IG Metall Demonstration

IG Metall Landeschef Zitzelsberger warnt: "Einige Zulieferer hängen noch im Schlafmodus." - Bild: IG Metall

| von Gabriel Pankow

Die IG Metall hat in einem Transformationsatlas bundesweit die erwarteten Veränderungen analysiert. "Die Ergebnisse sind erschreckend", sagt Zitzelsberger gegenüber der Zeitschrift "Auto Motor und Sport" (Ausgabe 23/2019). "40 Prozent dieser Zulieferer haben noch keine Idee, welche Alternativen es zu ihren herkömmlichen Produkten geben könnte."

Der Gewerkschafter ergänzt: "Man kann es nicht anders sagen: Einige Zulieferer hängen immer noch im Schlafmodus fest." Außerdem wolle die IG Metall keinen Sozialwettbewerb, wenn Autohersteller und Zulieferer um neue Aufträge konkurrieren. 

DIHK-Umfrage: Pessimismus in der Autobranche

Eine aktuelle Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) belegt: Die Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate in der Autoindustrie und bei den Zulieferern erleiden einen deutlichen Einbruch.

Die Umfrageergebnisse liegen der der Deutschen Presse-Agentur vor. Die DIHK will sie am kommenden Dienstag (29.10.) vorstellen. 

Schon jetzt ist bekannt: Die Einschätzungen zur Geschäftslage im Kraftfahrzeugbau sinken das vierte Mal in Folge. Sie erreichen laut DIHK den tiefsten Wert seit zehn Jahren. So bewerten nur 22 Prozent der Befragten die Geschäftslage als gut. 55 Prozent erachten sie als noch befriedigend. 23 Prozent bewerten die Geschäftslage als schlecht. 

Die Autobranche befindet sich derzeit mitten in einem grundlegenden Wandel. Zum einen muss die Industrie Milliarden in neue Technologien wie die E-Mobilität investieren, auch um strengere EU-Vorgaben einhalten zu können. Zum anderen ist bei vielen Firmen die Ertragslage wegen des Abschwungs der weltweiten Automärkte schlechter geworden.

Continental-Personalchefin: "Industriearbeitsplätze in allen Branchen gefährdet"

Erst am Dienstag (22.10.) hatte Continental für Schlagzeilen gesorgt. Eine Milliardenabschreibung im dritten Quartal reißt den Dax-Konzern nun sowohl im Quartal als auch im Gesamtjahr in die roten Zahlen. Die Hintergründe dazu lesen Sie hier.

Derweil warnt Conti-Personalchefin Ariane Reinhardt, dass zwei Millionen Arbeitsplätze in Deutschland von der Automobilindustrie abhängen. "Deswegen fordern wir Technologieoffenheit", so Reinhardt gegenüber der "Auto Motor und Sport". "Allein schon aus beschäftigungspolitischer Sicht ist ein Wasserstoffantrieb empfehlenswert. Dieser verfügt in etwa 50 Prozent über die gleichen Komponenten wie ein Verbrennungsmotor." Wir fragten nach, fahren die besseren E-Autos mit Brennstoffzelle?

Die Transformation werde in der Autoindustrie die einfachen Arbeiten auf Sicht drastisch reduzieren. Denn Zulieferer und OEMs seien durch den Wettbewerbsdruck gezwungen immer weiter zu automatisieren. Reinhardt verlangt Konzepte, "um die Belegschaft in Arbeit zu halten." Das Qualifizierungschancengesetz der Bundesregierung biete die Möglichkeit, "insbesondere Ungelernte zu qualifizieren.

Sparkurs bei Mahle trifft auch Werke im Ausland

Wie Conti geht es vielen Zulieferern. Auch Mahle muss sparen. Der Sparkurs bei dem Zulieferer trifft nun auch Standorte des Unternehmens im Ausland. Die Werke in den italienischen Gemeinden La Loggia und Saluzzo werden voraussichtlich geschlossen, teilt der Zulieferer mit.

Rund 450 Mitarbeiter produzieren dort Dieselkolben, worin das Unternehmen nach eigenen Angaben keine nachhaltige Perspektive mehr sieht. Auch der Standort Foetz in Luxemburg soll geschlossen und die dort angesiedelte Entwicklungsabteilung bis Mitte 2021 auf andere Werke verteilt werden. Dort sind den Angaben zufolge knapp 80 Mitarbeiter betroffen. Mehr zu den Sparmaßnahmen bei Mahle lesen Sie hier.

Branchenkenner Prof. Ferdinand Dudenhöffer sieht schwere Jahre auf die Zulieferer-Industrie zukommen. Er schreibt bei Twitter: 

Dudenhöffer warnt in einer aktuellen Studie: „Daher sind die bisher angekündigten Jobabbauprogramme, wie zuletzt bei Brose mit einem geplanten Einschnitt von 2.000 Mitarbeitern, nur der Beginn einer großen Welle.“

Nicht jeder aus der Autoindustrie leidet

Von Umsatzeinbruch und Gewinneinbußen ist hingegen bei Volvo nichts zu sehen. Die starke Nachfrage nach SUV hat dem schwedischen Autobauer im dritten Quartal Schub verliehen. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen mit rund 220 Millionen Euro mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum, wie dpa berichtet. 

Insgesamt verkaufte Volvo im dritten Quartal 166.878 Autos und damit 7,7 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Markt legten die Schweden stark zu. 

Ungeachtet dessen verdeutlichte Volvo-Chef Hakan Samuelsson, dass der Preisdruck und die Schwierigkeiten in der Autobranche aus seiner Sicht anhalten werden. Für den Rest des Jahres geht er trotzdem weiter von einem stabilen Wachstum aus.

Auch Daimler ist wieder im Aufwind. Der negative Trend bei den Verkaufszahlen der Kernmarke Mercedes-Benz hat sich inzwischen gedreht. Im September legte der Absatz so stark zu, dass die Zahlen nun auch auf Jahressicht zumindest leicht im Plus liegen. 

Mit dem Absatz legten auch Umsatz und Gewinn im dritten Quartal zu, wie der Dax-Konzern am Donnerstag (24.10.) in Stuttgart mitteilte. Warum aber Vorstandschef Ola Källenius gar nicht erst große Euphorie aufkommen lässt, lesen Sie hier.

Shopfloor-Dashboard: Wenn Maschinen eine Sprache sprechen

Auf der EMO in Hannover stellten T-Systems und VDW erstmals einen Demonstrator vor, der den Zustand von Maschinen unterschiedlichster Hersteller in Echtzeit visualisiert. Im Hintergrund sorgt der Telekom Data Intelligence Hub für Datensouveränität. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

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