Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact.

Einer der Redner für das Fokusthema "Internationaler Handel": Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact. - Bild: Anna McMaster

Der deutsche Maschinenbau entwickelt zunehmend Produkte und Lösungen für einen Absatzmarkt außerhalb der EU. 90 Prozent des Wachstums der nächsten zehn Jahre, sagte EU-Politiker Manfred Weber (CSU) in seiner Keynote. China spielt dabei eine besondere Rolle. Auf dem Maschinenbau-Gipfel diskutierte die Branche nun verschiedene Lösungen, um sich auf dem Markt zu behaupten.

Beispiel Phoenix Contact

Für den Maschinenbauer sind China und die USA die beiden größten Märkte außerhalb Deutschlands, erklärte CEO Frank Stührenberg in seinem Vortrag auf dem Maschinenbau-Gipfel. 75 Prozent ihres Geschäfts sei außerhalb Deutschlands. Stührenberg erwartet, dass China in weniger als fünf Jahren der größte Einzelmarkt für das Familienunternehmen sein wird.

Wie viele andere Firmen auch, folgte Phoenix Contact dem Markt und hat Competence Center in China und den USA aufgebaut. Dort wolle man die gleichen Aufgaben durchführen können, wie in Deuschland, sagte Stührenberg. Konkret heißt das, dass dort sowohl Entwicklung, Service und Vertrieb, als auch Produktion und Logistik angesiedelt wurden. In den USA habe man derzeit mehr als 800 Mitarbeiter, in China rund 3.000, so Stührenberg.

Der nächste Schritt sei dann, die Verantwortung für einen kompletten Produktbereich in die Center zu übertragen, so der CEO. In den USA wurde zum Beispiel der Bereich Elektronikfertigung angesiedelt.

Ein weiteres Thema, das Phoenix Contact in China beschäftigt: Die Great Chinese Firewall. Das Ziel der Firewall sei es, alle im Land erzeugten Daten in der Volksrepublik zu halten, sagte Stührenberg. Um diese Firewall auf dem legalen Weg zu umgehen, arbeitet das Unternehmen nun mit einem Partner zusammen, der eine spezielle VPN-Verbindung aufgebaut hat. Dadurch komme man um die Firewall herum und müsse keine Daten im Land halten, so der CEO.

Das Beispiel zeige, dass es Lösungen für bestimmte Herausforderungen in China gebe. Allerdings kosten sie Zeit und Aufwand, sagte Stührenberg.

Daneben hat Phoenix Contact ein „Smart Eco-System 2.0“ aufgebaut. Das steckt dahinter: Man habe vorher schon Partnerschaften mit chinesischen Firmen geschlossen, berichtete Stührenberg. Neu sei nun, dass die Firma einen Schritt weitergehe und sich als Minderheit an chinesischen Unternehmen beteilige. Die Beteiligungen gehen dabei nie über 30 Prozent. Ziel das Unternehmen ist es dabei, zu zeigen, dass sie in China aktiv sind, sollte es einmal Einschränkungen für ausländische Firmen geben.

Beispiel Heidelberger Druckmaschinen

Um gegen die Konkurrenz aus China zu bestehen setzen einige Unternehmen auch auf Minimal Viable Products. Das funktioniere gut bei neuen Produkten, sagte Heidelberg-CEO Rainer Hundsdörfer. So sei Heidelberg mit seinen Wallboxen sofort auf den Markt gegangen. Es funktioniere aber auch bei Softwareprodukten gut.

Hundsdörfer erzählte aber auch, was passiert, wenn man etwas am Markt vorbeientwickelt. Genau das ist dem Unternehmen nämlich mit einer Digitaldruckmaschine passiert. Die genauen Hintergründe und Erkenntnisse hat er den Redakteurinnen Julia Dusold und Anja Ringel auch im Podcast Industry Insights erklärt:

Beispiel Kuka

„China steht für Zukunft und Geschwindigkeit“, erklärte Dr. Kristina Wagner, Vice President Corporate Research & Director RoX Program bei Kuka. „Die deutsche Ingenieurskunst müssen wir im internationalen Handel neu definieren.“

Beispiel Brückner Maschinenbau

Es gebe durchaus chinesische Wettbewerber, die teilweise schneller sind, sagte Michael Baumeister, Geschäftsführer Technik. Es sei aber ein kleiner Markt und die Anlagen sehr teuer. Die Kunden würden deshalb mehrere Millionen Euro ausgeben und haben hohe Erwartungen. Diese Hürde müssten die Wettbewerber erst nehmen, so Baumeister. Denn in diesen Punkten könne die deutsche Ingenieurskunst punkten. Er sagte aber auch, der deutsche Maschinenbau solle sich nicht in Spezial-Endprodukte verdrängen lassen.

Beispiel Bosch Rexroth

An der „local for local“-Strategie komme man vor allem in China und den USA nicht mehr vorbei, sagte Dr. Marc Wucherer, Vorstandsmitglied Bosch Rexroth. China sei nicht mehr nur Werkbank des Westens, sagte er.

Mehr über Bosch Rexroth lesen Sie auch hier.

Alles Wichtige zum Maschinenbau-Gipfel 2021

Impressionen von der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie und auf unseren Social Media Kanälen (LinkedIn | Twitter). Wenn Sie wissen wollen, wer den Preis deutscher Maschinenbau gewonnen hat, klicken Sie hier. Und welches junge Unternehmen den Start-up Award erhalten, erfahren Sie in diesen Artikel.

Natürlich war auch inhaltlich viel los, es wurde über Politik diskutiert und über die aktuellsten Themen der Branche. Hier ein paar Empfehlungen zum Nachlesen.

Aus der Politik:

Zu den Fokusthemen:

Wer lieber hören statt lesen mag, dem sei unser Podcast Industry Insights empfohlen. In einer Sonderfolge zum Gipfel haben Julia Dusold und Anja Ringel mit VDMA-Präsident Karl Haeusgen gesprochen. Und zwar darüber, was die Branche momentan bewegt - von Lieferengpässen, über die Erwartungen an die Politik, hin zu Nachhaltigkeit. Hören Sie rein!

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