zwei Frauen schauen aus einem Fenster auf eine Skyline

Die Top-200-Unternehmen haben immer mehr Frauen in den Vorständen. (Bild: BullRun - stock.adobe.com)

Die gute Nachricht vorneweg: Große deutsche Unternehmen haben zuletzt deutlich mehr Frauen in ihre Vorstände berufen, als in den Jahren zuvor. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen gab es Ende 2021 139 Vorständinnen – 38 mehr als ein Jahr davor. Das geht aus dem neuesten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin hervor, das heute (19.01.) vorgestellt wurde.

Um rund drei Prozentpunkte stieg damit der Frauenanteil in den Top-200-Unternehmen um nun auf fast 15 Prozent. Einen so starken Anstieg innerhalb eines Jahres gab es laut DIW seit Einführung des Managerinnen-Barometers 2006 noch nie.  Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics, sagte, die Entwicklung sei bemerkenswert. Bei den Dax-40-Unternehmen liegt der Frauenanteil inzwischen bei 17,5 Prozent.

Bei den Aufsichtsräten ging es weniger dynamisch zu. Dort liege man aber auch auf einem höheren Niveau, sagte Wrohlich auf der Pressekonferenz. Dort ist die Quote bei den Top-200-Unternehmen derzeit bei 30 Prozent, bei den Dax-40 bei knapp 35 Prozent. Mehr zur Auswertung des vorherigen Managerinnen-Barometers lesen Sie hier.

Über Frauen in der Führungspositionen geht es auch im Podcast mit Christina Reuter:

Welchen Einfluss die gesetzliche Frauenquote hat

Der Grund für die Steigerung – vor allem bei den Vorständinnen – ist dabei die Frauenquote, also die gesetzliche Mindestbeteiligung. Zur Erinnerung: Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen ab einer Vorstandsgröße von vier Personen müssen ab August bei der Neubesetzung von Vorstandsposten mindestens eine Frau – oder im umgekehrten, nicht vorhandenen Fall mindestens einen Mann – in das Gremium berufen. Davon sind 66 Unternehmen betroffen.

Die Expertinnen des DIW konnten nun starke Antizipationseffekte feststellen: Zwölf Unternehmen ohne Frau im Vorstand im Herbst 2020 hatten ein Jahr später eine Vorständin. 16 Konzerne hatten 2021 im Vergleich zum Vorjahr mehr Frauen im Vorstand. Aber: 19 der 66 Unternehmen hatten Ende 2021 noch keine Frau im Vorstand.

Wie Unternehmen mehr Frauen für sich begeistern können, lesen Sie hier.

Weitere Erkenntnisse aus der Studie: Unternehmen mit einer Frauenquote haben einen deutlich höheren Frauenanteil als Firmen ohne Quote. Rein männliche Vorstände sind mehr im SDax und TecDax zu finden. Unter den Dax40 gibt es dagegen kaum Unternehmen ohne eine Frau im Vorstand. Als Grund nannte Virginia Sondergeld vom DIW Berlin, dass die Dax-Konzerne mehr in der Öffentlichkeit stehen.

Die Expertinnen konnten im vergangenen Jahr noch andere Entwicklungen feststellen: Einige Unternehmen haben zum Beispiel neue Vorstandsressorts eingeführt – beispielsweise zu digitalen Themen. Wrohlich erklärte, viele Unternehmen haben ihr erklärt, dass es aufgrund der Corona-Pandemie auch eine Umstellung der Arbeitsweisen gibt und dieser Schritt deshalb notwendig geworden sei. Es sei also nicht feststellbar, dass extra ein Ressort geschaffen wurde, um da dann eine Frau einzustellen. Es sei zu früh, da eine pauschale Aussage zu treffen, sagte auch Sondergeld.

Europäischer Vergleich: So steht Deutschland da

Blickt man auf ganz Europa so zeigt sich, dass neun EU-Staaten eine gesetzliche Mindestbeteiligung für Spitzengremien der Privatwirtschaft. Neben Deutschland gehören folgende Länder dazu: Spanien, Belgien, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Portugal und Griechenland.

Der europäische Vergleich zeigt laut Anja Kirsch von der FU Berlin, dass es große Unterschiede bezüglich des Quotenziels, der Sanktionen bei Nichteinhaltung, des Geltungsbereichs und der Reichweite gibt. „Die deutsche Quote für Aufsichtsräte und Beteiligungsgebot für Vorstände hat im internationalen Vergleich eine schmale Reichweite“, sagte Kirsch.

Der Vergleich zeigt außerdem: Quotenregelungen sind durchaus wirksame Mittel, um den Frauenanteil in den Chefetagen zu steigern. Die Quote für die Spitzengremien sei kein Allheilmittel, aber man erhoffe sich dadurch Vorbildwirkungen und Top-Down-Maßnahmen, erklärte Wrohlich.

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