Chinesische und deutsche Flagge nebeneinander. Händeschütteln davor.

Chinesische Unternehmer schauen respektvoll und selbstbewusst auf die deutsche Industrie. (Bild: motortion - stock.adobe.com)

Der Ruf der deutschen Industrie ist bei Führungskräften chinesischer Konzerne zumeist sehr gut. Deutsche Ingenieurskunst ist gefragt, und große chinesische Industriekonzerne bauen Entwicklungszentren im Münchner Raum, in Schwaben oder dem Ruhrgebiet. Der deutsche Verbraucher gilt als anspruchsvoll. Daher wird Deutschland gern als Testfeld für neue Produkte genutzt. Was sich in Deutschland verkaufen lässt, geht in ganz Europa gut, ist die Devise. Berlin/Brandenburg ist für Gründer aus China zudem eine gute Adresse für Start-ups.

Doch wird die Überlegenheit der deutschen Industrie durchaus nicht mehr in allen Bereichen gesehen. Die Umsetzung von Innovationen in marktfähige Produkte verläuft schleppend, und es wird an veralteten Technologien festgehaltem. Elektromobilität oder elektronische Consumer-Geräte sind Beispiele dafür.

Zudem wird oft ein eher chinafeindliches Investitionsumfeld kritisiert, wobei sich chinesische Konzerne als normale Unternehmen sowie Konzerne aus anderen Ländern sehen. Sie möchten gefragte Produkte anbieten, Geschäfte und Gewinne machen. Die großen Investitionsoffensiven aus China gingen in den vergangenen Jahren stark zurück. Doch die Zahlen trügen. Viele Investitionen laufen über Drittstaaten, und immer mehr kommt aus dem laufenden Geschäftsbetrieb vor Ort durch organisches Wachstum.

Mehr zum Thema: China und die deutsche Industrie

Container mit chinesischer Flagge darauf
(Bild: Destina - stock.adobe.com)

Sie wollen mehr über die deutsche Industrie in China erfahren? Dann empfehlen wir Ihnen folgende Artikel:

 

Deutschland steht im Wettbewerb gut da

Bei Industrieprodukten besteht weniger Gefahr, von Billigimporten aus China überrollt zu werden. Wie zuvor deutsche Industriekonzerne in China bauen jetzt immer mehr Industriekonzerne aus China in Europa Produktionsstandorte auf. Dabei steht Deutschland im Wettbewerb mit anderen europäischen Ländern gut da. In strukturschwachen Regionen entstehen große, moderne Batteriefabriken. Die deutsche Industrie und ihre Fachkräfte sind gefragt.

Wie sehen chinesische Unternehmen die deutsche Industrie? Wir haben nachgefragt:

"Chinesische Unternehmen tun Deutschland gut"

Wei Duan, Hauptgeschäftsführer, Chinesische Handelskammer in Deutschland e. V. (CHKD)
(Bild: CHKD)

Wei Duan, Hauptgeschäftsführer, Chinesische Handelskammer in Deutschland e. V. (CHKD): "Rund ein Drittel der chinesischen Unternehmen in Deutschland ist mittlerweile seit über zehn Jahren hierzulande aktiv. Sie schätzen Deutschland nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch wegen der fortschrittlichen Technologie und bauen hier verstärkt Entwicklungszentren und Produktionskapazitäten auf.

Unsere Umfragen zeigen: Mit längerer Betriebsdauer steigt das Investitionsvolumen, und der Anteil lokaler Mitarbeiter liegt bei über 90 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, dass chinesische Unternehmen gern in Deutschland sind und ihr Engagement nachhaltig ist. Und sie zeigen auch: Chinesische Unternehmen tun Deutschland gut!"

"Das Know-how und die Qualität sind sehr hoch"

Hui Zhang, Vice President NIO Europe
(Bild: Nio)

Hui Zhang, Vice President des Elektroauto-Herstellers Nio Europe: "Wir werden 2022 mit dem Nio ET7 nach Deutschland kommen. Dass wir hier ausgezeichnete Lieferanten haben, weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung. Ich bin schon sehr lange in Deutschland und kenne die Zulieferer der Automobilindustrie. Das Know-how und die Qualität sind sehr hoch.

Für Nio als Premiummarke ist das Thema Qualität entscheidend. Und so arbeiten wir unter anderem bereits mit Firmen wie Rosenberger Hochfrequenztechnik oder Zollner Elektronik AG zusammen. Beides Familienunternehmen mit Standorten in China. Generell zeichnet die deutsche Industrie eine hohe Innovationskultur aus und sehr professionelles Management auf globaler Ebene."

"Der Qualitätsanspruch der Kunden ist enorm hoch"

Ma Xiaowei, Geschäftsführer von Midea Europe
(Bild: Midea)

Ma Xiaowei, Geschäftsführer von Midea Europe: "Deutschlands Industrie ist führend bei der Qualitätsproduktion und hat jahrzehntelange Erfahrung bei der Etablierung von elektrischen Markenprodukten. Hier können wir unsere Leistungsfähigkeit in einem anspruchsvollen Markt zeigen. Mit Elektronik und Smart Home definieren wir dabei die Welt der Haushaltsgeräte neu. Der deutsche Markt ist daher hervorragend für die Midea Group.

Der Qualitätsanspruch der Kunden ist enorm hoch. In unseren Produkten integrieren wir neueste Technologien, die auf unserer jahrelangen Erfahrung und unseren Kompetenzen basieren. Die Etablierung des enorm breiten Produktportfolios im deutschen Markt ist für Midea eine große und sehr spannende Aufgabe. Aufgrund der hohen Qualität unserer Produkte und des umfassenden Sortimentes sehen wir uns bestens dafür gerüstet, die Zukunft des Smart Home Business mitzugestalten."

Stephan Mayer, CEO Werkzeugmaschinen bei Trumpf, hat einige Jahre in China gelebt. Im Podcast Industry Insights berichtet er über seine Erfahrungen und erklärt, welche kulturellen Unterschiede es gibt:

"Die deutsche Industrie ist innovativ und leistungsfähig"

Cai Zhengxin, CEO der Preh GmbH
(Bild: Preh GmbH)

Cai Zhengxin, CEO der Preh GmbH: "Ich bin CEO einer typischen deutschen Firma, die allerdings eine chinesische Mehrheitsbeteiligung hat. Unser Motto ist 'wenn du in Rom bist verhalte dich wie ein Römer'.

Damit sind wir Teil der deutschen Industrie. Diese ist innovativ, leistungsfähig und hat bei einem Fokus auf Zukunftstechnologien eine glänzende Zukunft."

"Eine große Chance für die lokale Wirtschaft"

Yang Hongxin, CEO des Hightech-Unternehmens Svolt
(Bild: Svolt)

Yang Hongxin, CEO des Hightech-Unternehmens Svolt: "Wenn chinesische Batterieunternehmen wie Svolt in den europäischen Markt eintreten, ist es für die lokale Wirtschaft eine große Chance, vor allem in Hinblick auf den Aufbau einer kompletten Lieferkette.

Als moderner Industrie-, Logistik- und Innovationsstandort bietet das Saarland Svolt nicht nur die Möglichkeit, hochqualifizierte Mitarbeiter zu akquirieren und weiterzuentwickeln, sondern zeichnet sich darüber hinaus durch seine zentrale Lage im Zentrum des europäischen Wirtschaftsraums, eine hervorragende Infrastruktur sowie ein ebenso florierendes wie inspirierendes Umfeld mit international erfolgreichen Unternehmen aus."

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"Leichtbautechnologie ist einer der wichtigsten technologischen Pfade"

Li Jingang, CEO Beijing Hainachuan Automotive Parts Co., Ltd. (BHAP)
(Bild: BHAP)

Li Jingang, CEO Beijing Hainachuan Automotive Parts Co., Ltd. (BHAP): "Vor dem Hintergrund des beschleunigten Wandels der globalen Automobilindustrie ist die Leichtbautechnologie auf der Grundlage einer grünen Entwicklung zu einem der wichtigsten technologischen Pfade für die Transformation der Branche geworden.

Als globaler Komponentenhersteller ist BHAP aktiv an der Umgestaltung der Automobilindustrie beteiligt und engagiert sich in der Forschung und Anwendung von Leichtbautechnologien, und unser Tochterunternehmen BTAH (Bohai Trimet Automotive Holding GmbH) verfügt über große technische Stärken und Marktanteile im Bereich des Leichtbaus. In Zukunft wird BHAP seine Investitionen und Unterstützung für BTAH weiter ausbauen und gemeinsam mit globalen Partnern einen hervorragenden Mehrwert für die Automobilindustrie schaffen."

"Wir haben auch viel von Deutschland gelernt"

Sui Xiaowen, General Managerin Goldwind Europa
(Bild: Goldwind)

Sui Xiaowen, General Managerin Goldwind Europa: "Wir arbeiten seit vielen Jahren am Thema Nachhaltigkeit, nicht nur im Hinblick auf die Umwelt, sondern auch bei Menschenrechten, Arbeitsrechten und der Nachhaltigkeit von Lieferketten. Goldwind ist dem 'United Nations Global Compact' beigetreten und unterstützt dessen zehn Prinzipien der Nachhaltigkeit. Damit sind wir beim neuen Lieferkettengesetz besser aufgestellt als manches westliche Unternehmen. Aber wir haben auch viel von Deutschland gelernt. Insbesondere, wie man mit den Herausforderungen der CO2-Neutralität umgeht."

Dossier Klimaneutrale Industrie - hier zum Download

Frau hält ein Tablet in der Hand und wählt auf dem Display Beiträge aus, die außerhalb des Tablets virtuell angezeigt werden
(Bild: mi connect)

Entdecken Sie, wie Sie den steigenden Energiekosten entkommen und gleichzeitig Ihr Unternehmen klimaneutral für die Zukunft aufstellen. Wie das geht, ist in dem Dossier Klimaneutrale Industrie verständlich erklärt. Hier gelangen Sie zur Leseprobe. Weitere Informationen und den Link zum Download der Studie gibt es hier.

Das erwartet Sie:

 

  • Wirtschaftliche Vorteile eines klimaneutralen Unternehmens
  • Welche pragmatischen Lösungen es für die Reduzierung von CO2-Emissionen gibt
  • Wie Sie an die richtigen Fördertöpfe kommen
  • Experteninterviews mit Tipps aus der täglichen Praxis und gezielten Lösungsstrategien zu Fragen wie „Was will ich erreichen, was kann ich erreichen und wo fange ich überhaupt an?“
  • Best Practice-Cases aus der Industrie

"Von unserer Dynamik können auch deutsche Unternehmen profitieren"

Tan Xuguang, Chairman Weichai Power
(Bild: Weichai Power)

Tan Xuguang, Chairman Weichai Power: "In den vergangen Jahren zählte Wechai Power zu den wenigen Zulieferkonzernen weltweit, welche Umsatz und Gewinn stark steigern konnte. Von unserer Dynamik können auch Unternehmen aus Deutschland profitieren, welche auf Kooperationen mit uns setzten.

Kion und seine Tochtergesellschaften expandieren kräftig. Und mit unserem Weichai Power European Technology and Innovation Center in Aschaffenburg tragen wir zum Technologietransfer mit Schwerpunkt Hydrauliktechnologie und neuer Energietechnologie bei."

"Qualität und Zuverlässigkeit sind sehr wichtig"

Shao Tianlan, CEO Mech-Mind Robotics
(Bild: Mech-Mind Robotics)

Shao Tianlan, CEO Mech-Mind Robotics: "Durch mein mehrjähriges Studium und Arbeiten in Deutschland konnte ich hautnah erfahren, dass Qualität und Zuverlässigkeit für die deutsche Industrie sehr wichtig sind. Mit der Philosophie von Mech-Mind, Partner weltweit mit wettbewerbsfähigen Produkten und umfassendem Service zu unterstützen, werden wir die Adaption der 3D-Vision-geführten Robotik auch in Deutschland vorantreiben.

Unsere Produkte sind so konzipiert, dass sie die bisherigen Problemstellen in Fertigungsprozessen grundlegend verändern, indem sie die Best Practices aus KI, 3D-Bildverarbeitung und Mensch-Robotik-Interaktion nutzen. Wir freuen uns darauf, in der Industrie 4.0 eine intelligentere Robotik zu ermöglichen und unseren Partnern in Deutschland dabei zu helfen, im gesamten Automatisierungssektor und darüber hinaus zu wachsen."

Was Sie schon immer über additive Fertigung wissen wollten

Sie sind auf der Suche nach weiteren Informationen zum industriellen 3D-Druck? Was die Branche aktuell beschäftigt, lesen Sie in unserer Übersicht "Additive Fertigung: Das sind Herausforderungen und Trends".

 

Weitere Empfehlungen der Redaktion zur additiven Fertigung:

"Wir schätzen die Verbindlichkeit und Qualitätsorientierung"

Michael Yang, Chief Representative, Huawei Technologies Deutschland
(Bild: Huawei Technologies)

Michael Yang, Chief Representative, Huawei Technologies Deutschland: "Huawei arbeitet mit mehr als 20 DAX-Unternehmen und auch vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland zumeist seit vielen Jahren eng zusammen – als Lieferant, als Kunde oder als Forschungspartner. Diese Zusammenarbeit ist geprägt von hohem Vertrauen und großer Professionalität.

Wir schätzen die Verbindlichkeit, Qualitätsorientierung  und Präzision der deutschen Industrie. Die Kombination unserer Fähigkeiten im Bereich Digitalisierung mit Stärken der deutschen Industrie in Bereichen wie Maschinenbau oder Mobilität eröffnet neue Perspektiven bei Innovationen, die unsere Welt und unser Leben verbessern."

"Gemeinsam Innovation und Digitalisierung vorantreiben"

Li Shiwei, Vice President Tencent Cloud International & President European Region
(Bild: Tencent Cloud)

Li Shiwei, Vice President Tencent Cloud International & President European Region: "Deutschland ist einer der führenden Märkte in Europa, wenn es um die Fertigung geht. Daher betrachtet Tencent Cloud diesen Markt als eine wichtige Säule für seine europäische Expansion und hat sein europäisches Regionalzentrum in Frankfurt errichtet.

Als Cloud-Dienstleister bieten wir nicht nur digitale Lösungen zum Aufbau der nächsten Generation von Lights-out-Fertigung, zur Digitalisierung von Arbeitsabläufen und zum Aufbau neuer Geschäftsmodelle, sondern ermöglichen auch deutschen Unternehmen, ihre lokalen Betriebe weltweit und insbesondere mit ihren chinesischen Fabriken zu vernetzen. Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen, um gemeinsam Innovation und Digitalisierung der Fertigungsindustrie voranzutreiben."

"Deutschland ist Vorreiter in der Kreislaufwirtschaft"

Peng Jiang, Geschäftsführer Qingdao Henotec Environment Technology
(Bild: Qingdao Henotec Environment Technology)

Peng Jiang, Geschäftsführer Qingdao Henotec Environment Technology: "Deutschland ist Vorreiter bei modernster Abfall-Aufbereitung und in der Kreislaufwirtschaft. China braucht diese Systeme, und zwar schnell. Durch Chinas Plan hin zu einer CO2-freien Wirtschaft konnten wir bereits zahlreichen Unternehmen aus Deutschland helfen, dort ihre bewährten Technologien zu implementieren. Der Markt dafür ist riesig und nachhaltig."

(Bearbeitet von Anja Ringel.)

Podcast Industry Insights: Hören Sie rein!

Cover Industry Insights mit Anja Ringel und Julia Dusold

Im Podcast Industry Insights sprechen wir gemeinsam über alles, was die Industrie beschäftigt. Unsere Redakteurinnen Julia Dusold und Anja Ringel haken nach, welche Karrierethemen und Technik-Trends bei Technologieunternehmen und Maschinenbauern gerade aktuell sind. Dafür laden wir in jede Folge eine prominente Branchengröße ein, um mit ihr zu diskutieren.

Einige Highlights:

Alle Folgen von Industry Insights finden Sie hier. Abonnieren Sie uns gerne auch auf Spotify, Apple Podcast oder dort, wo Sie am liebsten Podcasts hören.

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