut wird um über 17 Prozent zurückgegangen. Insgesamt sank die Produktion 2020 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent, erklärte der ZVEI heute auf einer Pressekonferenz. Der Umsatz verringerte sich um sechs Prozent auf 180 Milliarden Euro. Für die erfolgsverwöhnte Branche ein Rückschlag, so Präsident Gunther Kegel.

Dabei erklärte er auch: Die Industrie ist systemrelevant und er wehrte sich gegen Rufe aus der Öffentlichkeit, eine Zero-Covid-Strategie und einen harten Lockdown zu beschließen. Der Internethandel breche zum Beispiel in wenigen Wochen zusammen, wenn es keine Ersatzteile für automatisierte Prozesse gebe, argumentierte er. Auch das Gesundheitssystem benötige Geräte aus der Industrie, um zu funktionieren.

Die Elektrounternehmen haben außerdem Hygienekonzepte erarbeitet und die Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt – je nach Firma bis zu 90 Prozent der Belegschaft, so Kegel. Es habe in der Elektroindustrie keine nennenswerten Infektionen am Arbeitsplatz gegeben. „Ein harter Lockdown der Industrie muss vermieden werden. Nicht Härte, sondern differenzierte Schutzmaßnahmen entscheiden über die erfolgreiche Pandemie-Bekämpfung“, sagte er. Es dürfe nicht um das Ausprobieren von Maßnahmen „à la Jugend forscht“ gehen. Er erwarte von der Politik, dass die Anstrengungen für funktionierende Hygienekonzepte honoriert werden.

Industrietrends: Das sagt der ZVEI

Auch 2021 wird sich in der Industrie wieder einiges tun. - Bild: kitthanes - stock.adobe.com

Elektroindustrie: Jeder achte ist in Kurzarbeit

Dass die Unternehmen im Vergleich zu anderen Branchen bisher relativ gut durch die Krise gekommen sind, macht Kegel auch an der Kurzarbeit aus: Jeder achte Beschäftigte in der Elektrobranche ist momentan noch in Kurzarbeit. Tendenz aufgrund der guten Auftragslage im Januar sinkend. Die Zahl der Beschäftigten sank von rund 885.000 Mitarbeiter Ende 2019 auf nun 873.000.

Ein Grund, warum die Elektrobranche gut dasteht ist für Kegel auch die immer stärker werdende Elektrifizierung und Digitalisierung. Der Trend hin zu einer All-Electric-Society sei eng verbunden mit der Bewältigung des Klimawandels – einer Herausforderung, der man aus der Sicht von Kegel nicht durch Verbote und Verzicht begegnen kann, sondern nur durch den breiten Einsatz von technologischen Innovationen.

Seine Forderung an die Politik: Um die Chancen der All-Electric-Society besser nutzen zu können, müsse dringend nachjustiert werden. „Wenn grüner Strom der primäre Energieträger wird, muss er entlastet werden. Daher halten wir an unserer Forderung fest: Die EEG-Umlage muss jetzt rasch gesenkt und perspektivisch abgeschafft werden, der CO2-Preis dagegen steigen“, so Kegel.

Gleichzeitig müssten klimafreundliche Technologien in der Breite eingesetzt werden, um die nötigen Skalierungseffekte zu erzielen. Hierzu müsse auch die Infrastruktur dringend ausgebaut werden, erklärte der ZVEI-Präsident.

Wie der ZVEI-Präsident die Abschaffung der EEG-Umlage noch begründet, sehen Sie im Video:

ZVEI plädiert für offene EU-Grenzen

Sorgen bereitet dem Verband einen erneut massiven Konjunktureinbruch in Europa, sollten die Grenzen für den Handel geschlossen werden.  „Die Verwundbarkeit Europas hat sich im vergangenen Jahr deutlich gezeigt. Wir warnen davor, die Diskussion über Grenzschließungen in Europa fortzuführen“, sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Der grenzüberschreitende Warenverkehr sei kein wesentlicher Faktor im Pandemiegeschehen und müsse aufrechterhalten bleiben. Anderenfalls drohe Europa erneut ein massiver wirtschaftlicher Einbruch.

In den ersten elf Monaten 2020 sank die Zahl der Elektro-Exporte in andere europäische Länder um 6,5 Prozent auf rund 118 Milliarden Euro. In die Eurozone sanken sie sogar um 8,4 Prozent auf knapp 58 Milliarden Euro. Damit ist Europa aber mit 64 Prozent der Exporte weiterhin der größte Absatzmarkt für die deutsche Elektroindustrie.

Weber forderte deshalb zwei Dinge: Erstens müsse der EU-Binnenmarkt kontinuierlich verteidigt und weiterentwickelt werden. Zweitens müsse die EU den Anspruch haben, Standards zu setzen, um globale Technologien voranzubringen und den europäischen Standort zu stärken.

Wie sich die Exporte insgesamt in den vergangenen Jahren entwickelt haben, sehen Sie in der Grafik:

Die Exporte der Elektroindustrie lagen 2020 erstmals wieder im Minus.
Die Exporte der Elektroindustrie lagen 2020 erstmals wieder im Minus. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: ZVEI

„Europa muss technologisch souverän handeln können, ohne protektionistisch zu sein“, sagte er. Deshalb müssten die Wirtschaftsinteressen entschiedener gegenüber China und den USA vertreten werden. Das Investitionsabkommen mit der Volksrepublik sei ein guter Baustein. Wichtig sei nun, dass die Vereinbarung weiter ausgearbeitet und auch eingehalten wird, sagte Weber. „Für die Elektroindustrie ist China der wichtigste Handelspartner.“

Welche Folgen der europäisch-chinesische Investitionspakt für den deutschen Maschinenbau und die Autoindustrie hat, lesen Sie hier:

Der Export nach China ist auch 2020 gewachsen – um 5,7 Prozent. Die Ausfuhren in die USA sind dagegen deutlich gesunken. 

Die Corona-Pandemie werde in der Elektrobranche noch länger zu spüren sein, sagte Kegler. Der ZVEI geht momentan mit einem Wachstum von fünf Prozent für 2021 aus. Damit könne man die zwei Drittel der Verluste aus dem vergangenen Jahr aufholen, so Kegel. Der Großteil der Firmen werde erst 2022 wieder auf das Niveau von 2019 kommen.

Dass der Verkauf von Toastern und anderen Haushaltsgeräten zugenommen hat, liegt laut Kegel im Übrigen am „Cocooning 2.0“: Viele haben sich aufgrund des Lockdowns neu eingerichtet und wollten vorbereitet sein. Denn was braucht man, wenn der Bäcker doch schließen muss? Richtig, einen Toaster.

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