Ein Geschäftsmann hält ein Diagramm der Kohlendioxidemissionen hoch.

Eine neue Analyse zeigt: Viele Unternehmen könnten sich noch mehr mit dem Thema Dekarbonisierung beschäftigen. (Bild: takasu - stock.adobe.com)

Wie können Unternehmen und die Gesellschaft nachhaltiger werden und mehr für den Klimaschutz tun? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit viele Menschen. Einer aktuellen Umfrage des Umweltbundesamtes zufolge, ist Umwelt- und Klimaschutz für 65 Prozent der Deutschen ein sehr wichtiges Thema.

Auch für den Maschinenbau ist das Thema relevant. So sagte zum Beispiel VDMA-Präsident Karl Haeusgen, die Branche sei die Nachhaltigkeitsbranche schlechthin. Denn ohne den Maschinen- und Anlagenbau seien die aktuellen Entwicklungen im Energiesektor, aber auch beim Thema Mobilität nicht möglich. Die Folge können Sie sich hier anhören.

Aber wie sieht es mit dem Maschinenbau selbst aus? Wie weit ist die Dekarbonisierung? Die Unternehmensberatung Oliver Wyman hat die Top 100 der europäischen Maschinenbauer analysiert und geschaut, in welchem Umfang sie sich mit dem Thema CO2-Neutralität beschäftigen.

Alles Wissenswerte zum Thema CO2-neutrale Industrie

Sie wollen alles wissen zum Thema CO2-neutrale Industrie? Dann sind Sie hier richtig. Alles über den aktuellen Stand bei der klimaneutralen Industrie, welche technischen Innovationen es gibt, wie der Maschinenbau reagiert und wie die Rechtslage ist erfahren Sie in dem Beitrag "Der große Überblick zur CO2-neutralen Industrie".

Um die klimaneutrale Industrie auch  real werden zu lassen, benötigt es regenerative Energien. Welche Erneuerbaren Energien es gibt und wie deren Nutzen in der Industrie am höchsten ist, lesen Sie hier.

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Das Ergebnis ist ernüchternd: Gerade einmal knapp die Hälfte der untersuchten Unternehmen hat überhaupt ein CO2-Reduktionsziel ausgegeben. Daniel Kronenwett, Partner bei OIiver Wyman im Bereich Maschinen- und Anlagenbau erklärt im Gespräch mit PRODUKTION: „70 Prozent der Unternehmen haben eine Berichterstattung, also einen Nachhaltigkeitsbericht. Aber gerade einmal etwas mehr als die Hälfte kommuniziert in Bezug auf Scope 1 und 2 auch konkrete Ziele.“ Positiv ist laut Kronenwett, dass immer mehr Unternehmen ihre Ziele veröffentlichen. Denn im Vorjahr waren es nur 43 Prozent.

Mit Scope 1 werden die direkten Emissionen des Unternehmens bezeichnet. Scope 2 sind die mittelbaren Emissionen durch den Energiebezug, also zum Beispiel der eigene Stromverbrauch.

Ein großer Teil der Unternehmen hat außerdem schon Pläne für die CO2-Reduktion. Aber: „Nur ein kleiner Teil hat auch eine ‚Paris-konforme‘ Ambition und gleichzeitig die Performance dahinter, um diese Pläne im erforderlichen Zielkorridor umzusetzen“, so der Experte. Ein großer Teil der Unternehmen habe aber entweder keinen Plan oder sei im Rückstand. „Es ist schon dramatisch, dass da nicht mehr Geschwindigkeit dahinter ist“, sagt Kronenwett.

Das ist Daniel Kronenwett

Daniel Kronenwett

Daniel Kronenwett ist Partner bei OIiver Wyman im Bereich Maschinen- und Anlagenbau in München. Er berät Unternehmen vom Konzern bis zum familiengeprägten großen Mittelstand. Sein Fokus liegt auf Strategieentwicklung, großen Transformationsprogrammen sowie Green Tech & Sustainability. (Bild: Oliver Wyman)

Wenig Transparenz bei Scope-3-Emissionen

Ebenfalls nicht gut schaut es beim Scope 3 aus. Dazu zählen die Emissionen, die durch das Handeln des Unternehmens entstehen. Also alle Emissionen, die in der vorgelagerten Lieferkette verursacht werden, zum Beispiel bei eingekauften Rohstoffen. Kronenwett erklärt: „Nur 30 Prozent der Unternehmen zeigen auf, wie hoch ihre Scope 3 Emissionen während der Equipment-Nutzung über den Lebenszyklus und aus der Supply Chain sind.“ Die Transparenz sei hier sehr gering.

„Bei den Firmen, die Zahlen dazu haben, macht Scope 3 jedoch über 90 Prozent der Emissionen aus“, so der Experte weiter. „Das zeigt, das Thema Emissionen aus Equipment-Nutzung und Supply Chain wird noch relativ halbherzig behandelt und die meisten Unternehmen kümmern sich noch nicht ausreichend und umfassend genug darum.“

Deutsche Unternehmen schneiden unterdurchschnittlich ab

Schaut man sich die Top-100 des europäischen Maschinenbaus genauer an, so lassen sich zwei Tendenzen erkennen:

  • Die deutschen Firmen schneiden in den Rankings unterdurchschnittlich ab. Die skandinavischen Unternehmen performen dagegen Kronenwett zufolge überdurchschnittlich.
  • Größere Maschinenbauer sind bei dem Thema im Durchschnitt weiter als kleinere. „Das ist auch nicht überraschend, weil sie zum einen mehr Investitionsmittel und dedizierte ESG-Teams haben, als auch zum anderen in vielen Fällen mehr Druck von der Öffentlichkeit und/oder vom Kapitalmarkt haben“, so Kronenwett.

Podcast: Rainer Hundsdörfer über Nachhaltigkeit bei Heidelberg

Warum Nachhaltigkeit nicht Thema Nummer 1 ist

In Gesprächen mit Kunden hat der Partner von Oliver Wyman noch weitere Gründe gehört, warum das Thema Nachhaltigkeit teilweise noch stiefmütterlich behandelt wird. Einer davon: Man sei kein Großkonzern und könne sich nicht intensiver um das Thema kümmern. Es laufe nebenbei mit.

„Dann gibt es aber auch einen gewissen Konservatismus“, erklärt Kronenwett weiter. „Das Management sagt dann, Nachhaltigkeit sei vielleicht in Europa ein Thema, aber zum Beispiel in Südamerika interessiere das derzeit niemanden.“

Und wie sieht es in familiengeführten Firmen aus?  „Familienunternehmen haben zwar oft nicht die großen Mittel, sie sind aber häufig diejenigen, die Vorreiter sein wollen“, sagt der Experte. Der Grund:  In den Unternehmen stehe die nächste Generation schon bereit und die mache Druck, weil sie das Unternehmen zukunftsfähig machen wollen. „Familienunternehmen sind oft auch sehr weit, was ihre Ambitionen angeht. Sie reden nur nicht so öffentlichkeitswirksam darüber wie börsennotierte Konzerne.“

Verbesserungspotenzial: Das kann der Maschinenbau jetzt tun

Insgesamt bilanziert Kronenwett der Branche eine generelle Trägheit im Umgang mit dem Thema Dekarbonisierung – vor allem was Scope 3 betrifft. Hier sei es zum Beispiel wichtig, in der Tiefe mit den Lieferanten zu arbeiten und nicht nur zu fragen, ob ein Nachhaltigkeitssiegel vorhanden sei.

Probleme sieht Kronenwett auch bei der Umsetzung der Klimaziele: „Es ist schnell gesagt, dass man bis 2050 klimaneutral sein möchte“ In den kommenden zwei bis drei Jahren könne das auch noch so im Raum stehenbleiben. „Aber irgendwann müssen Unternehmen dann auch abliefern“, erklärt er.

Er habe zum Beispiel mit einem Antriebshersteller gesprochen, der gesagt hat, wir haben uns schöne Ziele gegeben, aber im Prinzip können wir noch nicht sagen, wie wir diese erreichen. Kronenwett ist sich sicher: „Die Ziele und die avisierte „grüne Transformation“ auch wirklich umzusetzen wird definitiv die nächste Herausforderung für die Unternehmen.“

Aber können die Ziele überhaupt noch erreicht werden, wenn bisher teilweise wenig bis nichts gemacht wurde? Scope 1 und 2 ist laut Kronenwett für die meisten Unternehmen machbar – zum Beispiel in dem die Energieversorgung auf grünen Strom umgestellt wird oder die Fahrzeugflotte von Diesel- auf Elektroautos. Bei Scope 3 sieht es dagegen anders aus. Die Ziele in diesem Bereich zu erreichen, werde für den ein oder anderen sehr herausfordernd.

„Für Maschinenbauer, die im Fertigungsprozess viel Energie verbrauchen, wird es auch in Scope 1 und 2 schwieriger, die passenden Konzepte zu finden um wirklich auch ohne ‚Offsetting‘ klimaneutral zu produzieren“, bilanziert Kronenwett. Denn das sei schon sehr anspruchsvoll.

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Flaggen von der Ukraine und Russland
(Bild: jd-photodesign - stock.adobe.com)

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