Trumpf Gebäude von außen

Trumpf musste im vergangenen Geschäftsjahr einen Auftragsrückgang verkraften. - Bild: Trumpf

| von Anja Ringel

Dass etwas anders ist dieses Jahr zeigt sich schon vor der Bilanzpressekonferenz: Statt einem Handschlag wird man vom freundlichen Trumpf-Mitarbeiter mit einem Fiebermessgerät begrüßt. Sicherheit geht vor in Ditzingen.

„Ich präsentiere Ihnen heute die Zahlen eines Geschäftsjahrs, das in negativer Hinsicht auch in die Geschichte unseres Unternehmens eingehen wird“, erklärt dann auch Geschäftsführerin Dr. Nicola Leibinger-Kammüller. Denn nach dem historisch besten Geschäftsjahr 2017/18 musste die CEO für 2019/20 viele Rückschläge erklären.

Das liegt an der Corona-Pandemie, aber nicht nur: Zu schaffen macht dem Unternehmen der – laut Leibinger-Kammüller zu erwartende – Nachfragerückgang bei den Werkzeugmaschinen sowie die nachlassende Weltkonjunktur seit 2018. Dass der Umsatz seitdem stark blieb, habe an dem noch sehr guten Auftragsbestand gelegen, erklärt die Trumpf-Chefin. Der Strukturwandel in der Automobilindustrie ist ebenfalls negativ für das Geschäft der Ditzinger.

Aufträge sinken um eine halbe Milliarde Euro

In Zahlen heißt das: Der Umsatz ist um knapp acht Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro gesunken. Der Auftragseingang sank um mehr als ein Zehntel (knapp elf Prozent) auf 3,3 Milliarden Euro – im Vergleich zu 2017/18 ist das eine halbe Milliarde Euro weniger. „Eine Zahl, die uns bereits vor Corona zu entschlossenem Handeln hinsichtlich des Kostenmanagements veranlasst hat“, so Leibinger-Kammüller.

Aufgeteilt in Geschäftsbereichen und ausgewählte Geschäftsfelder schaut der Umsatz wie folgt aus:

Der Umsatz von Trumpf im vergangenen Geschäftsjahr.
Der Umsatz von Trumpf im vergangenen Geschäftsjahr. - Tabelle: Anja Ringel; Quelle: Trumpf-Geschäftsbericht 2019/20

Was dem Unternehmen in den vergangenen Monaten geholfen hat war – wie bei anderen Firmen auch – die Kurzarbeit. Diese lag teilweise bei 30 Prozent. Derzeit arbeiten noch 27 Prozent der Trumpf-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Nur so sei es möglich gewesen, den Umsatz „in den gut gehenden Geschäftsbereichen zu generieren“ und die Wertschöpfungskette zu schützen, so die CEO. Einen kompletten Lockdown gab es beim Unternehmen übrigens nie. Teile der Produktion, Services und Zentralfunktionen haben unter Sicherheitsmaßnahmen immer weitergearbeitet. Rund 60 Prozent der Mitarbeiter waren im Homeoffice.

Eine Maßnahme, die – wenn man den Aussagen Leibinger-Kammüllers folgt – nicht zur Normalität werden soll.  „Wir wollen die Prozesse von vorn bis hinten durchdenken und uns auf Basis vergleichender Studien zunächst eine fundierte Meinung darüber bilden, wie sich das Homeoffice nachweislich und langfristig auf die Produktivität auswirkt“, erklärt sie. „Worin bestehen noch der besondere Geist und das kulturelle Unterscheidungsmerkmal einer Firma, wenn sie ihre Mitarbeiter über Monate ins Homeoffice schickt? Wie soll Bindung zu einer Firma entstehen?“, fragt sie.

Exporte werden für Trumpf immer wichtiger

Deshalb halte das Unternehmen eine weitgehendes Arbeiten im Homeoffice für gefährlich. Das sei ohnehin nicht in allen Bereichen möglich. Sie sprach sich deshalb auch gegen einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice aus.

Trumpf geht damit einen anderen Weg als Siemens. Das Unternehmen hat erst kürzlich tausenden Mitarbeitern dauerhaftes Homeoffice in Aussicht gestellt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Doch zurück zum Umsatz: Er zeigt nämlich auch, dass Exporte für Trumpf immer wichtiger werden. Denn der Umsatzanteil Deutschlands sank von 19 auf 17 Prozent. Die Anteile des amerikanischen Kontinents und Asiens stiegen dagegen leicht.

Die Zahlen im Überblick:

In Deutschland macht Trumpf lediglich noch 17 Prozent Umsatz.
In Deutschland macht Trumpf lediglich noch 17 Prozent Umsatz. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: Trumpf Geschäftsbericht 2019/20

Dennoch sieht Leibinger-Kammüller auch Lichtblicke: Für Trumpf würden sich durch den Technologiewandel auch Chancen ergeben, ist sich die CEO sicher. Denn die Elektromobilität profitiere von der flexiblen Blechbearbeitung: „Gerade weil die E-Mobilität derzeit mit kleineren Stückzahlen arbeitet und noch viele Änderungen in der Konstruktion zum Beispiel der Batterie-Gehäuse mit sich bringt, ist die flexible Blechbearbeitung etwa gegenüber den großen Pressen eindeutig im Vorteil.“

Bei der Lasertechnik will Trumpf nun noch konsequenter im High-Volume-Markt präsent sein – also hohe Stückzahlen bei geringen Einzelpreisen verkaufen. Auch im Bereich EUV sieht Leibinger-Kammüller noch Steigerungsmöglichkeiten: Dort habe man lange investiert und das trage nun Früchte. Das Niveau liege in diesem Bereich bei 40 Maschinen pro Jahr, die gebaut werden. Die Trumpf-Chefin rechnet damit, dass die Zahl in den nächsten Jahren auf 50 bis 60 Maschinen anwachsen werde.

Neues Geschäftsmodell bei Trumpf

Trumpf-Geschäftsführerin Nicola Leibinger-Kammüller
Nicola Leibinger-Kammüller hat die Trumpf-Geschäftszahlen vorgestellt. Trotz Auftragsrückgang ist sie optimistisch. - Bild: Trumpf

Ebenfalls Erfolg bringen soll ein neues Businessmodell: Pay-per-part. Dadurch sollen Kunden Trumpf-Maschinen nutzen können, ohne diese vorher kaufen oder leasen zu müssen. Die Lösung? Für jedes geschnittene Blechteil soll ein vorher vereinbarter Preis gezahlt werden.

Dadurch sollen kleinere Firmen, die sich keine Investitionen leisten können, ebenfalls flexibler auf Marktveränderungen reagieren können. Die Kunden bezahlen also nicht mehr die Maschine, sondern das bearbeitete Blech, erklärt Chief Digital Officer (CDO) Dr. Mathias Kammüller. Da das Modell natürlich mit Risiken verbunden ist, arbeitet Trumpf mit der Rückversicherungsgesellschaft Munich Re zusammen. Die Gesellschaft bekommt für ihr Investment Rendite.

Das Modell sei noch eine ungewohnte Vorstellung für Kunden, so Kammüller weiter. Man wolle nun in einer Testphase mit vier Kunden aus der DACH-Region schauen, wie es funktioniert. Er betont, dass das Angebot ergänzend sein und keinesfalls das bisherige Geschäftsmodell ersetzen soll. „Dass es ökonomisch funktioniert ist unsere feste Überzeugung“, sagt der CDO.

Demensprechend positiv fällt Leibinger-Kammüllers Ausblick aus. Die ersten drei Monate des Quartals – also ab Juli – habe es keine großen Zuwächse gegeben, aber eine Stabilisierung. „Wir waren schon froh, dass es nicht mehr weiter runtergeht“, sagt sie. Sie sieht deshalb ein Ende der Talfahrt, aber keinen echten Aufschwung. Es komme jetzt aber auch darauf an, dass die Politik möglichst einheitliche Entscheidungen trifft.

Und: „Was die Unternehmen in der schwierigen konjunkturellen Situation nicht brauchen, sind höhere Steuern und mehr Regulierung, angefangen beim gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice bis hin zu Haftungen in der Lieferkette für die Handlungen Dritter.“ Auch die jetzt auf den Weg gebrachten EU-Pläne zur Erhöhung der CO2-Ziele stellen laut Leibinger-Kammüller eine große Herausforderung für die europäische Industrie dar. „So richtig das grundlegende Ziel einer nachhaltigeren Wirtschaft auch ist“, erklärt sie. Mehr zum Thema Nachhaltigkeit bei Unternehmen lesen Sie hier.

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